Menschenhandel, Auftragsmorde, Drogenkriminalität und millionenschwerer Betrug: Europas Ermittlungsbehörden gehen zunehmend gemeinsam gegen organisierte Kriminalität vor. Die jüngsten Einsätze zeigen, wie international die Netzwerke inzwischen operieren und wie schwierig ihre Bekämpfung geworden ist.
Menschenhandel: Vier Festnahmen in Belfast
Am 28. Oktober nahm die nordirische Polizei vier Menschen in Belfast fest. Gegen die drei Männer und eine Frau wird unter anderem wegen des Verdachts auf Menschenhandel, sexueller Ausbeutung Minderjähriger sowie Drogendelikten ermittelt.
Bei Durchsuchungen mehrerer Gebäude stellten die Beamten mutmaßliche Betäubungsmittel sicher. Die Ermittlungen dauern an. Für die Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
Schleusernetzwerke: Europol warnt vor internationaler Vernetzung
Die Europäische Kommission veröffentlichte am 29. Oktober neue Informationen über grenzüberschreitende Ermittlungen gegen Schleuserorganisationen.
Nach Erkenntnissen der Behörden organisieren kriminelle Netzwerke nicht nur gefährliche Transportwege, sondern kontrollieren häufig auch die finanziellen Zahlungsströme. Einzelne Gruppen sollen zusätzlich in Waffen- und Drogenschmuggel verwickelt sein.
Europol unterstützt nationale Polizeibehörden bei der Identifizierung und Festnahme mutmaßlicher Organisatoren.
Balkan-Mafia: Fast 50 Verdächtige festgenommen
Bei einer internationalen Polizeiaktion gegen ein mutmaßliches Drogennetzwerk mit Verbindungen zum Westbalkan wurden Anfang Oktober insgesamt 47 Verdächtige festgenommen.
Die Ermittler bringen das Netzwerk mit Drogentransporten, Entführungen, Schießereien und tödlichen Gewalttaten in Verbindung. Bei Durchsuchungen in Slowenien und Spanien wurden unter anderem 66 Kilogramm Drogen, Schusswaffen, Bargeld und Schmuck beschlagnahmt.
Besonders erschreckend: Nach bisherigen Ermittlungen sollen auch Familienangehörige von Bandenmitgliedern Opfer gewaltsamer Vergeltungsaktionen geworden sein.
EU-Fördergelder: Ermittlungen in Kroatien
Am 29. Oktober leitete die Europäische Staatsanwaltschaft in Kroatien dringende Ermittlungsmaßnahmen wegen des Verdachts auf Amtsmissbrauch ein.
Untersucht wird der mögliche Missbrauch von Geldern aus dem europäischen Wiederaufbaufonds und dem kroatischen Staatshaushalt.
Die Ermittlungen erfolgen gemeinsam mit kroatischen Antikorruptionsbehörden. Weitere Einzelheiten zu den Beschuldigten wurden zunächst nicht veröffentlicht.
Lettland: Verdacht auf 1,4 Millionen Euro Fördermittelbetrug
In der lettischen Gemeinde Alūksne durchsuchten Ermittler am 28. Oktober mehrere Objekte.
Im Mittelpunkt stehen mutmaßlicher Vergabebetrug und Amtsmissbrauch im Zusammenhang mit öffentlichen Aufträgen. Der untersuchte finanzielle Umfang beträgt rund 1,4 Millionen Euro.
Auch kommunale Amtsträger stehen im Fokus der Ermittlungen.
Rumänien: Betrugsverdacht bei 237 Landwirtschaftsprojekten
Die Europäische Staatsanwaltschaft hat in Rumänien drei Personen wegen mutmaßlichen Fördermittelbetrugs angeklagt.
Betroffen sind 237 EU-finanzierte Projekte zur Unterstützung kleiner Landwirtschaftsbetriebe und junger Landwirte. Der vermutete Schaden beträgt rund 3,5 Millionen Euro.
Die Anklage wurde am 27. Oktober bekannt gegeben.
Arbeitsausbeutung: 27 Festnahmen in europaweiter Aktion
Bei einer internationalen Aktion gegen Arbeitsausbeutung wurden 27 Menschen festgenommen und 248 potenzielle Opfer identifiziert.
Die Ermittlungen erstreckten sich über 34 Länder. Zudem wurden 182 neue Untersuchungen eingeleitet.
Besonders besorgniserregend sind Fälle, in denen Minderjährige und andere schutzbedürftige Personen unter ausbeuterischen Bedingungen arbeiten mussten.
Internationaler Betrug mit Mobiltelefonen
Ein weiterer großer Ermittlungskomplex betrifft den mutmaßlichen Verkauf von mehr als einer Million gebrauchten Mobiltelefonen, die als Neugeräte angeboten worden sein sollen.
Nach Erkenntnissen der Europäischen Staatsanwaltschaft entstand Verbrauchern dadurch ein geschätzter Schaden von mindestens 300 Millionen Euro. Hinzu kommen mutmaßliche Umsatzsteuerverluste von mehr als 30 Millionen Euro.
Bei der Ende September bekannt gewordenen Aktion wurden mehr als 160 Durchsuchungen in 19 Ländern durchgeführt.
Europas Justiz verstärkt internationale Zusammenarbeit
Am 29. Oktober vereinbarten die Europäische Staatsanwaltschaft und das Justizministerium der Vereinigten Arabischen Emirate eine engere Zusammenarbeit.
Im Mittelpunkt stehen der Informationsaustausch, die Bekämpfung von Geldwäsche und Korruption sowie die Sicherstellung kriminell erworbener Vermögenswerte.
Gerade bei international organisierten Straftaten ist die Nachverfolgung von Geldströmen entscheidend, um Hintermänner zu identifizieren.
Fazit: Kriminalität kennt kaum noch Grenzen
Die jüngsten Ermittlungen zeigen, dass organisierte Kriminalität längst nicht mehr auf einzelne Länder beschränkt ist. Drogenhandel, Menschenhandel, Gewaltkriminalität und Finanzbetrug sind zunehmend miteinander verflochten.
Dabei spielen internationale Geldtransfers, verschachtelte Unternehmensstrukturen und digitale Kommunikationsmittel eine wichtige Rolle.
Für Europas Ermittlungsbehörden wird deshalb nicht allein die Zahl der Festnahmen entscheidend sein. Ebenso wichtig ist, kriminelle Vermögen sicherzustellen, Opfer zu entschädigen und die Verantwortlichen rechtskräftig zur Rechenschaft zu ziehen.
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