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Europas neue Russland-Strategie: Erst mal anrufen – aber bitte niemanden erschrecken

niekverlaan (CC0), Pixabay
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Die EU hat offenbar einen diplomatischen Durchbruch erzielt.

Nach Angaben aus Brüssel wurden in den vergangenen Wochen wieder Kontakte zum Kreml aufgenommen. Allerdings sollte man die Erwartungen nicht zu hoch schrauben.

Denn laut einem EU-Beamten handelte es sich lediglich um „kurze Kontakte“, bei denen „nichts Inhaltliches“ besprochen wurde.

Was genau besprochen wurde, wenn nichts Inhaltliches besprochen wurde, blieb offen.

Man darf also spekulieren.

Vielleicht verlief das Gespräch ungefähr so:

EU: „Hallo, hier Brüssel.“

Kreml: „Ja?“

EU: „Wir wollten nur mal schauen, ob die Leitung funktioniert.“

Kreml: „Tut sie.“

EU: „Gut. Auf Wiederhören.“

Kommunikationskanäle öffnen – aber vorsichtig

Offiziell ging es darum, „Kommunikationskanäle zu öffnen“.

Eine Formulierung, die in der Diplomatie ungefähr alles und nichts bedeuten kann.

Die spannendste Frage lautet ohnehin:

Mit wem genau hat man im Kreml gesprochen?

Mit einem Berater Putins?

Mit einem Vizeaußenminister?

Mit der Telefonzentrale?

Oder war am Ende nur der Hausmeister da, der zufällig ans Telefon gegangen ist?

Die EU hält sich bedeckt.

Inhaltlich wurde nichts besprochen

Besonders bemerkenswert ist die Aussage, dass „nichts Inhaltliches“ besprochen worden sei.

Das ist in etwa so, als würde man nach einem dreistündigen Familienessen erklären, man habe zwar miteinander gesprochen, aber keine Themen gehabt.

Immerhin ist das Risiko von Missverständnissen auf diese Weise sehr gering.

Europa möchte jetzt mitreden

Hintergrund der Kontaktaufnahme ist der Wunsch mehrerer europäischer Staaten, bei möglichen Friedensgesprächen über den Ukraine-Krieg künftig eine größere Rolle zu spielen.

Bisher wurden die diplomatischen Bemühungen weitgehend von den USA geführt.

Nun möchten die Europäer offenbar ebenfalls am Tisch sitzen.

Zumindest sobald geklärt ist, wer den Stuhl bekommt.

Denn darüber wird derzeit noch diskutiert.

Wer spricht eigentlich für Europa?

Auch das ist eine klassische Brüsseler Frage.

Während man sich grundsätzlich einig ist, dass Europa vertreten sein sollte, ist man noch nicht ganz sicher, wer genau Europa vertreten soll.

Die Auswahl ist groß:

Ein EU-Ratspräsident.

Eine EU-Kommissionspräsidentin.

Ein Regierungschef.

Eine Verhandlungsgruppe.

Oder vielleicht ein Ausschuss zur Vorbereitung eines Ausschusses über die Zusammensetzung einer Verhandlungsgruppe.

In Brüssel nennt man so etwas Effizienz.

Fazit

Fest steht bislang nur:

Es gab Kontakte.

Es wurde telefoniert.

Die Leitung funktioniert.

Und inhaltlich wurde nichts besprochen.

Damit hat die europäische Diplomatie immerhin einen ersten wichtigen Schritt geschafft.

Der zweite Schritt könnte dann irgendwann darin bestehen, tatsächlich über etwas zu reden.

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