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Dolce Vita auf Widerruf

jorono (CC0), Pixabay
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Sie verkauften Häuser, kündigten Jobs, buchten One-Way-Tickets. Sie wollten Italiener werden – oder genauer: als Nachfahren italienischer Auswanderer zurückkehren. Dann änderte Rom über Nacht das Gesetz. Seitdem sitzen amerikanische Familien in Turin, der Toskana oder wieder in Atlanta fest – zwischen Sprachkurs, Mietvertrag und juristischem Niemandsland.

Der Fall der Familie Matwick ist dafür exemplarisch. Kellen Matwick, seine Frau Jacqueline und ihre zwei Kinder zogen im August 2024 nach Turin. Der Plan klang vernünftig: nicht jahrelang auf einen Termin im US-Konsulat warten, sondern direkt in Italien die Anerkennung der Staatsbürgerschaft beantragen. Kellen stammt von italienischen Urgroßeltern ab. Jahrzehntelang war das ein gangbarer Weg.

Dann kam erst der sogenannte „minor issue“: Eine neue Auslegung des Innenministeriums vom Oktober 2024 kappte in vielen Fällen die Abstammungslinie, wenn ein italienischer Vorfahr sich einbürgern ließ, während sein Kind noch minderjährig war. Im März 2025 folgte der eigentliche Schock: Die Regierung Meloni verschärfte das Abstammungsrecht per Notstandsdekret drastisch. Automatisch italienisch sind im Ausland Geborene seither nur noch, wenn mindestens ein Eltern- oder Großelternteil in Italien geboren wurde. Außenminister Antonio Tajani begründete das mit dem Kampf gegen „Missbrauch“. Reuters berichtete damals von einer „Zäsur“ im italienischen Staatsbürgerschaftsrecht.

Für die Matwicks bedeutete das: ausgebremst. Keine Übergangsfrist, keine Bestandsschutzregel für jene, die schon in Italien waren, schon Wohnungen gemietet, Kinder eingeschult, Aktenordner gefüllt hatten. Sie hatten alles getan, was der Staat von ihnen verlangte – und wurden genau dafür bestraft.

Heute, 19 Monate nach ihrer Ankunft, lebt die Familie weiter in Turin. Die Kinder gehen zur Schule, ein drittes wurde geboren. Doch Kellen hat bis heute keinen gesicherten Aufenthaltsstatus, keinen regulären Zugang zum Arbeitsmarkt, keine klare Perspektive. Zurück in die USA? Nicht so einfach, wenn Möbel verschifft und Vierjahresmietverträge unterschrieben sind.

Sie sind kein Einzelfall. Andere wechselten auf Studenten- oder Forschervisa, wieder andere mussten aufgeben. Eine Frau aus Connecticut, die alles verkaufte, landete nach Monaten zwischen Italien, Albanien und Pennsylvania – ohne Job, ohne Wohnung, ohne Krankenversicherung.

Das Bittere: Die politische Botschaft aus Rom lautet, Italien wolle keine Pass-Touristen. Doch viele der Betroffenen wollten genau das Gegenteil: bleiben, Steuern zahlen, Kinder integrieren, Italienisch lernen. Die Verfassungsrichter haben eine erste Attacke auf die Reform nun abgewiesen; die neuen Hürden bleiben vorerst bestehen.

So ist aus einem Sehnsuchtsprojekt ein kafkaesker Verwaltungsroman geworden. Mit Meerblick, aber ohne Ankunft.

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