Bei Emirates ist die Geduld endgültig gelandet – nur die Boeing 777X noch immer nicht.
Airline-Chef Sir Tim Clark hat auf der Luftfahrtmesse in Farnborough deutlich gemacht, was er von den ersten zehn gebauten Exemplaren des neuen Boeing-Langstreckenjets hält: nicht besonders viel. Emirates werde diese Maschinen nicht übernehmen. Sein Vorschlag für die weitere Verwendung fiel dafür umso kreativer aus: Man könne sie zu Dosen für Baked Beans verarbeiten.
Damit hat die 777X immerhin erstmals eine realistische Chance, zeitnah ausgeliefert zu werden – allerdings in deutlich kleineren Portionen.
2019 gebaut, vielleicht 2027 fertig
Die ersten Flugzeuge wurden bereits 2019 produziert. Ursprünglich sollte die 777X ab 2020 regulär Passagiere transportieren. Inzwischen hofft Boeing auf eine Zulassung Ende 2027.
Sieben Jahre Verspätung sind in der Luftfahrt natürlich kein Problem. Man muss den Kunden lediglich empfehlen, beim Warten genügend Proviant mitzunehmen.
Emirates hat insgesamt 270 Maschinen bestellt und gehört damit zu den wichtigsten Kunden des Programms. Die ersten zehn Flugzeuge unterscheiden sich laut Clark jedoch inzwischen so stark von den später geplanten Serienmaschinen, dass eine Nachrüstung kaum noch sinnvoll sei.
Oder einfacher gesagt: Boeing hat während der Entwicklung so oft umgebaut, dass die ersten Jets mittlerweile eher historische Prototypen mit Tragflächen sind.
Technische Überraschungen inklusive
Das Programm wurde von zahlreichen Problemen begleitet. Bei Tests gab es Schwierigkeiten mit der Schubsteuerung, einen unerwarteten Anstieg der Flugzeugnase und ein strukturelles Versagen bei einem Belastungstest.
Für ein Flugzeug, das Menschen sicher über Kontinente bringen soll, ist das eine durchaus vielseitige Sammlung.
Boeing räumt ein, dass sich die Konstruktion während der Entwicklung erheblich verändert habe. Nun müsse bei jedem frühen Exemplar geprüft werden, ob sich der Umbau wirtschaftlich überhaupt noch lohnt.
Das ist ungefähr so, als würde eine Autowerkstatt nach acht Jahren Reparatur feststellen, dass man aus dem Wagen vielleicht doch besser einen Briefkasten baut.
Boeing verspricht die bestmögliche Lösung
Stephanie Pope, Chefin der Verkehrsflugzeugsparte von Boeing, erklärte, das Unternehmen wolle für seine Kunden die bestmögliche Lösung finden.
Emirates hat seine bevorzugte Lösung bereits genannt: keine Übernahme der ersten zehn Maschinen.
Was danach mit den Jets geschieht, sei Sache von Boeing, sagte Clark. Der Hinweis auf Heinz dürfte dort immerhin neue Geschäftsfelder eröffnet haben. Eine 777X könnte vermutlich mehrere Millionen Dosen ergeben – vorausgesetzt, die Dosen erhalten ihre Zulassung vor dem Flugzeug.
Boeing hält weiter an einer ersten Auslieferung Ende 2027 fest. Ob der Termin eingehalten wird, bleibt offen.
Sicher ist derzeit nur: Die Passagiere warten weiter, Emirates verliert die Geduld und bei Heinz dürfte man vorsichtshalber schon einmal den Dosenöffner bereitlegen.
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