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Fälligkeitsampel 2026: Welche Anleihen, Nachrangdarlehen und Genussrechte Anleger noch bis Jahresende im Blick behalten sollten

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Welche Unternehmensanleihen und Nachrangdarlehen müssen in den verbleibenden drei Monaten des Jahres tatsächlich Geld an Anleger zurückführen?

Nach erneuter Prüfung haben wir die Liste deutlich bereinigt. Insolvente Unternehmen sind nicht enthalten. Ebenso wenig Produkte, bei denen Ende 2026 lediglich eine Zinsperiode endet oder ein Kündigungsrecht beginnt.

Übrig bleiben die Fälle, bei denen nach den veröffentlichten Bedingungen tatsächlich eine Rückzahlung beziehungsweise Teiltilgung vorgesehen ist.

Die bereinigte Watchlist

Emittent Produkt Kapitaltermin Größenordnung Einschätzung
IuteCredit Finance 11 %-Anleihe 2021/2026 06.10.2026 ursprünglich 125 Mio. € 🟢 beobachten
LANXESS AG 1 %-Anleihe 2016/2026 07.10.2026 500 Mio. € 🟢
JES.GREEN Invest GmbH Anleihe 2021/2026 15.10.2026 bis 10 Mio. € 🔴 kritisch
NZWL Leipzig Anleihe 2021/2026 15.11.2026 7,129 Mio. € ausstehend 🟡
Dequeder Straße Magdeburg Nachrangdarlehen 30.11.2026 635.000 € 🟡
Katjes Greenfood Crowd-Nachrangdarlehen 31.12.2026 2,9 Mio. € ursprünglich 🟡
Stadtwerke Dinslaken DHEKlimaFonds 31.12.2026 bis 10 Mio. € 🟢
SOS Humanity e.V. Nachrangdarlehen – erste Rate 31.12.2026 636.000 € Funding 🟡

6. Oktober: IuteCredit – große Anleihefälligkeit

Die IuteCredit Finance S.à r.l. hat ihre 11-Prozent-Anleihe 2021/2026 zum 6. Oktober 2026 endfällig gestellt.

Das ursprüngliche Emissionsvolumen beträgt 125 Millionen Euro. Allerdings wurde bereits ein Teil der alten Anleihe im Rahmen eines Umtausch- und Rückkaufangebots in die neue, bis 2030 laufende Finanzierung überführt.

Die alte Anleihe ist besichert und wird sowohl in Frankfurt als auch an der Nasdaq Tallinn gehandelt. Iute bestätigt den 6. Oktober ausdrücklich als Fälligkeit.

Die April-Zinsen 2026 wurden nach Angaben des Unternehmens planmäßig angewiesen.

Ampel: Grün – aber wegen des großen Nominalvolumens ein wichtiger Beobachtungstermin.

7. Oktober: LANXESS zahlt 500 Millionen Euro zurück

Schon einen Tag später steht eine wesentlich größere Rückzahlung an.

Die LANXESS AG hat eine 500-Millionen-Euro-Anleihe mit Fälligkeit am 7. Oktober 2026. Der Kupon beträgt 1 Prozent.

Hier ist die Refinanzierungsfrage weitgehend geklärt.

LANXESS platzierte im Juni 2026 bereits eine neue fünfjährige Anleihe über ebenfalls 500 Millionen Euro. Das Unternehmen erklärte ausdrücklich, dass der Erlös unter anderem für die Rückzahlung der Oktober-Anleihe verwendet werden soll.

Zusätzlich verfügt LANXESS nach eigenen Angaben über 1,35 Milliarden Euro nicht gezogene fest zugesagte Kreditlinien.

Ampel: Grün.

15. Oktober: JES.GREEN – der problematischste Termin

Deutlich spannender wird es acht Tage später.

Die Anleihe der JES.GREEN Invest GmbH ist am 15. Oktober 2026 fällig und soll laut Emissionsbedingungen zu 100 Prozent zurückgezahlt werden.

Das maximale Emissionsvolumen beträgt zehn Millionen Euro, der Kupon 5 Prozent.

Das Problem ist der Börsenkurs.

Die Anleihe wurde im September in Stuttgart zeitweise lediglich bei rund 17 Prozent gehandelt. Das 52-Wochen-Tief lag bei 15 Prozent.

Auch an anderen Handelsplätzen lagen die Kurse deutlich unter dem Rückzahlungswert.

Ein solcher Kurs wenige Wochen vor einer theoretischen Rückzahlung zu 100 Prozent ist ein außergewöhnlich starkes Warnsignal.

Das bedeutet nicht automatisch, dass die Rückzahlung ausfallen wird.

Es bedeutet aber:

Der Kapitalmarkt glaubt offensichtlich nicht an eine normale Rückzahlung zu 100 Prozent.

Deshalb müsste JES.GREEN aus unserer Sicht noch vor dem 15. Oktober öffentlich erklären:

  • Wie hoch das tatsächlich noch ausstehende Anleihevolumen ist,
  • ob die Liquidität für Zins und Tilgung vollständig vorhanden ist,
  • aus welcher Quelle die Rückzahlung finanziert wird,
  • und warum die Anleihe wenige Wochen vor Fälligkeit derart niedrig gehandelt wird.

Ampel: Rot.

15. November: NZWL Leipzig – 7,129 Millionen Euro offen

Für Anleger in Leipzig besonders interessant ist die Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH.

Die Anleihe 2021/2026 muss am 15. November 2026 zu 100 Prozent zurückgezahlt werden.

Zum 31. August 2026 waren nach Angaben des Unternehmens noch 7,129 Millionen Euro ausstehend.

Die Anleihe ist nicht nachrangig, aber auch nicht besichert.

NZWL hat gleichzeitig eine neue Anleihe 2026/2031 aufgelegt und Besitzern der alten Schuldverschreibungen einen Umtausch angeboten.

Das ist zunächst ein normaler Refinanzierungsweg.

Für Anleger bleibt aber interessant:

Wie viel der 7,129 Millionen Euro wird tatsächlich bar ausgezahlt und wie viel wird in die neue Anleihe umgetauscht?

Ampel: Gelb.

Nicht weil bislang ein Zahlungsausfall feststeht, sondern weil die Rückzahlung unmittelbar mit einer neuen Refinanzierung zusammenfällt.

30. November: Dequeder Straße – 635.000 Euro Nachrangkapital

Beim Immobilienprojekt Dequeder Straße in Magdeburg wurden 635.000 Euro über ein qualifiziert nachrangiges Darlehen eingesammelt.

Die veröffentlichte Zahlungsübersicht sieht für den 30. November 2026 die Rückzahlung des vollständigen Anlagebetrags zusammen mit den Zinsen vor.

Beispielsweise soll bei einer Anlage von 5.000 Euro an diesem Termin der komplette Darlehensbetrag zurückfließen.

Anders als bei einer börsennotierten Anleihe gibt es hier jedoch keinen täglich sichtbaren Marktpreis, der frühzeitig zeigt, wie Anleger das Rückzahlungsrisiko einschätzen.

Dazu kommt der qualifizierte Rangrücktritt.

Ampel: Gelb.

Hier sollte der Emittent vor Ende November gefragt werden, ob die komplette Rückzahlung finanziell bereits sichergestellt ist.

31. Dezember: Katjes Greenfood – 2,9 Millionen Euro Crowd-Investment

Bei Katjes Greenfood steht zum Jahresende eine besonders interessante Crowd-Rückzahlung an.

2021 nahm das Unternehmen knapp 2,9 Millionen Euro über ein Nachrangdarlehen auf.

Der Zinssatz beträgt 5 Prozent jährlich. Zusätzlich wurde ein Bonuszins von einmalig 5 Prozent vereinbart.

Im aktuellen Finanzkalender nennt Katjes ausdrücklich:

31. Dezember 2026 – Rückzahlung Crowd-Investment.

Allerdings bietet Katjes den bisherigen Crowd-Anlegern derzeit an, ihr Kapital in eine neue börsennotierte Anleihe umzutauschen.

Das verändert die interessante Frage.

Nicht:

Kann Katjes theoretisch 2,9 Millionen Euro zurückzahlen?

Sondern:

Wie viel davon muss Katjes tatsächlich bar zurückzahlen, nachdem das Umtauschangebot abgeschlossen ist?

Ampel: Gelb, allein wegen der Refinanzierungsstruktur – nicht wegen eines derzeit belegten Zahlungsausfalls.

31. Dezember: DHEKlimaFonds

Auch die Schuldverschreibung des DHEKlimaFonds der Stadtwerke Dinslaken erreicht Ende 2026 ihre Fälligkeit.

Hier handelt es sich im Gegensatz zu vielen Crowd-Angeboten nicht um ein qualifiziert nachrangiges Darlehen.

Nach den Emissionsbedingungen soll das Kapital am Ende der Laufzeit zu 100 Prozent zurückgeführt werden.

Öffentliche Hinweise auf akute Rückzahlungsprobleme sind derzeit nicht erkennbar.

Ampel: Grün.

31. Dezember: SOS Humanity zahlt erstmals 25 Prozent zurück

Beim Crowdinvestment von SOS Humanity e.V. handelt es sich dagegen nicht um eine vollständige Endfälligkeit.

Die Fundingsumme beträgt 636.000 Euro.

Die Darlehen werden in vier Raten von jeweils 25 Prozent zurückgezahlt.

Die erste Rate ist am 31. Dezember 2026 fällig.

Damit müssten rechnerisch etwa 159.000 Euro Kapital an die Crowd zurückfließen, sofern die Fundingsumme vollständig berücksichtigt wird.

Die weiteren 25-Prozent-Raten folgen Ende 2027, 2028 und 2029.

Wichtig ist die Risikostruktur:

Es handelt sich um ein unbesichertes Nachrangdarlehen mit qualifiziertem Rangrücktritt und vorinsolvenzlicher Durchsetzungssperre.

Die Vertragsunterlagen weisen zudem ausdrücklich darauf hin, dass die Tilgung davon abhängt, dass SOS Humanity genügend Kapital aus seiner Vereinstätigkeit beziehungsweise Spenden erwirtschaftet oder gegebenenfalls eine Anschlussfinanzierung erhält.

Ampel: Gelb.

Was ich bewusst aus der Liste gestrichen habe

DEGAG

Vollständig gestrichen.

Bei Gesellschaften im Insolvenzverfahren gibt es keine normale planmäßige Kapitalrückzahlung mehr.

Dort geht es um Insolvenzforderungen und mögliche Quoten, nicht um eine reguläre Fälligkeit.

UmweltBank-Genussrechte

Ebenfalls gestrichen.

Bei den zuvor genannten Genussrechten endet Ende 2026 lediglich eine Zinsperiode beziehungsweise Zinsfestschreibung.

Das ist keine Kapitalfälligkeit.

Zuhause in Oldenburg

Aus der Kernliste nehme ich das Produkt ebenfalls heraus.

Zwar ist der 31. Dezember 2026 als Regellaufzeit genannt. Der Emittent kann die Rückzahlung jedoch innerhalb eines Fensters von sechs Monaten vorher bis sechs Monaten danach vornehmen. Die tatsächliche Rückzahlung kann damit noch bis 30. Juni 2027 erfolgen.

Für eine Liste „noch 2026 zwingend fällig“ ist das deshalb zu ungenau.

SAB Wind Festzins III und NaturEnergie Schönberg

Diese Produkte habe ich ebenfalls aus der Kernliste genommen.

Nicht weil sie zwingend problematisch wären, sondern weil ich für eine aktuelle 2026er Watchlist zunächst noch eine aktuelle Bestätigung des tatsächlich ausstehenden Volumens und des weiterhin unveränderten Rückzahlungstermins haben möchte.

Alte Prospektangaben allein reichen dafür nicht.

Damit bleiben acht belastbare Beobachtungsfälle

Nach der Bereinigung lautet die aktuelle Liste:

6. Oktober – IuteCredit Finance

7. Oktober – LANXESS

15. Oktober – JES.GREEN

15. November – NZWL Leipzig

30. November – Dequeder Straße

31. Dezember – Katjes Greenfood

31. Dezember – DHEKlimaFonds

31. Dezember – SOS Humanity, erste 25-Prozent-Tilgung

Besonders genau hinsehen würde ich bei drei Fällen

JES.GREEN

Das ist momentan der auffälligste Fall.

Eine Anleihe, die wenige Wochen vor Rückzahlung zu 100 Prozent zwischen etwa 17 und 35 Prozent gehandelt wird, verlangt nach einer Erklärung.

NZWL

Hier ist weniger der Börsenkurs das Thema als die Refinanzierung.

Die spannende Zahl lautet:

7,129 Millionen Euro.

Wie viel davon wird am 15. November tatsächlich überwiesen und wie viel in die neue Anleihe gerollt?

Katjes Greenfood

Auch hier läuft zeitgleich mit der bevorstehenden Rückzahlung ein Umtauschangebot.

Deshalb sollte nach Ende des Umtauschangebots veröffentlicht werden:

Wie hoch ist das verbleibende Crowd-Kapital, das am 31. Dezember tatsächlich ausgezahlt werden muss?

Fazit

Eine Fälligkeitsliste darf nicht einfach alles zusammenwerfen, bei dem irgendwo „2026“ im Prospekt steht.

Man muss unterscheiden zwischen:

normaler Endfälligkeit,

Teiltilgung,

Rückzahlungsfenster,

bloßem Kündigungsrecht,

Ende einer Zinsperiode

und

Insolvenzforderung.

Für Anleger ist das ein gewaltiger Unterschied.

Bei einer regulären Anleihefälligkeit besteht grundsätzlich ein Anspruch auf die vereinbarte Rückzahlung.

Bei einem qualifiziert nachrangigen Darlehen können zusätzliche Zahlungssperren greifen.

Und bei einem bereits insolventen Emittenten gibt es überhaupt keine normale Rückzahlung mehr – dort bleibt nur das Insolvenzverfahren.

Die derzeit interessanteste Frage für die letzten drei Monate 2026 lautet deshalb:

Welche dieser acht tatsächlich anstehenden Zahlungen werden pünktlich und vollständig geleistet?

 

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