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Fan-Kolumne: Borussia Mönchen Gladbach, jetzt wird doch nicht schon gejammert!

jorono (CC0), Pixabay
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Ein Kommentar aus der schwarz-weiß-grünen Fankurve

Ach Borussia, was machen wir denn da schon wieder?

Die Saison hat gefühlt gerade erst angefangen, die Bratwurst am Borussia-Park ist noch nicht richtig verdaut – und schon wird über Verletzungen, Ausfälle und mögliche Probleme gesprochen.

Ganz ehrlich: Jetzt fangen wir doch nicht schon am Anfang der Saison mit dem Jammern an!

Natürlich sind Verletzungen Mist. Jeder Fan möchte die beste Elf auf dem Platz sehen. Und jedem verletzten Spieler wünsche ich, dass er schnell wieder gesund wird.

Aber Verletzungen im Profifußball sind ungefähr so überraschend wie Regen in Mönchengladbach.

Damit muss man rechnen.

Also: Mund abwischen, Schuhe schnüren und nach vorne schauen!

Wofür haben wir eigentlich einen Kader?

Manchmal frage ich mich, was die Vorstellung sein soll.

34 Spieltage, alle Spieler gesund, keiner gesperrt, keiner außer Form und zur Sicherheit verletzt sich beim Gegner noch der beste Stürmer?

Wäre schön.

Ist aber kein Wunschkonzert.

Wir reden über Bundesliga-Fußball.

Da gibt es Verletzungen. Da gibt es Sperren. Da gibt es Formkrisen. Und ja, manchmal fällt ausgerechnet der Spieler aus, den man überhaupt nicht ersetzen kann.

Deshalb haben wir einen Kader.

Und wenn zwei oder drei Verletzte reichen, damit bei Borussia plötzlich die große Krisendiskussion beginnt, dann haben wir kein Verletzungsproblem.

Dann haben wir verdammt noch mal ein Kaderproblem.

Dann zeigt doch jetzt, warum ihr bei Borussia seid!

Und eigentlich liebe ich genau solche Situationen.

Denn jetzt gibt es keine Ausreden mehr für die Jungs, die sonst auf der Bank sitzen.

Du willst mehr Einsatzzeit?

Bitte schön!

Du bist ein Talent und findest, der Trainer müsste dir endlich eine Chance geben?

Da ist sie!

Du bist im Sommer gekommen und willst zeigen, warum Borussia dich verpflichtet hat?

Auf geht’s!

Genau dafür gibt es eine zweite Reihe.

Vielleicht steht am Ende sogar einer auf dem Platz, bei dem wir Fans nach drei Spielen sagen:

„Wo haben wir den denn plötzlich her?“

Auch solche Geschichten schreibt Fußball.

Und wir Gladbacher wollen jetzt ernsthaft nervös werden?

Leute, wir sind Gladbach-Fans.

Wir sind aus ganz anderem Holz geschnitzt.

Wir haben Spiele gesehen, bei denen wir nach 20 Minuten euphorisch waren, nach 60 Minuten Champions League spielen wollten und nach 90 Minuten nicht mehr wussten, warum wir uns diesen Verein seit Jahrzehnten antun.

Wir haben Führungen verspielt, bei denen eigentlich nur noch der Schiedsrichter hätte abpfeifen müssen.

Wir haben Gegner aufgebaut, die vorher drei Monate kein Tor geschossen hatten.

Wir kennen Spiele, bei denen du dir in der 87. Minute sagst:

„Das Ding haben wir.“

Und als Gladbach-Fan weißt du genau:

Das war der Moment, in dem du besser den Fernseher ausgeschaltet hättest.

Und jetzt sollen uns ein paar Verletzungen aus der Ruhe bringen?

Bitte!

Ich will keine Ausreden hören

Was ich allerdings nicht hören möchte, ist dieses vorsorgliche Erklären, warum es möglicherweise schwierig werden könnte.

Natürlich ist es schwierig!

Das ist die Bundesliga.

Wenn alles einfach wäre, könnten wir elf Leute aus der Nordkurve aufstellen und hätten wenigstens ordentlich Stimmung auf dem Platz.

Ich möchte nach einem schlechten Spiel nicht hören:

Der eine hat gefehlt.

Der andere war angeschlagen.

Der Dritte hatte Trainingsrückstand.

Und Nummer vier hatte vermutlich Gegenwind auf der A61.

Nein.

Elf Spieler stehen auf dem Platz.

Elf Spieler tragen die Raute.

Und diese elf Spieler sollen verdammt noch mal versuchen, das Spiel zu gewinnen.

Vielleicht ist so ein Ausfall sogar eine Chance

Ich sehe das lieber positiv.

Ein Stammspieler fehlt?

Dann bekommt ein anderer seine Chance.

Ein junger Spieler muss früher ran als geplant?

Prima.

Der Trainer muss taktisch improvisieren?

Auch gut. Dafür ist er Trainer.

Vielleicht zwingt uns die Situation sogar dazu, etwas auszuprobieren, das am Ende besser funktioniert als Plan A.

Fußball ist schließlich keine Excel-Tabelle.

Zum Glück.

Wir sind Borussia Mönchengladbach

Natürlich werden wir uns auch diese Saison wieder aufregen.

Wir werden über Schiedsrichter diskutieren.

Wir werden über Transfers meckern.

Wir werden nach einem Sieg davon reden, dass Europa vielleicht doch nicht völlig unrealistisch ist.

Und eine Woche später verlieren wir irgendwo 0:2 und erklären die komplette Saison für beendet.

Wir sind Gladbach-Fans. Das gehört zur Stellenbeschreibung.

Aber eines möchte ich nicht:

Schon zu Saisonbeginn die passenden Entschuldigungen für schlechte Ergebnisse sammeln.

Dafür ist es viel zu früh.

Brust raus, Borussia!

Also liebe Borussia:

Die Verletzten werden wiederkommen.

Bis dahin spielen eben andere.

Keine Untergangsstimmung.

Keine Ausreden.

Kein Jammern.

Mund abwischen. Brust raus. Raute aufs Herz. Und nach vorne!

Die Saison hat gerade erst angefangen.

Und wenn wir Gladbacher jetzt schon anfangen zu verzweifeln, haben wir ein echtes Problem.

Denn mal ganz unter uns:

Wir wissen doch alle, dass Borussia sich die wirklich nervenaufreibenden Geschichten normalerweise für später in der Saison aufhebt.

In diesem Sinne:

Auf geht’s, Gladbach!

Und bitte erspart mir wenigstens bis Oktober die erste große Krise.

Danach können wir wie jedes Jahr in Ruhe darüber diskutieren, warum wir eigentlich immer noch Fan dieses wunderbaren, völlig bekloppten Vereins sind.

Die Antwort kennen wir sowieso: Weil’s Bor

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