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Anleihen im freien Fall: Diese Unternehmensbonds haben in sechs Monaten besonders stark verloren

Mohamed_hassan (CC0), Pixabay
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Wer glaubt, Anleihen seien grundsätzlich die ruhige Alternative zur Aktie, sollte einen Blick auf einige deutsche Mittelstandsbonds werfen.

Bei mehreren Papieren, die im Freiverkehr der Frankfurter Wertpapierbörse gehandelt werden, hat sich der Kurs innerhalb weniger Monate dramatisch verändert. Besonders Immobilienentwickler und finanziell angeschlagene Mittelständler stehen unter Druck.

Teilweise werden für 100 Euro Nominalwert nur noch einstellige Beträge bezahlt.

Pandion: Aus rund 72 Euro werden 4,50 Euro

Der mit Abstand auffälligste Kurssturz unserer Recherche betrifft die Unternehmensanleihe der Pandion AG.

ISIN: DE000A289YC5
WKN: A289YC
Kupon: 8,00 Prozent
Fälligkeit: August 2028

Ende März wurde das Papier noch bei rund 72 Prozent des Nominalwerts gehandelt.

Aktuell werden in Frankfurt nur noch ungefähr 4,50 Prozent bezahlt.

Das entspricht einem Kursverlust von ungefähr 94 Prozent innerhalb von sechs Monaten.

Aus einem rechnerischen Anleihewert von 10.000 Euro wären damit am Markt nur noch etwa 625 Euro geworden.

Der Kursverfall kam nicht aus dem Nichts.

Pandion teilte Anfang August mit, dass die eigentlich fällige Zinszahlung auf die Unternehmensanleihe zunächst nicht geleistet werde.

Am 10. August folgte der Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung.

Wenige Wochen später kündigte das Unternehmen an, dass weitere Projektgesellschaften Insolvenzanträge stellen würden.

Die Anleihe notiert damit inzwischen auf einem Niveau, bei dem der Markt offenbar nur noch mit einer sehr begrenzten Rückzahlung rechnet.

SoWiTec: Von rund 28 auf 8 Prozent

Nicht viel besser sieht es bei der Anleihe der SoWiTec group GmbH aus.

ISIN: DE000A30V6L2
WKN: A30V6L
Kupon: 8,00 Prozent
Fälligkeit: März 2028

Ende März lag der Kurs noch bei rund 28 Prozent.

Ende September werden in Frankfurt nur noch etwa 8 Prozent bezahlt.

Das entspricht einem Minus von ungefähr 71 Prozent.

Auch hier war der Markt bereits im Frühjahr nervös.

Die eigentlich zum 30. März vorgesehene Zinszahlung verzögerte sich. Anfang Mai wurde außerdem bekannt, dass ein erheblicher Teil einer bei einer anderen SoWiTec-Anleihe fälligen Teilrückzahlung gestundet werden musste.

Im Juli wurde schließlich bekannt, dass weitere Gesellschaften aus der SoWiTec-Gruppe Insolvenzanträge stellen sollten.

Die Kombination aus Liquiditätsproblemen, Stundungen und Insolvenzen innerhalb der Unternehmensgruppe erklärt, weshalb Anleger das Risiko mittlerweile extrem hoch bewerten.

Accentro: Der nächste Immobilien-Bond unter Druck

Auch die Anleihe der Accentro Real Estate AG gehört zu den auffälligen Verlierern.

ISIN: DE000A254YS5
WKN: A254YS

Ende März lag der Kurs noch bei ungefähr 18 Prozent.

Im September wurden in Frankfurt zeitweise nur noch rund 10 bis 11 Prozent gezahlt.

Damit ergibt sich ein weiterer Kursverlust von knapp 40 Prozent innerhalb eines ohnehin bereits sehr niedrigen Kursniveaus.

Accentro befindet sich schon länger in einer Restrukturierung.

Im Mai musste das Unternehmen einräumen, dass die tatsächliche Geschäftsentwicklung negativ von der Planung des zugrunde liegenden IDW-S6-Sanierungsgutachtens abwich.

Die Verkäufe aus dem Projektportfolio lagen unter den Erwartungen. Geplante Bestandsverkäufe konnten ebenfalls nicht wie vorgesehen umgesetzt werden.

Dadurch entstand nach Angaben des Unternehmens ein zusätzlicher Liquiditätsbedarf von rund sieben Millionen Euro.

Inzwischen wurden die Bedingungen mehrerer Accentro-Anleihen erneut verändert. Die Gesellschaft erhielt unter anderem zusätzliche finanzielle Flexibilität und Möglichkeiten zur Aufnahme weiterer Finanzierung.

ABO Energy: Auch der Ökostrom-Bond bleibt tief im Keller

Ein weiterer auffälliger Fall ist die nachrangige Anleihe der ABO Energy GmbH & Co. KGaA.

ISIN: DE000A3829F5
WKN: A3829F
Kupon: 7,75 Prozent
Fälligkeit: Mai 2029

Ende März wurde die Anleihe bei ungefähr 18 Prozent gehandelt.

Aktuell liegen die Frankfurter Kurse nur noch bei ungefähr 14 Prozent.

Damit verlor das Papier innerhalb der vergangenen sechs Monate nochmals etwa 20 Prozent.

Das klingt im Vergleich zu Pandion zunächst fast harmlos.

Das Problem ist nur:

Die Anleihe befand sich bereits Ende März auf einem extrem niedrigen Niveau.

Noch im Herbst 2025 hatte sie zeitweise über 100 Prozent notiert.

ABO Energy befindet sich in einem Sanierungsprozess. Die Anleihegläubiger stimmten im März unter anderem der zeitweisen Aussetzung bestimmter Schutzklauseln zu und verzichteten unter bestimmten Voraussetzungen auf Kündigungsrechte im Zusammenhang mit der Restrukturierung.

Der aktuelle Börsenkurs von nur noch rund 14 Prozent macht deutlich, wie skeptisch der Markt die Rückzahlungschancen weiterhin bewertet.

Die größten Verluste im Überblick

Unsere Recherche ergibt für den Zeitraum Ende März bis Ende September ungefähr folgendes Bild:

Pandion AG:
ca. 72 Prozent → ca. 4,5 Prozent
Verlust: rund 94 Prozent

SoWiTec group GmbH 2023/2028:
ca. 28 Prozent → ca. 8 Prozent
Verlust: rund 71 Prozent

Accentro Real Estate AG:
ca. 18 Prozent → ca. 11 Prozent
Verlust: rund 39 Prozent

ABO Energy 2024/2029:
ca. 18 Prozent → ca. 14 Prozent
Verlust: rund 20 Prozent

Die Vergleichskurse vom 31. März stammen teilweise aus offiziellen Börsenkursblättern anderer deutscher Handelsplätze, weil historische Frankfurter Tageskurse nicht bei allen illiquiden Papieren vollständig öffentlich abrufbar sind. Die genannten Anleihen werden jedoch auch in Frankfurt gehandelt. Deshalb handelt es sich um Näherungswerte für die Marktentwicklung und nicht um eine tickgenaue Performanceberechnung ausschließlich anhand Frankfurter Schlusskurse.

Das gemeinsame Muster: Liquidität schlägt Kupon

Auffällig ist, dass fast alle stark gefallenen Anleihen einmal mit hohen Zinsen beworben wurden.

7,75 Prozent.

8 Prozent.

Teilweise noch mehr.

Genau solche Kupons wirken für Privatanleger attraktiv.

Aber der Anleihemarkt zeigt derzeit sehr deutlich:

Ein hoher Zins ist keine Zugabe.

Er ist häufig der Preis für ein hohes Risiko.

Sobald Zweifel daran entstehen, ob ein Unternehmen Zinsen oder Rückzahlung tatsächlich bedienen kann, interessiert sich kaum noch jemand für den ursprünglichen Kupon.

Dann zählt nur noch eine Frage:

Wie viel Geld bekomme ich am Ende tatsächlich zurück?

Ein Kurs von 8 Prozent ist keine Rendite von 92 Prozent

Besondere Vorsicht ist bei den teilweise astronomisch wirkenden Renditeangaben auf Finanzportalen geboten.

Bei SoWiTec werden rechnerische Renditen von mehreren hundert Prozent angezeigt.

Bei ABO Energy ebenfalls deutlich dreistellige Werte.

Das sieht auf dem Bildschirm spektakulär aus.

Die mathematische Rechnung funktioniert allerdings nur unter einer entscheidenden Voraussetzung:

Der Emittent muss sämtliche versprochenen Zahlungen vollständig leisten.

Genau daran zweifelt der Markt offensichtlich.

Wer eine Anleihe für acht Prozent des Nennwerts kauft und später tatsächlich 100 Prozent zurückerhält, erzielt natürlich einen enormen Gewinn.

Wenn aber nur fünf Prozent zurückkommen, verliert auch der Käufer zu acht Prozent noch Geld.

Extrem hohe theoretische Renditen sind deshalb häufig kein Geschenk des Kapitalmarkts.

Sie sind ein Warnsignal.

Interessant: Nicht jeder Problem-Bond ist weiter gefallen

Die vergangenen sechs Monate zeigen auch, dass ein Unternehmen mit Restrukturierungsproblemen nicht automatisch zu den größten Kursverlierern gehören muss.

Die Anleihe von LR Health & Beauty beispielsweise notierte Ende März bei rund 33 Prozent. Nach einer umfassenden Restrukturierung wurden im September in Frankfurt zeitweise sogar wieder rund 70 Prozent angezeigt.

Auch der Bond der Branicks Group lag Ende März bei rund 52 Prozent und zuletzt bei etwa 55 Prozent.

Beide Unternehmen befinden beziehungsweise befanden sich in komplexen Finanzierungs- und Restrukturierungsprozessen, doch die Kurse entwickelten sich im betrachteten Zeitraum deutlich besser als bei Pandion oder SoWiTec.

Immobilien und Projektentwickler bleiben besonders gefährdet

Das auffälligste Muster findet sich weiterhin bei Projektentwicklern und Immobilienunternehmen.

Pandion.

Accentro.

Euroboden.

Noratis.

Branicks.

Die Branche leidet seit Jahren unter gestiegenen Finanzierungskosten, schwächeren Transaktionsmärkten und teilweise erheblichen Refinanzierungsproblemen.

Dabei muss man allerdings unterscheiden.

Ein Kurs von 55 Prozent bedeutet etwas völlig anderes als ein Kurs von vier Prozent.

Bei vier oder acht Prozent spricht der Markt praktisch nicht mehr von einem normalen Kreditrisiko.

Er handelt eine mögliche Verwertungs- oder Insolvenzquote.

Für Anleger lohnt sich der Blick auf fünf Warnsignale

Wer Unternehmensanleihen kauft, sollte deshalb nicht zuerst auf den Kupon schauen.

Entscheidend sind:

Liquidität des Unternehmens.

Fälligkeiten in den kommenden zwölf bis 24 Monaten.

Bankkredite und deren Covenants.

Stundungen oder Änderungen der Anleihebedingungen.

Neue Finanzierungen, die gegenüber der bisherigen Anleihe vorrangig sind.

Gerade der letzte Punkt ist wichtig.

Wird einem angeschlagenen Unternehmen neues Geld nur noch als „Super Senior“-Finanzierung gegeben, kann sich die Position der bisherigen Anleihegläubiger deutlich verschlechtern.

Fazit: Pandion und SoWiTec sind die auffälligsten Abstürze

Unter den von uns untersuchten Frankfurter Mittelstandsanleihen stechen derzeit zwei Namen besonders heraus:

Pandion und SoWiTec.

Ein Verlust von rund 94 beziehungsweise rund 71 Prozent innerhalb eines halben Jahres ist keine normale Zinsschwankung.

Es ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass der Markt erhebliche Zweifel an der vollständigen Rückzahlung der Anleihen hat.

Accentro bleibt ebenfalls ein Hochrisikofall.

ABO Energy zeigt wiederum, dass selbst ein bereits extrem abgestürzter Bond noch weiter fallen kann.

Die wichtigste Erkenntnis für Privatanleger lautet deshalb:

Nicht der höchste Kupon ist die attraktivste Anleihe.

Manchmal ist er schlicht das lauteste Warnsignal.

 

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