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EKD vor der Insolvenz: Stiehlt sich Pemberton jetzt aus der Verantwortung?

qimono (CC0), Pixabay
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Die Frage ist hart formuliert, aber sie drängt sich auf: Kann sich ein finanzstarker Investor erst als Retter und Stabilitätsanker präsentieren – und sich dann zurückziehen, wenn das Unternehmen offenbar vor der Insolvenz steht?

Genau diese Frage muss sich Pemberton Asset Management im Fall der Energiekonzepte Deutschland GmbH, kurz EKD, gefallen lassen.

Wichtig ist dabei eine saubere Trennung: Nach dem derzeitigen Stand ist nicht belegt, dass Pemberton rechtswidrig gehandelt hat. Ebenso wenig steht fest, dass Pemberton rechtlich verpflichtet gewesen wäre, EKD unbegrenzt weiter zu finanzieren. Aber wirtschaftlich und kommunikativ ist der Vorgang erklärungsbedürftig.

Denn Pemberton war bei EKD nicht irgendein außenstehender Geldgeber.

Bereits Anfang 2023 teilte Pemberton selbst mit, EKD finanziell zu unterstützen. Damals war von einer Wachstumsfinanzierung die Rede. Im Herbst 2024 folgte dann der nächste große Schritt: Von Pemberton Asset Management beratene Fonds vereinbarten die Übernahme von EKD. Im März 2025 wurde der Vollzug öffentlich bekannt gegeben.

Damals waren die Worte groß.

EKD sprach von einem „finanzstarken Investor“, der die finanzielle Stabilität des Unternehmens nachhaltig festigen, die Wettbewerbsfähigkeit stärken und neue Wachstumschancen eröffnen werde.

Noch im August 2026 stellte EKD öffentlich klar, dass das Unternehmen nicht insolvent sei. Gerade die Übernahme durch die von Pemberton beratenen Fonds wurde dabei erneut als Argument für die finanzielle Stabilisierung angeführt.

Und nun, nur wenige Wochen später, soll das Unternehmen unmittelbar vor einem Insolvenzantrag stehen.

Das verlangt Antworten.

Erst Finanzierer, dann Eigentümer

Pembertons Rolle begann nicht erst mit der Übernahme.

Das Unternehmen hatte bereits 2023 eine Finanzierung für EKD bereitgestellt und erklärte damals selbst, man wolle die nächste Wachstumsphase des Solarunternehmens unterstützen.

Damit hatte Pemberton spätestens seit dieser Zeit einen tiefen wirtschaftlichen Einblick in EKD.

Ein professioneller institutioneller Investor stellt schließlich nicht dreistellige Millionenbeträge bereit, ohne Geschäftsmodell, Finanzplanung, Liquiditätsentwicklung, Auftragsbestand und Risiken intensiv zu prüfen.

Im Oktober 2024 wurde Pembertons Engagement noch einmal wesentlich größer. Von Pemberton beratene Fonds sollten EKD übernehmen. Die damalige Kommunikation bezeichnete den neuen Investor ausdrücklich als neuen „Eigner“.

Nach Abschluss der Transaktion im März 2025 wurde erneut erklärt, die Übernahme festige EKD finanziell und verschaffe dem Unternehmen zusätzliche Mittel.

Diese früheren Aussagen sind heute von erheblicher Bedeutung.

Denn wer öffentlich erklärt, ein Unternehmen finanziell nachhaltig zu stabilisieren, muss sich später fragen lassen, weshalb diese Stabilisierung offenbar nicht dauerhaft gelungen ist.

Was wusste Pemberton über die wirtschaftliche Situation?

Hier liegt eine der entscheidenden Fragen.

Wie sah EKD tatsächlich aus, als Pemberton die Übernahme vereinbarte?

Welche Liquiditätsplanung lag vor?

Welche Altverbindlichkeiten bestanden?

Wie hoch war der laufende Finanzierungsbedarf?

Welche Verluste entstanden im operativen Geschäft?

Und welche Annahmen wurden bei der Entscheidung zugrunde gelegt, EKD vollständig oder maßgeblich zu übernehmen?

Derartige Fragen sind keine Unterstellung. Sie ergeben sich aus der Rolle eines professionellen Investors geradezu zwangsläufig.

Pemberton verwaltet Milliardenbeträge für institutionelle Anleger. Bei einem solchen Investor darf man davon ausgehen, dass Unternehmenskäufe nicht auf Basis einer Hochglanzpräsentation durchgeführt werden.

Wenn EKD bereits bei der Übernahme einen erheblichen Finanzierungsbedarf hatte, dürfte Pemberton dies im Rahmen einer Due Diligence zumindest grundsätzlich bekannt gewesen sein.

Wenn sich die Lage dagegen erst später dramatisch verschlechtert hat, wäre ebenfalls erklärungsbedürftig, wodurch dieser Einbruch verursacht wurde.

Was geschah mit den angekündigten Finanzmitteln?

Noch interessanter wird es bei der Finanzierung.

In Medienberichten ist inzwischen von Finanzierungen in erheblicher Größenordnung die Rede. Teilweise wird sogar eine Gesamtsumme von knapp 400 Millionen Euro genannt.

Diese Zahl ist bislang nicht offiziell bestätigt und darf insbesondere nicht mit einem aktuellen Schuldenstand von EKD gleichgesetzt werden.

Trotzdem stellt sich eine berechtigte Frage:

Wie kann ein Unternehmen, das über Jahre hinweg in erheblichem Umfang finanziert wurde und 2025 noch von einem finanzstarken Investor übernommen wurde, Ende September 2026 offenbar so unter Liquiditätsdruck geraten, dass selbst Gehaltszahlungen problematisch werden?

Hier reicht die Erklärung „schwieriger Solarmarkt“ allein nicht aus.

Pemberton und EKD sollten nachvollziehbar darlegen, welche Finanzierung tatsächlich geflossen ist, in welcher Form sie zur Verfügung gestellt wurde und wie sich der Finanzierungsbedarf entwickelt hat.

Finanzierungsstopp als Auslöser?

Nach bislang nicht offiziell bestätigten Medieninformationen soll Pemberton am 25. September 2026 mitgeteilt haben, keine weiteren Finanzmittel mehr zur Verfügung zu stellen.

Sollte diese Darstellung stimmen, wäre dies möglicherweise der entscheidende Moment gewesen.

Denn wenn ein Unternehmen dauerhaft auf externe Liquiditätszufuhr angewiesen ist und diese Finanzierung plötzlich entfällt, kann eine ohnehin angespannte Lage innerhalb kürzester Zeit eskalieren.

Aber auch hier gilt: Ein Investor ist grundsätzlich nicht verpflichtet, einem Unternehmen auf unbegrenzte Zeit immer neues Geld zu geben.

Wenn die wirtschaftliche Perspektive fehlt, kann die Einstellung weiterer Finanzierung sogar eine nachvollziehbare unternehmerische Entscheidung sein.

Genau deshalb muss man bei der Formulierung „Pemberton zieht den Stecker“ vorsichtig sein.

Die entscheidende Frage lautet vielmehr:

Welche Verpflichtungen bestanden tatsächlich, welche Finanzierungszusagen waren verbindlich und unter welchen Bedingungen durfte Pemberton weitere Mittel verweigern?

Das lässt sich derzeit öffentlich nicht abschließend beantworten.

Insolvenz bedeutet nicht: Verantwortung erledigt

Eines sollte jedoch klar sein:

Eine Insolvenz beendet nicht automatisch die Aufarbeitung dessen, was vorher geschehen ist.

Sollte EKD tatsächlich Insolvenzantrag stellen und ein Verfahren eröffnet werden, wird ein Insolvenzverwalter die wirtschaftlichen Vorgänge vor der Insolvenz untersuchen.

Dazu können unter anderem Finanzierungstransaktionen, Gesellschafterdarlehen, Sicherheiten, Zahlungen an verbundene Gesellschaften, Vermögensverschiebungen und andere Vorgänge gehören.

Auch die Frage, wann eine mögliche Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung eingetreten ist und ob rechtzeitig reagiert wurde, kann relevant werden.

Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass bei EKD oder Pemberton entsprechendes Fehlverhalten vorliegt.

Aber ein Insolvenzverfahren schafft gerade die Möglichkeit, solche Fragen unabhängig zu untersuchen.

Pemberton haftet nicht automatisch für EKD-Schulden

Für Kunden und Gläubiger ist ein Punkt besonders wichtig.

Selbst wenn von Pemberton beratene Fonds Eigentümer von EKD geworden sind, bedeutet das nicht automatisch, dass Pemberton sämtliche Schulden von EKD übernehmen muss.

Eine GmbH ist grundsätzlich eine eigenständige juristische Person. Anteilseigner haften normalerweise nicht persönlich und unbegrenzt für sämtliche Verpflichtungen der Gesellschaft.

Allein die Beteiligung an einem insolventen Unternehmen begründet deshalb noch keine Haftung für dessen Kundenforderungen.

Anders kann die Situation aussehen, wenn besondere vertragliche Garantien, Patronatserklärungen, verbindliche Finanzierungszusagen oder sonstige rechtliche Verpflichtungen bestehen. Auch bestimmte gesellschaftsrechtliche Vorgänge können im Einzelfall geprüft werden.

Ob es solche Verpflichtungen im Verhältnis zwischen EKD und den von Pemberton beratenen Fonds gibt, ist öffentlich derzeit nicht ausreichend bekannt.

Deshalb wäre es unseriös, heute zu behaupten, Pemberton müsse für sämtliche Schäden geradestehen.

Ebenso unseriös wäre aber die gegenteilige Behauptung, Pemberton gehe das alles nichts mehr an.

Besonders problematisch ist die frühere Kommunikation

Aus unserer Sicht liegt der zentrale Punkt weniger in einer bislang nicht bewiesenen rechtlichen Haftung als in der öffentlichen Verantwortung.

Noch bei der Übernahme wurde vermittelt, EKD habe nun einen kapitalstarken Eigentümer, der Stabilität und Wachstum ermögliche.

Im März 2025 hieß es sinngemäß, die Transaktion festige die finanzielle Stabilität von EKD nachhaltig.

Noch später argumentierte das Unternehmen bei Berichten über mögliche Schwierigkeiten mit genau diesem Investor und dessen Kapitalstärke.

Die von EKD veröffentlichte Darstellung zur Pemberton-Übernahme präsentierte den Einstieg ausdrücklich als finanzielle Absicherung und Grundlage für weiteres Wachstum. pembertonekduebernahme

Auch die später veröffentlichte Unternehmensdarstellung zum Thema angeblicher „Pleite“-Berichte verwies erneut auf die Pemberton-Übernahme und stellte EKD als nicht insolvent und finanziell abgesichert dar. auchdasekdpemberton

Wenn nun nur wenige Wochen später ein Insolvenzantrag vorbereitet werden sollte, ist deshalb eine kritische Nachfrage unvermeidbar:

Was war an diesen Aussagen tatsächlich belastbar?

Kunden dürfen Antworten verlangen

Besonders bitter wäre die Situation für Kunden, die bereits hohe Anzahlungen geleistet haben und deren Anlagen noch nicht vollständig installiert oder abgenommen wurden.

Sie haben Verträge mit einem Unternehmen geschlossen, das sich öffentlich als großer, finanzstarker Anbieter positionierte.

Wer dabei auch auf die kommunizierte Unterstützung eines milliardenschweren Investors vertraut hat, dürfte sich heute zu Recht fragen, welchen Wert diese Aussagen tatsächlich hatten.

Dasselbe gilt für Beschäftigte, Lieferanten und Vertriebspartner.

Falls Gehälter tatsächlich ausstehen und ein Insolvenzantrag unmittelbar bevorsteht, geht es nicht um abstrakte Finanzierungsmodelle.

Dann geht es um Menschen, die auf ihr Geld warten.

Die entscheidenden Fragen an Pemberton

Pemberton könnte viel zur Aufklärung beitragen.

Insbesondere folgende Punkte sollten aus unserer Sicht beantwortet werden:

Wie hoch war das gesamte finanzielle Engagement der von Pemberton beratenen Fonds bei EKD?

Welche Summe davon war Fremdkapital und welche Eigenkapital?

Welche Finanzierungszusagen bestanden für 2026?

Wann erkannte Pemberton erstmals, dass EKD ohne weitere Finanzierung möglicherweise nicht mehr ausreichend liquide sein würde?

Weshalb wurde eine weitere Finanzierung gegebenenfalls beendet?

Welche Sanierungs- oder Fortführungskonzepte wurden geprüft?

Gab es Angebote, Teile des Unternehmens zu verkaufen oder einen weiteren Investor aufzunehmen?

Welche Auswirkungen eines Finanzierungsstopps auf Kunden, Mitarbeiter und laufende Projekte waren Pemberton bekannt?

Und vor allem:

Wie passt die heutige Situation zu der noch 2025 kommunizierten „nachhaltigen finanziellen Stabilisierung“?

„Aus der Verantwortung stehlen“? Noch ist das eine Frage, keine Feststellung

Die Überschrift dieses Artikels ist bewusst zugespitzt.

Ob sich Pemberton tatsächlich „aus der Verantwortung stiehlt“, lässt sich derzeit nicht als Tatsache feststellen.

Dafür fehlen entscheidende Informationen.

Aber die Frage ist legitim.

Denn Pemberton war zunächst Finanzierer, später wurden von Pemberton beratene Fonds Eigentümer. Der Einstieg wurde öffentlich mit finanzieller Stabilität, Wachstum und zusätzlichem Kapital begründet.

Sollte nun ausgerechnet der Wegfall weiterer Finanzierung unmittelbar vor einer Insolvenz stehen, ist Pemberton kein beliebiger Außenstehender.

Juristische Haftung und wirtschaftliche Verantwortung sind dabei zwei verschiedene Dinge.

Vielleicht hat Pemberton vertraglich jedes Recht, weitere Mittel zu verweigern.

Vielleicht war eine Fortführung wirtschaftlich nicht mehr vertretbar.

Vielleicht wurden bereits weit größere Beträge investiert, als Außenstehende bislang wissen.

All das kann sein.

Dann sollte Pemberton es erklären.

Denn nach den großen Versprechen bei Einstieg und Übernahme wäre eines aus unserer Sicht nicht überzeugend: jetzt lediglich auf die Insolvenz der operativen Gesellschaft zu verweisen und den Eindruck zu erwecken, die Entwicklung habe mit dem Investor nichts zu tun.

Pemberton hat sich selbst als Teil der Lösung präsentiert.

Deshalb muss sich Pemberton jetzt auch den Fragen stellen, warum diese Lösung offenbar nicht funktioniert hat.

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