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Fliegen wird zum Luxusgut – und irgendwo klatscht der Algorithmus Beifall

juno1412 (CC0), Pixabay
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Der Krieg im Nahen Osten treibt die Ölpreise nach oben – und mit ihnen scheinbar auch die Fantasie der Fluggesellschaften bei der Preisgestaltung. Kerosin wird teurer, ja. Routen werden länger, auch richtig. Aber was derzeit auf manchen Buchungsseiten passiert, wirkt weniger wie Kostenweitergabe und mehr wie ein kreativer Wettbewerb im „Wie viel zahlt der Kunde noch?“.

Ein Economy-Flug für mehrere tausend Euro? Kein Problem. Preise, die sich innerhalb weniger Tage verdoppeln, verdreifachen oder gleich verzehnfachen? Willkommen im neuen Luftverkehr – powered by Krisen, Knappheit und „Dynamic Pricing“.

Letzteres klingt technisch, fast harmlos. In Wahrheit bedeutet es: Der Algorithmus schaut, wie verzweifelt die Nachfrage ist – und dreht dann beherzt an der Preisschraube. Wer unbedingt fliegen muss, zahlt eben. Angebot und Nachfrage, nur ohne Schamgefühl.

Natürlich verweisen Airlines auf gestiegene Treibstoffkosten. Die machen etwa ein Viertel der Ausgaben aus – der Rest scheint inzwischen flexibel interpretierbar. Gleichzeitig zeigt sich: Einige Fluggesellschaften sind durchaus gegen steigende Ölpreise abgesichert. Interessanterweise spiegelt sich diese Entlastung nur selten in den Ticketpreisen wider. Nach unten ist der Markt plötzlich erstaunlich träge.

Die Sperrung wichtiger Drehkreuze wie Dubai oder Doha verschärft die Lage zusätzlich. Flüge fallen aus, Strecken werden länger, Alternativen knapper – ein perfektes Umfeld für explodierende Preise.

Und genau hier drängt sich eine unbequeme Frage auf: Wird eigentlich auch mal über Regulierung gesprochen? Oder gilt freie Marktwirtschaft nur so lange, bis der Verbraucher zur wandelnden Kreditkarte wird?

Wenn Energiepreise steigen, wird über Preisbremsen diskutiert. Wenn Mieten explodieren, über Deckel. Aber wenn Flugpreise durch die Decke gehen, heißt es plötzlich: „Der Markt regelt das.“

Vielleicht sollte man sich langsam fragen, ob die vielzitierten Verbraucherabzocker nicht nur in dunklen Ecken des Internets sitzen – sondern gelegentlich auch in klimatisierten Vorstandsetagen von Fluggesellschaften.

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