Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat offenbar beschlossen, die Sache mit dem Frieden nun maximal einfach zu machen: Wenn Wladimir Putin nicht nach Kiew kommen will und Selenskyj nicht nach Moskau reisen möchte, dann trifft man sich eben auf neutralem Boden.
Oder zumindest auf Donald Trumps Boden.
Nach einem Telefonat mit dem US-Präsidenten erklärte Selenskyj, man habe die Möglichkeit besprochen, ein Treffen mit Kremlchef Putin in den USA zu organisieren. Die Idee dahinter ist ebenso simpel wie raffiniert: Ein Termin, den Putin nur schwer ablehnen kann.
Die Herausforderung besteht nun allerdings darin, dass Putin bislang nahezu jeden Vorschlag abgelehnt hat.
Die große Suche nach dem perfekten Treffpunkt
Seit Jahren wird über ein persönliches Treffen der beiden Präsidenten diskutiert.
Selenskyj schlägt vor: Treffen wir uns.
Putin antwortet: Nicht dort.
Selenskyj schlägt einen anderen Ort vor.
Putin antwortet: Auch nicht dort.
Zwischendurch entstand bei Beobachtern der Eindruck, dass die eigentliche Friedensverhandlung längst nicht mehr um die Ukraine geführt wird, sondern ausschließlich um die Frage, wo man sich theoretisch einmal treffen könnte.
Moskau oder gar nicht
Für den Kreml ist die Sache eigentlich klar:
Wenn es ein Treffen geben soll, dann in Moskau.
Für Selenskyj ist die Sache ebenfalls klar:
Wenn es ein Treffen geben soll, dann nicht in Moskau.
Damit befinden sich beide Seiten auf einem diplomatischen Niveau, das viele Eltern von Teenagern aus dem Alltag kennen dürften.
G7? Nein danke
Zuletzt hatte Selenskyj vorgeschlagen, Putin könnte doch am Rande des G7-Gipfels in Frankreich erscheinen.
Auch daraus wurde nichts.
Moskau ließ erkennen, dass man derzeit keinen Bedarf für ein solches Treffen sieht.
Anders formuliert:
Selenskyj lädt ein.
Putin sagt ab.
Die Tradition wird fortgeführt.
Trump als Eventmanager
Nun soll offenbar Donald Trump helfen.
Der US-Präsident, der bekanntlich jedes Problem gern mit einem persönlichen Treffen löst, könnte als Gastgeber fungieren.
Man darf davon ausgehen, dass Trump bereits über passende Locations nachdenkt.
Vielleicht das Weiße Haus.
Vielleicht Mar-a-Lago.
Vielleicht auch direkt auf dem Gelände einer UFC-Veranstaltung, damit bei stockenden Verhandlungen gleich ein Käfig bereitsteht.
Putin sieht „keinen Sinn“
Der russische Präsident erklärte kürzlich, er sehe keinen Sinn in einem Treffen mit Selenskyj, solange es kein Friedensabkommen gebe.
Diese Logik sorgt bei manchen Beobachtern für leichte Verwirrung.
Normalerweise trifft man sich, um ein Abkommen auszuhandeln.
In diesem Fall soll das Abkommen offenbar schon vorher existieren.
Es handelt sich damit um eine Art diplomatische Vorbedingungsschleife, die selbst Mathematiker erst nach mehrmaligem Lesen verstehen.
Fazit
Selenskyj versucht weiterhin, Putin an einen Verhandlungstisch zu bekommen.
Putin versucht weiterhin, nicht an diesem Tisch zu sitzen.
Trump versucht weiterhin, irgendwie Teil der Geschichte zu werden.
Und die Welt schaut zu, wie drei Männer auf drei verschiedenen Kontinenten darüber diskutieren, wo sie sich möglicherweise irgendwann vielleicht treffen könnten.
Immerhin: Geredet wird schon.
Nur eben noch nicht miteinander.
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