Mehrere Überlebende des Missbrauchsskandals um Jeffrey Epstein werfen dessen früherer langjähriger Assistentin Lesley Groff vor, gegenüber dem US-Kongress zentrale Details falsch dargestellt zu haben. Nach Angaben von CNN widersprechen mehrere Frauen ihrer Aussage, sie habe die Mädchen und jungen Frauen, die Epstein zu sogenannten Massagen aufsuchten, nie getroffen und nichts über deren Alter oder Hintergründe gewusst.
Groff hatte im Juni vor dem Kontrollausschuss des Repräsentantenhauses ausgesagt. Dabei erklärte sie, sie habe von Epsteins Missbrauch nichts gewusst und sei selbst von ihm getäuscht worden. Sie beschrieb Epstein als manipulativen Menschen, dessen dunkle Seite ihr verborgen geblieben sei. Strafrechtlich angeklagt wurde Groff bislang nicht, obwohl sie im Zusammenhang mit einer früheren Vereinbarung der Bundesstaatsanwaltschaft in Florida als mögliche Mitverschwörerin aufgeführt worden war.
Mehrere Frauen, die nach eigenen Angaben von Epstein missbraucht wurden, widersprechen dieser Darstellung nun deutlich. Sie berichten, Groff persönlich getroffen zu haben — teilweise mehrfach, an verschiedenen Orten und über längere Zeiträume hinweg. Einige sagen zudem, Groff habe ihr Alter gekannt oder zumindest kennen müssen, weil sie Reisedaten, Ausweisinformationen oder andere persönliche Angaben verarbeitet habe.
Besonders brisant sind die Aussagen zu angeblichen Zahlungen. Groff hatte gegenüber Abgeordneten erklärt, sie habe niemandem im Auftrag Epsteins Geld übergeben. Mehrere Betroffene schildern jedoch das Gegenteil. Sie berichten, von Groff Umschläge mit Bargeld erhalten zu haben. Eine Frau sagte, Zahlungen durch Groff seien ein regelmäßiger Bestandteil ihrer Zeit im Umfeld Epsteins gewesen.
Auch bei weiteren Punkten gibt es Widersprüche. Groff erklärte dem Ausschuss, sie habe zwischen 2001 und etwa 2013 Epsteins Stadthaus in New York nicht betreten. Zwei Frauen berichten dagegen, sie dort persönlich gesehen zu haben. Zudem soll Groff nach Darstellung von Betroffenen Eintrittskarten, etwa für Broadway-Aufführungen, übergeben haben — auch das hatte sie vor dem Kongress bestritten.
Der Fall verschärft die ohnehin große Frustration vieler Epstein-Überlebender. Viele von ihnen beklagen seit Jahren, dass nur wenige Personen aus Epsteins Umfeld juristisch zur Verantwortung gezogen wurden. In den USA wurde bislang vor allem Ghislaine Maxwell strafrechtlich verurteilt. Das Justizministerium hatte zuletzt erklärt, trotz umfangreicher Aktenveröffentlichungen gebe es nicht genügend Beweise für weitere Anklagen.
Der Kontrollausschuss des Repräsentantenhauses teilte CNN mit, man prüfe Groffs Aussage anhand der verfügbaren Beweise. Weitere Hinweise von Personen mit relevanten Informationen seien willkommen. Aus dem Umfeld der Demokraten im Ausschuss hieß es, Falschaussagen gegenüber dem Kongress seien strafbar und müssten Konsequenzen haben.
Groffs Anwalt reagierte laut CNN nicht auf eine Anfrage. Damit stehen derzeit Aussage gegen Aussage. Juristisch entscheidend wäre, ob nachweisbar falsche Angaben gemacht wurden und ob diese für die Untersuchung wesentlich waren. Nach US-Recht können wissentlich und vorsätzlich falsche Aussagen gegenüber dem Kongress strafbar sein.
Für die Überlebenden geht es jedoch um mehr als juristische Feinheiten. Sie verlangen Aufklärung, Verantwortung und eine ehrliche Darstellung dessen, was im Umfeld Epsteins geschah. Der neue Streit um Groffs Kongressaussage zeigt erneut, wie viele Fragen in diesem Fall noch offen sind — und wie tief das Misstrauen gegenüber jenen ist, die jahrelang in Epsteins Nähe arbeiteten.
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