Der amtierende Chef der US-Einwanderungsbehörde ICE, Todd Lyons, wird Ende Mai zurücktreten. Das teilte das US-Heimatschutzministerium (DHS) am Donnerstag mit. Der Rückzug kommt nur wenige Stunden nach einer Anhörung im Kongress, bei der Lyons zu einer Rekordzahl von Todesfällen in ICE-Gewahrsam befragt wurde.
Rücktritt zum 31. Mai angekündigt
Nach Angaben des Heimatschutzministeriums wird Lyons sein Amt als kommissarischer Direktor der Immigration and Customs Enforcement (ICE) zum 31. Mai 2026 niederlegen.
In einer offiziellen Erklärung lobte Heimatschutzminister Markwayne Mullin Lyons ausdrücklich und stellte ihn als wichtigen Vollstrecker der harten Einwanderungspolitik der Trump-Regierung dar. Lyons habe dazu beigetragen, gefährliche Straftäter aus amerikanischen Gemeinden zu entfernen und eine Behörde neu zu beleben, die vier Jahre lang nicht richtig habe arbeiten dürfen, hieß es sinngemäß.
Zugleich erklärte das Ministerium, Lyons werde künftig in die Privatwirtschaft wechseln.
Rücktritt direkt nach Anhörung im Kongress
Besonders brisant: Die Rücktrittsankündigung erfolgte nur Stunden nach einer öffentlichen Anhörung auf dem Capitol Hill.
Dort hatte Lyons vor Abgeordneten eingeräumt, dass mindestens 44 Menschen seit Beginn seiner Amtszeit im März 2025 in Gewahrsam der ICE gestorben sind.
Nach Berichten aus den USA ist das die höchste Zahl an Todesfällen in ICE-Haft während einer Präsidentschaftsperiode seit Bestehen der Behörde.
Diese Entwicklung hatte in den vergangenen Monaten massive Kritik von Bürgerrechtsgruppen, Oppositionspolitikern und Menschenrechtsorganisationen ausgelöst.
Harte Abschiebepolitik unter Lyons
Lyons galt als einer der zentralen Vollstrecker des verschärften Kurses der Trump-Regierung in der Migrationspolitik.
Unter seiner Führung standen ICE-Einsätze und Festnahmen mehrfach im Fokus der Öffentlichkeit – unter anderem im Zusammenhang mit tödlichen Zwischenfällen in Minnesota und Illinois, die im Zuge von Durchsetzungsmaßnahmen für Aufsehen sorgten.
Sein Name war damit eng mit den aggressiven Abschiebungs- und Inhaftierungsmaßnahmen der zweiten Trump-Amtszeit verbunden.
Nächster personeller Umbruch im Heimatschutzministerium
Der Rückzug von Lyons ist bereits der nächste größere Wechsel im Heimatschutzministerium.
Erst im März war Lyons’ frühere Vorgesetzte, die damalige Heimatschutzministerin Kristi Noem, von Präsident Trump entlassen worden.
Auch ihr Abgang folgte kurz nach einer schwierigen Anhörung im Kongress. Dort war sie unter anderem wegen einer 220-Millionen-Dollar-Werbekampagne unter Druck geraten, in der sie selbst sehr prominent auftrat.
Nach ihrem Abgang übernahm der frühere Senator aus Oklahoma, Markwayne Mullin, das Ministerium.
Kein persönlicher Kommentar von Lyons
Ein direkter Kommentar von Todd Lyons lag zunächst nicht vor. Laut USA TODAY war er unmittelbar nach Bekanntwerden seines Rücktritts nicht erreichbar.
Fazit
Der Rücktritt von Todd Lyons kommt zu einem politisch heiklen Zeitpunkt:
- Rekordzahl an Todesfällen in ICE-Haft
- massive Kritik an den Haftbedingungen
- zunehmender Druck im Kongress
- und eine ohnehin aufgeheizte Debatte über Trumps Migrationskurs
Offiziell wird Lyons als erfolgreicher Sicherheitsbeamter verabschiedet.
Politisch wirkt sein Abgang jedoch wie der Rückzug eines umstrittenen Hardliners unter massivem Druck.
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