Der Deutsche Fußball-Bund hat offenbar ein neues Lieblingsspiel entdeckt: „Ändere die Regeln, wenn keiner hinschaut.“
Wochenlang wird den Vereinen ein Reformmodell präsentiert, diskutiert und schmackhaft gemacht. Dann – Überraschung! – wird kurz vor der Abstimmung aus dem 80-Klubs-Modell plötzlich ein 72-Klubs-Modell. Wahrscheinlich war der Taschenrechner leer oder acht Vereine sind versehentlich im Faxgerät stecken geblieben.
Die BSG Chemie Leipzig reagiert jedenfalls wenig begeistert und spricht sinngemäß von einem Hinterzimmer-Coup. Verständlich. Schließlich fühlt sich das Ganze inzwischen weniger nach Fußballverband und mehr nach einem Escape-Room an: Niemand weiß, wer wann welche Tür abgeschlossen hat.
Besonders beeindruckend ist dabei die Kommunikationsstrategie des DFB. Erst wird geschwiegen. Dann wird noch etwas länger geschwiegen. Und wenn die Fragen nicht verschwinden, wird einfach eine Sitzung einberufen. Am besten gleich fünf gleichzeitig – dann blickt garantiert niemand mehr durch.
Der eigentliche Reformgedanke? Fairness. Einheit. Chancengleichheit. Herausgekommen ist stattdessen ein Wettkampf im Regel-Umschreiben, bei dem offenbar jeder Verband seine eigene Bedienungsanleitung besitzt.
Chemie Leipzig bringt es auf den Punkt und warnt davor, dass die Reform mutwillig zerlegt werde. Der Vorwurf: Nach dem Motto „Teile und herrsche“ sollen finanzstarke und kleinere Vereine gegeneinander ausgespielt werden. Ein raffinierter Plan – wenn das Ziel lautet, dass am Ende alle sauer sind.
Und irgendwo sitzt DFB-Präsident Bernd Neuendorf vermutlich zwischen fünf Telefonkonferenzen und fragt sich, wie aus einer Ligareform plötzlich eine politische Staatskrise werden konnte.
Am Montag sollen die Vereine nun abstimmen. Allerdings nicht über das Modell, das ihnen ursprünglich vorgestellt wurde. Das ist ungefähr so, als würde man ein Schnitzel bestellen und kurz vor dem Servieren erfahren, dass es heute nur noch Sellerie gibt – aber abstimmen darf man trotzdem.
Vielleicht überrascht uns der DFB ja noch ein letztes Mal. Schließlich scheint dort inzwischen das Motto zu gelten: Warum einfach, wenn es maximal kompliziert geht?
Die Fans hätten dagegen eine revolutionäre Idee: Einmal transparent arbeiten. Einfach nur einmal.
Kommentar hinterlassen