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Warum immer mehr Amerikaner dem Arbeitsmarkt den Rücken kehren

zeebolos (CC0), Pixabay
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In den USA verlassen immer mehr Menschen den Arbeitsmarkt – und selbst Experten sind sich nicht einig, warum. Klar ist nur: Die Entwicklung könnte für die amerikanische Wirtschaft zu einem ernsten Problem werden.

Nach Schätzungen des US-Arbeitsministeriums haben sich im vergangenen Jahr rund eine Million Menschen vollständig aus dem Arbeitsmarkt zurückgezogen. Allein im Juni sollen 720.000 Personen aufgehört haben, zu arbeiten oder aktiv nach Arbeit zu suchen. Die Erwerbsquote sank dadurch auf 61,5 Prozent. Das ist der niedrigste Stand seit März 2021. Lässt man die extremen Ausschläge während der Corona-Pandemie außer Acht, liegt die Quote sogar so niedrig wie seit rund fünf Jahrzehnten nicht mehr.

Die Gründe dafür sind vielfältig – und genau darin liegt das Problem. Einige ältere Beschäftigte ziehen sich offenbar früher zurück, weil sie durch starke Börsenjahre und gut gefüllte Altersvorsorgekonten finanziell entspannter in den Ruhestand gehen können. Doch das erklärt nicht, warum auch die Erwerbsquote bei Menschen zwischen 25 und 55 Jahren sinkt.

Andere sehen familiäre Belastungen als Ursache. Gerade Frauen hätten wegen steigender Betreuungskosten und der Rückkehr vieler Unternehmen zur Büropräsenz ihre Jobs aufgegeben. Wenn eine Familie entscheiden müsse, wer wegen Kinderbetreuung zu Hause bleibt, treffe es häufig die Person mit dem niedrigeren Einkommen – und das seien wegen der Lohnlücke oft Frauen. Doch auch diese Erklärung reicht nicht aus, denn auch bei Männern ist die Erwerbsbeteiligung zurückgegangen.

Ein weiterer Grund könnte Frust sein. Nach einer längeren Phase schwacher Neueinstellungen haben viele Langzeitarbeitslose offenbar aufgegeben. Wer über Monate Bewerbungen schreibt, Vorstellungsgespräche führt und dennoch immer wieder Absagen erhält, verliert irgendwann die Hoffnung. Einige Experten sprechen von einem demoralisierten Arbeitsmarkt, in dem Arbeitssuchende nicht mehr daran glauben, kurzfristig eine passende Stelle zu finden.

Zudem verändern sich die Anforderungen vieler Arbeitgeber. Künstliche Intelligenz, neue technische Standards und ein härterer Wettbewerb könnten dazu führen, dass manche Menschen zunächst Weiterbildungen beginnen, einen neuen Beruf erlernen oder wieder zur Schule gehen, statt sofort in den Arbeitsmarkt zurückzukehren.

Auch die Rückkehrpflicht ins Büro spielt eine Rolle. Während der Pandemie hatten viele Beschäftigte gelernt, Beruf, Familie und Gesundheit besser miteinander zu vereinbaren. Nun verlangen zahlreiche Unternehmen wieder Präsenz. Für Eltern, pflegende Angehörige oder Menschen mit Behinderung kann das bedeuten, dass ein Job plötzlich nicht mehr praktikabel ist – obwohl die Arbeit theoretisch weiter von zu Hause erledigt werden könnte.

Bei älteren Arbeitnehmern zeigt sich der Rückzug besonders deutlich. Die Erwerbsquote der über 55-Jährigen fiel im Juni auf 37,1 Prozent und damit auf den niedrigsten Wert seit 21 Jahren. Neben finanziellen Gründen spielt auch die Gesundheit eine Rolle. Viele Menschen glauben, sie könnten den Zeitpunkt ihres Ruhestands frei bestimmen. In der Realität entscheidet oft der Körper mit.

Auf den ersten Blick wirkt der jüngste Arbeitsmarktbericht dennoch nicht dramatisch: Die Arbeitslosenquote sank im Juni von 4,3 auf 4,2 Prozent. Doch dieser Rückgang ist trügerisch. Wenn die Quote nur deshalb fällt, weil weniger Menschen überhaupt noch Arbeit suchen, ist das kein Zeichen für Stärke, sondern für ein tiefer liegendes Problem.

Für die US-Wirtschaft kann eine dauerhaft schrumpfende Erwerbsbevölkerung gefährlich werden. Wirtschaftswachstum entsteht nicht nur durch höhere Produktivität, sondern auch dadurch, dass mehr Menschen arbeiten und mehr Arbeitsstunden leisten. Wenn dieser zweite Faktor schwächer wird, kann das Wachstum langfristig gebremst werden.

Die Vereinigten Staaten stehen damit vor einer schwierigen Frage: Wie lässt sich ein Arbeitsmarkt stabilisieren, in dem gleichzeitig ältere Arbeitnehmer in Rente gehen, jüngere Bewerber frustriert aufgeben, Betreuungskosten steigen und Arbeitgeber mehr Präsenz verlangen?

Eine einfache Antwort gibt es nicht. Genau das macht die Entwicklung so brisant. Der Rückzug vom Arbeitsmarkt ist kein einzelnes Phänomen, sondern ein Bündel aus Demografie, Überforderung, Enttäuschung, Krankheit, Betreuungslasten und veränderten Arbeitsbedingungen.

Fest steht: Wenn immer mehr Menschen nicht mehr arbeiten wollen oder können, wird das nicht nur für Unternehmen zum Problem. Es betrifft die gesamte Wirtschaft.

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