Wer in diesem Sommer nach Europa reist, sollte nicht nur an Reisepass und Koffer denken, sondern auch an eine gehörige Portion Geduld. Seit der vollständigen Einführung des neuen biometrischen Einreise- und Ausreisesystems (EES) der Europäischen Union häufen sich Berichte über lange Warteschlangen an Flughäfen, verzögerte Grenzabfertigungen und sogar verpasste Anschlussflüge.
Das neue System ersetzt die bisherigen Passstempel durch digitale Gesichtsscans und Fingerabdrücke. Ziel der EU ist es, die Sicherheit an den Außengrenzen zu erhöhen und Einreisen effizienter zu kontrollieren. In der Praxis scheint der Start jedoch nicht überall reibungslos zu verlaufen.
Reisende berichten von stundenlangen Wartezeiten
Vor allem an stark frequentierten Flughäfen in beliebten Urlaubsländern wie Spanien, Portugal und Italien sollen Reisende teilweise mehrere Stunden auf die Einreise warten müssen. Medienberichten zufolge wurden Wartezeiten von bis zu sechs Stunden gemeldet.
Besonders problematisch ist offenbar, dass die technische Infrastruktur an manchen Standorten noch nicht zuverlässig funktioniert. Reisende berichten von außer Betrieb befindlichen Selbstbedienungsterminals, fehlenden Informationen und chaotischen Abläufen. An einigen Flughäfen sollen Passagiere dadurch sogar ihre Anschlussflüge verpasst haben.
Tourismusbranche warnt vor Folgen
Der World Travel & Tourism Council (WTTC) sieht die Entwicklung mit Sorge. Nach einer aktuellen Umfrage könnten regelmäßige Wartezeiten von drei bis vier Stunden viele Reisende davon abhalten, künftig Ziele im Schengen-Raum zu besuchen.
Demnach würde etwa ein Drittel der Befragten bei dauerhaft langen Wartezeiten seine Reisepläne überdenken oder ganz auf Europa verzichten. Für die europäische Tourismusbranche könnte dies erhebliche wirtschaftliche Folgen haben.
Viele Reisende kennen die neuen Regeln nicht
Ein weiteres Problem: Zahlreiche Urlauber wissen offenbar gar nicht genau, welche Anforderungen mit dem neuen System verbunden sind. Obwohl eine Mehrheit die Modernisierung der Grenzkontrollen grundsätzlich unterstützt, fühlen sich viele Reisende unzureichend informiert.
Branchenvertreter fordern daher eine bessere Kommunikation, mehr digitale Vorabregistrierungen und eine schnellere technische Optimierung der Grenzabfertigung.
Geduld statt Urlaubsstress
Grundsätzlich gilt: Das neue EES-System soll langfristig für mehr Sicherheit und effizientere Grenzkontrollen sorgen. Wie bei vielen großen IT-Projekten zeigen sich jedoch in der Anfangsphase typische Anlaufschwierigkeiten.
Für Reisende bedeutet das vorerst: Wer in den kommenden Monaten in die Europäische Union einreist, sollte ausreichend Zeit für Grenzkontrollen einplanen und bei Anschlussflügen lieber großzügige Umsteigezeiten wählen. Denn der Urlaub soll schließlich am Strand beginnen – und nicht in der Warteschlange vor der Passkontrolle.
Kommentar hinterlassen