Die Bafin hat ein neues Rundschreiben zum Fondsrisikobegrenzungsgesetz (FRiG) veröffentlicht und zur Konsultation gestellt. Was bedeuten die geplanten Änderungen für Fondsanbieter und Anleger? Darüber sprechen wir mit Rechtsanwalt Daniel Blazek, Spezialist für Investment- und Aufsichtsrecht.
Herr Blazek, warum ist dieses Rundschreiben der Bafin wichtig?
Das Fondsrisikobegrenzungsgesetz hat das Kapitalanlagegesetzbuch an mehreren Stellen geändert. Viele Unternehmen haben sich gefragt, wie die neuen Regeln in der Praxis auszulegen sind. Mit dem Rundschreiben schafft die Bafin nun mehr Klarheit und erklärt ihre Sichtweise zu den neuen Vorschriften.
Wen betreffen die neuen Regelungen?
Vor allem Kapitalverwaltungsgesellschaften, also Unternehmen, die Investmentfonds verwalten. Diese Gesellschaften müssen künftig zusätzliche Anforderungen erfüllen, insbesondere beim Umgang mit Liquiditätsrisiken.
Was bedeutet Liquiditätsrisiko eigentlich?
Vereinfacht gesagt geht es darum, dass viele Anleger gleichzeitig ihr Geld aus einem Fonds abziehen möchten. Dann muss der Fonds genügend liquide Mittel haben, um die Rückgaben bedienen zu können. Fehlt diese Liquidität, kann das Probleme für den Fonds und im schlimmsten Fall für den Finanzmarkt insgesamt verursachen.
Welche neuen Pflichten kommen auf Fondsanbieter zu?
Die wichtigste Neuerung ist, dass offene Fonds künftig mindestens zwei sogenannte Liquiditätsmanagement-Instrumente einsetzen müssen. Diese Instrumente helfen dabei, starke Mittelabflüsse besser zu steuern und Risiken zu begrenzen. Die Bafin macht deutlich, dass die Auswahl und Aktivierung dieser Instrumente allein bei der Kapitalverwaltungsgesellschaft liegt und nicht bei den Anlegern.
Können Sie dafür ein Beispiel nennen?
Ja. Ein Fonds könnte beispielsweise die Rückgabe von Anteilen zeitweise begrenzen oder die Rückgabefrist verlängern, wenn außergewöhnlich viele Anleger gleichzeitig verkaufen möchten. Dadurch erhält der Fonds mehr Zeit, um die notwendige Liquidität zu beschaffen.
Was ändert sich für Anleger?
Anleger sollen künftig besser informiert werden. Wenn bestimmte Liquiditätsinstrumente aktiviert oder wieder deaktiviert werden, erwartet die Bafin, dass die Anleger darüber informiert werden. Das erhöht die Transparenz und hilft Anlegern, die Situation eines Fonds besser einzuschätzen.
Gibt es auch Änderungen bei den Geschäftsleitern von Fondsunternehmen?
Ja. Die Anforderungen werden strenger. Künftig müssen grundsätzlich mindestens zwei Geschäftsleiter vorhanden sein, die in Vollzeit tätig sind. Außerdem sollen mindestens zwei Geschäftsleiter ihren Wohnsitz innerhalb der Europäischen Union haben. Für bereits bestehende Gesellschaften gelten teilweise Übergangs- und Bestandsschutzregelungen.
Was bedeutet „Bestandsschutz“?
Bestandsschutz bedeutet, dass Unternehmen, die bereits vor Inkrafttreten der neuen Regeln rechtmäßig tätig waren, sich nicht sofort an jede neue Vorgabe anpassen müssen. Die Bafin will damit unnötige Belastungen für bestehende Marktteilnehmer vermeiden.
Auch bei Dienstleistungen gibt es Änderungen. Worum geht es dabei?
Bestimmte Finanzdienstleistungen wie Anlageberatung oder Anlagevermittlung werden künftig stärker getrennt betrachtet. Wer diese Leistungen anbieten möchte, muss sie ausdrücklich in seiner Erlaubnis führen. Die Bafin sorgt damit für mehr Transparenz und Rechtssicherheit.
Was gilt für alternative Investmentfonds, die Kredite vergeben?
Hier werden neue Standards eingeführt. Die Bafin stellt unter anderem klar, unter welchen Voraussetzungen die Kreditvergabe ausgelagert werden kann. Gleichzeitig bleiben bestehende Fondsstrukturen in vielen Fällen geschützt.
Was sollten betroffene Unternehmen jetzt tun?
Sie sollten das Konsultationspapier sorgfältig prüfen und analysieren, welche Auswirkungen die neuen Vorgaben auf ihre Organisation und ihre Fondsprodukte haben. Wer Anmerkungen oder Verbesserungsvorschläge hat, kann diese noch bis zum 6. Juli 2026 bei der Bafin einreichen.
Ihr Fazit?
Die Bafin schafft mit dem Rundschreiben mehr Klarheit für die Branche. Besonders die neuen Regeln zum Liquiditätsmanagement sollen dazu beitragen, Fonds widerstandsfähiger gegen Marktstress zu machen. Für viele Unternehmen bedeutet das zusätzlichen Aufwand, langfristig soll aber die Stabilität des Finanzsystems gestärkt werden.
Herr Blazek, vielen Dank für das Gespräch.
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