Beim kanadischen Sportmodekonzern Lululemon fliegen derzeit nicht nur die Leggings, sondern auch ordentlich die verbalen Yogamatten durch die Gegend.
Der Konzern hat seinen eigenen Gründer Chip Wilson jetzt öffentlich ziemlich unsanft zurück auf die Meditationsmatte geschickt. In einem offenen Brief an die Aktionäre bezeichnete Lululemon die Ideen des Firmengründers sinngemäß als:
„nett gemeint, aber leider irgendwo zwischen 2010 und Realitätsverlust steckengeblieben.“
Der Gründer will zurück an die Macht
Wilson, immerhin zweitgrößter Aktionär des Unternehmens, versucht seit Monaten wieder mehr Einfluss auf die Marke zu bekommen. Dafür wollte er gleich mehrere neue Aufsichtsräte installieren — darunter Manager von ESPN und Activision Blizzard.
Sein Ziel:
Lululemon neu definieren.
Was vermutlich bedeutet:
Weniger moderne Konzernsprache, mehr alte Gründer-Vibes und wahrscheinlich auch wieder mehr Diskussionen über die „wahre Seele der Yogahose“.
Lululemon schlägt zurück
Das Management reagierte jetzt allerdings erstaunlich deutlich. Aktionäre sollten Wilsons Kandidaten bitte nicht wählen, weil dies seine „fehlgeleiteten Ansichten“ unterstützen würde.
Oder übersetzt:
„Bitte lasst den Mann nicht wieder ans Steuer.“
Besonders brutal formuliert:
Wilson verstehe das heutige Unternehmen nicht mehr und sei „unheilbar auf die Vergangenheit fixiert“.
Das ist im Konzernsprech ungefähr die höfliche Variante von:
„Opa erzählt wieder vom alten Lululemon.“
Die Marke hat ihr „Coolness-Level“ verloren
Wilson wiederum wirft dem Unternehmen vor, seinen „Coolness-Faktor“ verloren zu haben.
Eine gefährliche Aussage bei einer Marke, deren gesamtes Geschäftsmodell darauf basiert, dass Menschen 120 Euro für Yogahosen bezahlen und dabei glauben, spirituell erfolgreicher auszusehen.
Der wahre Feind: Konkurrenz und Konsumflaute
Hinter dem öffentlichen Streit steckt allerdings ein echtes Problem:
Die Aktie hat dieses Jahr rund 40 Prozent verloren. Konkurrenzmarken wie Vuori oder Alo greifen Lululemon zunehmend an, dazu kommen Konsumflaute und Zollprobleme.
Mit anderen Worten:
Während die Führungsetage diskutiert, wer zu nostalgisch oder zu modern ist, kaufen die Kunden plötzlich woanders ihre Luxus-Leggings.
Diversität, Bürokratie und verletzte Gründergefühle
Wilson hatte bereits in der Vergangenheit immer wieder gegen Entscheidungen des Unternehmens geschossen — unter anderem gegen Diversity-Programme.
Außerdem beklagte er, dass er nach dem Börsengang die Kontrolle verloren habe und das Unternehmen in Bürokratie erstickt sei.
Das klingt ein wenig wie ein Musiker, der seine alte Band anschaut und sagt:
„Früher waren wir rebellisch. Heute diskutiert ihr wahrscheinlich erst mal drei Wochen über die Farbe der Trinkflaschen.“
Fazit
Lululemon erlebt derzeit genau das, was viele erfolgreiche Firmen irgendwann trifft:
Der Gründer glaubt, nur er verstehe noch die wahre Vision.
Das Management glaubt, der Gründer verstehe die Gegenwart nicht mehr.
Und die Aktionäre hoffen einfach, dass irgendjemand bald wieder mehr Hosen verkauft.
Oder anders gesagt:
Namaste war gestern —
jetzt heißt es bei Lululemon eher:
„Corporate Yoga mit offenem Schlagabtausch.“
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