Mehr als vier Jahrzehnte nach dem gewaltsamen Tod zweier Mütter im US-Bundesstaat Washington hat ein bereits verurteilter Sexualstraftäter die Taten gestanden. Der heute 68-jährige Mitchell Gaff bekannte sich vor Gericht in zwei Fällen des Mordes ersten Grades schuldig. Die Ermittler hatten ihn durch eine verdeckte Aktion überführt – mithilfe von DNA-Spuren aus weggeworfenem Kaugummi.
Geständnis in zwei lange ungeklärten Mordfällen
Vor dem Superior Court im Snohomish County bekannte sich Gaff am 16. April zu den Morden an:
- Susan Vesey, 21 Jahre alt, Mutter von zwei kleinen Kindern, getötet im Jahr 1980
- Judy Weaver, 42 Jahre alt, Mutter von zwei Kindern, getötet im Jahr 1984
Laut Staatsanwaltschaft schilderte Gaff beide Taten im Rahmen einer Vereinbarung vor Gericht detailliert. Durch das Schuldbekenntnis dürfte ihm ein Prozess erspart bleiben – nach Einschätzung der Ermittler wird er aber mit hoher Wahrscheinlichkeit den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen.
Spektakuläre Undercover-Methode: Ermittler kamen als „Kaugummi-Forscher“
Der entscheidende Durchbruch gelang über moderne DNA-Analyse.
Zunächst war Gaff über einen Treffer in der nationalen DNA-Datenbank CODIS als möglicher Verdächtiger im Mordfall Judy Weaver identifiziert worden. Den Ermittlern reichte das jedoch nicht.
Deshalb gingen zwei verdeckte Ermittlerinnen 2024 zu Gaff nach Hause und gaben sich als Mitarbeiterinnen einer Kaugummi-Firma aus. Sie baten ihn, verschiedene Sorten zu probieren. Gaff machte mit – und entsorgte die gekauten Stücke anschließend in kleinen Bechern.
Genau daraus sicherten die Ermittler weitere DNA-Spuren.
Diese wurden anschließend mit Tatortspuren verglichen – mit eindeutigem Ergebnis:
Die DNA aus dem Kaugummi passte nicht nur zum Mord an Judy Weaver, sondern später auch zu Spuren im Fall Susan Vesey.
Der Mord an Susan Vesey: Angriff im eigenen Zuhause
Am 12. Juli 1980 wurde die damals 21-jährige Susan Vesey in ihrem Haus in Everett angegriffen, während sie allein mit ihrem drei Monate alten Baby und ihrer zweijährigen Tochter zu Hause war.
Als ihr Ehemann heimkam, fand er sie:
- gefesselt mit einem Elektrokabel
- vergewaltigt
- erdrosselt
Die beiden kleinen Kinder blieben körperlich unverletzt.
Der Fall blieb jahrzehntelang ungelöst.
Vier Jahre später: zweiter Mord mit erschreckend ähnlichem Muster
Am 1. Juni 1984 wurde nur etwa vier Meilen entfernt die 42-jährige Judy Weaver tot in ihrer Wohnung gefunden.
Feuerwehrleute waren wegen eines Brandes alarmiert worden und entdeckten die Tote. Laut Ermittlungsakten war sie:
- mit einem Verlängerungskabel gefesselt
- vergewaltigt
- erdrosselt
Anschließend legte der Täter Feuer.
Damals wurden die beiden Fälle zunächst nicht miteinander verbunden.
Zweiter Cold Case wird erst 2025 neu aufgerollt
Nachdem Gaff 2024 wegen des Mordes an Judy Weaver festgenommen worden war, meldete sich Anfang 2025 der Ehemann von Susan Vesey bei der Polizei und fragte wütend, warum der Mord an seiner Frau noch immer nicht aufgeklärt sei.
Als eine Cold-Case-Ermittlerin die Details des Falls hörte, erkannte sie sofort auffällige Parallelen.
Daraufhin wurden alte Beweisstücke aus dem Tatort von 1980 erneut forensisch untersucht. Im April 2025 und nochmals im März 2026 ergaben DNA-Tests:
Auch die Fesseln im Fall Susan Vesey konnten Mitchell Gaff zugeordnet werden.
Gaff war seit Jahrzehnten als extrem gefährlicher Sexualstraftäter bekannt
Die erschütternde Wahrheit: Gaff war den Behörden längst bekannt.
Schon vor den Mordanklagen galt er als:
- verurteilter Vergewaltiger
- diagnostizierter sexueller Sadist
- von Gerichten als gewalttätiger Sexualstraftäter mit hohem Rückfallrisiko eingestuft
Brutaler Angriff 1979
Seine erste bekannte Tat war 1979 ein brutaler Überfall auf eine 29-jährige Frau in Everett. Er bedrohte sie mit einer Waffe, schlug sie massiv und griff sie an. Sie konnte in letzter Sekunde fliehen.
Trotzdem fiel die Strafe damals erstaunlich milde aus:
- 30 Tage Haft mit Arbeitserlaubnis
- danach fünf Jahre Bewährung
Horror-Tat 1984 an zwei Teenagerinnen
Noch während seiner Bewährungszeit drang Gaff 1984 in ein Haus ein, in dem eine Mutter und ihre zwei Töchter schliefen.
Er griff die beiden Mädchen im Alter von 14 und 16 Jahren über mehr als zwei Stunden brutal an:
- fesselte sie
- schnitt ihre Kleidung mit einem Messer auf
- vergewaltigte sie mehrfach
- schlug und würgte sie
- misshandelte sie schwer
Die jüngere Schwester konnte schließlich fliehen und Hilfe holen. Beide überlebten.
Für diese Tat erhielt Gaff 11,5 Jahre Haft.
Jahrzehntelang als „gewalttätiger Sexualstraftäter“ weggesperrt
Nach seiner Haft blieb Gaff viele Jahre nicht in Freiheit.
Wegen eines speziellen Gesetzes für besonders gefährliche Sexualstraftäter wurde er nach Verbüßung seiner Strafe weiter in einer gesicherten Einrichtung auf McNeil Island festgehalten. Dort galt er als hochgefährlich.
Mehrfach versuchte er später, freizukommen. Gerichte bestätigten jedoch wiederholt, dass er weiterhin ein massives Risiko für die Allgemeinheit darstelle.
Erst 2006 erhielt er schrittweise Lockerungen und lebte später unter Auflagen in Übergangseinrichtungen und schließlich unter neuem Namen relativ unauffällig in Washington.
Strafmaß: 61 Jahre bis lebenslang möglich
Die Urteilsverkündung ist für den 13. Mai angesetzt.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft drohen Gaff:
- mindestens 20 Jahre Haft
- bis hin zu lebenslanger Freiheitsstrafe
Die Anklage fordert ein Mindeststrafmaß von 61 Jahren – faktisch ein Todesurteil im Gefängnis.
Vor der Entscheidung des Gerichts sollen Angehörige der Opfer und Überlebende seiner früheren Taten noch einmal sprechen dürfen.
Überlebende: „Er wird im Gefängnis sterben“
Eine Frau, die 1979 einen Angriff Gaffs überlebt hatte, sprach von einem „bitter-süßen“ Ergebnis.
Sie sagte sinngemäß, es sei schwer, weil es im Bundesstaat Washington keine Todesstrafe mehr gebe – aber:
„Er wird im Gefängnis sterben. Darüber bin ich froh.“
Bis heute, fast 50 Jahre nach der Tat, könne sie nicht allein zu Hause sein, ohne jedes Geräusch bewusst wahrzunehmen.
Fazit
Der Fall zeigt eindrucksvoll, wie moderne Forensik selbst nach Jahrzehnten noch zu späten Durchbrüchen führen kann.
Zugleich wirft er eine bedrückende Frage auf:
Wie viele Verbrechen hätten womöglich verhindert werden können, wenn ein bereits früh als hochgefährlich bekannter Täter konsequenter gestoppt worden wäre?
Am Ende brachte ausgerechnet ein Stück Kaugummi die Wahrheit ans Licht.
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