Während im Hintergrund weiter über ein mögliches Ende des Krieges im Libanon verhandelt wird, verschärft sich an der Front ein anderes Problem: Die Hisbollah setzt zunehmend auf kleine, glasfasergesteuerte FPV-Drohnen – günstig in der Herstellung, aber äußerst gefährlich im Einsatz. Die neue Waffe entwickelt sich für Israels Streitkräfte zu einer ernsthaften Herausforderung.
Die oft kaum größeren als ein Essteller messenden Drohnen fliegen nahezu unbemerkt über den Süden des Libanon und Nordisrael. Mithilfe einer Glasfaserleitung bleiben sie dauerhaft mit ihrem Piloten verbunden und senden keine Funksignale aus. Dadurch lassen sie sich weder elektronisch orten noch durch Störsender außer Gefecht setzen.
Nach israelischen Angaben kamen seit der Wiederaufnahme der Kämpfe im März mindestens zwölf Soldaten durch solche Angriffe ums Leben – rund ein Drittel aller israelischen Gefallenen im Libanon. Videos der Hisbollah zeigen Angriffe auf Merkava-Panzer, Stellungen der Luftabwehr sowie auf Soldaten im Feld.
Israel reagiert inzwischen mit Hochdruck. An Militärstützpunkten und Stellungen wurden großflächige Schutznetze installiert, die anfliegende Drohnen abfangen sollen. Zudem erhalten Soldaten Schrotflinten und spezielle Munition, um die Fluggeräte auf kurze Distanz abschießen zu können. Das größte Problem bleibt jedoch die rechtzeitige Entdeckung der nahezu lautlosen Angreifer.
Deshalb setzt die israelische Armee verstärkt auf die Zusammenarbeit mit der heimischen Technologiebranche. Start-ups und Rüstungsunternehmen arbeiten an neuen Sensoren, die Glasfaser-Drohnen erkennen können. Kombiniert werden dabei optische Kameras, Radar-, Laser- und Akustiksysteme, um die winzigen Flugobjekte möglichst früh zu identifizieren.
Ein israelisches Technologieunternehmen entwickelt beispielsweise eine Software, die Daten verschiedener Sensoren zusammenführt und innerhalb weniger Sekunden zwischen eigenen und feindlichen Drohnen unterscheiden soll. Ziel ist es, Soldaten statt nur weniger Sekunden künftig bis zu einer halben Minute Vorwarnzeit zu verschaffen.
Viele Experten sehen die Entwicklung allerdings auch als Warnsignal. Bereits im Ukraine-Krieg hatten glasfasergesteuerte FPV-Drohnen ihre hohe Wirksamkeit bewiesen. Ukrainische Stellen erklärten mehrfach, sie hätten Israel frühzeitig auf die neue Bedrohung hingewiesen und Unterstützung bei der Entwicklung von Gegenmaßnahmen angeboten.
Inzwischen räumen auch ehemalige israelische Militärs ein, dass die Gefahr unterschätzt worden sei. Der Fokus habe lange auf anderen sicherheitspolitischen Herausforderungen gelegen, insbesondere auf dem Iran. Nun versucht das Militär, den technologischen Rückstand möglichst schnell aufzuholen.
Die Hoffnung der israelischen Streitkräfte: Mit neuen Schutzsystemen und moderner Sensortechnik soll die Wirksamkeit der Hisbollah-Drohnen in den kommenden Monaten deutlich reduziert werden. Bis dahin bleibt die kleine, kaum sichtbare Waffe eine der größten Gefahren auf dem Schlachtfeld.
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