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Entführt, gefoltert und zur Kasse gebeten: Das brutale Geschäft mit Migranten auf der Libyen-Route

RosZie (CC0), Pixabay
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Für viele Menschen aus dem Irakischen Kurdistan beginnt die Reise nach Europa mit Hoffnung. Für Hunderte endete sie jedoch in einem Albtraum aus Gewalt, Erpressung und Folter.

Wie Recherchen der BBC zeigen, wurden im Sommer 2025 mehr als 300 Migranten in Libyen von einer Miliz verschleppt, obwohl sie bereits hohe Summen an Schleuser gezahlt hatten, um nach Europa und letztlich nach Großbritannien zu gelangen. Statt an die Mittelmeerküste gebracht zu werden, landeten die jungen Männer in einem bewachten Lager, wo sie als Geiseln festgehalten wurden.

Die Entführer verlangten von den Familien jedes Gefangenen ein Lösegeld von 5.000 US-Dollar. Wer nicht schnell zahlte, erhielt eine grausame Drohung: Man werde sich das Geld „über eine Niere holen“.

Die Familien bekamen Fotos und Videos ihrer Angehörigen zugeschickt. Darauf waren Misshandlungen und Drohungen zu sehen. In einem Fall wurde ein junger Mann gefilmt, während ihm gesagt wurde, er werde nun zu einem Arzt gebracht, um ihm eine Niere zu entnehmen.

Viele Betroffene berichten von unmenschlichen Bedingungen. Bis zu 178 Menschen sollen in einer einzigen kleinen Zelle eingesperrt gewesen sein. Tageslicht hätten sie monatelang nicht gesehen. Geschlafen wurde sitzend, da für ein Liegen schlicht kein Platz vorhanden war. Es gab nur eine Toilette für alle Insassen. Wer diese zu lange benutzte, wurde geschlagen.

Auch die Versorgung war katastrophal. Nach Aussagen von Angehörigen erhielten die Gefangenen oft nur ein Stück Brot pro Tag – und selbst das nur dann, wenn zusätzliche Zahlungen an die Entführer flossen.

Besonders erschütternd sind Berichte über mögliche Organentnahmen. Mehrere Familien zeigten Fotos von Narben bei zurückgekehrten Geiseln. Medizinische Experten erklärten gegenüber der BBC, die Narben seien mit Operationsschnitten vereinbar, wie sie bei einer Nierenentnahme vorkommen könnten. Ein endgültiger Nachweis liegt bislang allerdings nicht vor.

Die Hintergründe der Entführungen führen zu bekannten Schleusernetzwerken. Im Zentrum der Vorwürfe steht unter anderem der kurdische Schleuser Noah Aaron, der inzwischen in Frankreich eine zehnjährige Haftstrafe wegen Geldwäsche und Schleusungsdelikten verbüßt. Die libysche Miliz behauptete, Aaron habe aus früheren Geschäften noch Geld geschuldet, weshalb die Migranten als Druckmittel festgehalten wurden.

Im Januar konnten mehr als 100 Geiseln mit Unterstützung der irakisch-kurdischen Behörden in ihre Heimat zurückgebracht werden. Doch das Schicksal weiterer Opfer bleibt unklar.

Experten weisen darauf hin, dass solche Verbrechen durch die instabile Lage in Libyen begünstigt werden. Große Teile des Landes werden von rivalisierenden Milizen kontrolliert, während staatliche Strukturen nur eingeschränkt funktionieren. Dadurch entstehen ideale Bedingungen für Menschenhändler, Erpresser und kriminelle Banden.

Trotz der erschütternden Berichte reißt der Strom von Migranten auf der Route über Libyen nicht ab. Behördenvertreter im Irakischen Kurdistan versuchen inzwischen, Rückkehrer dazu zu bewegen, offen über ihre Erfahrungen zu sprechen, um andere von der gefährlichen Reise abzuhalten.

Doch selbst tragische Schicksale scheinen viele nicht abzuschrecken. Ein kurdischer Beamter berichtete von einem Vater, dessen Sohn in Libyen nach einer mutmaßlichen Organentnahme starb. Während der Beerdigung erfuhr die Familie, dass bereits zwei weitere Verwandte auf dem Weg nach Europa waren.

„Das Traurigste an dieser Geschichte ist, dass wir offenbar nichts daraus lernen“, sagte ein Vertreter der Regionalregierung.

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