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„Der Iran drückt die Arterie langsam zu“ – und Washington sucht hektisch nach dem Notarzt

PuppypawsAZ (CC0), Pixabay
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Seit Wochen erklärt Donald Trump praktisch täglich, der Iran-Krieg sei „fast vorbei“. Das Problem: Offenbar hat Teheran vergessen, das Memo zu lesen.

Während im Weißen Haus bereits über „Siegeserklärungen“ nachgedacht wird, demonstriert der Iran weiterhin, dass man auch ohne moderne Wunderwaffen eine Supermacht maximal nervös machen kann. Dafür reicht offenbar schon eine schmale Wasserstraße namens Hormus.

Die Straße von Hormus ist inzwischen weniger Handelsroute als geopolitischer Würgegriff. Der Iran sperrt sie nicht einmal komplett – er drückt nur langsam zu. Wie bei einem Wasserhahn in einer schlecht geführten Hotelanlage: Gerade genug Druckverlust, damit weltweit alle durchdrehen.

Und siehe da: Ölpreise steigen, Tankerfahrer bekommen Schnappatmung und westliche Politiker entdecken plötzlich ihre Leidenschaft für „strategische Stabilität“.

Besonders unangenehm für Washington: Der militärisch angeblich schwer angeschlagene Iran weigert sich hartnäckig, zusammenzubrechen. Stattdessen produziert das Regime weiterhin Drohnen, Drohungen und diplomatische Nervenkrisen.

Trump wiederum sitzt auf einem kleinen Problemberg aus verbrauchten Raketen, leeren Munitionsdepots und Flugzeugträgern, die eigentlich Richtung China schauen sollten, nun aber im Nahen Osten Kreise ziehen.

Die Erkenntnis des Monats lautet daher: Luftschläge allein ersetzen offenbar doch keine funktionierende Strategie. Überraschend.

Eine Bodenoffensive? Viel Spaß. Der Iran ist groß, bergig und voller Menschen, die amerikanische Panzer vermutlich nicht mit Blumen begrüßen würden. Außerdem bräuchte Washington dafür Verbündete in der Region. Die Golfstaaten wiederum beobachten das Spektakel derzeit lieber aus sicherer Entfernung und hoffen vermutlich, dass niemand auf die Idee kommt, ihre Flughäfen für eine Invasion zu nutzen.

Also bleibt Option drei: irgendwie Hormus offenhalten. Klingt einfach, bis man feststellt, dass der Iran entlang der Küste Raketen, Drohnen, Schnellboote und elektronische Störtechnik verteilt hat wie andere Länder Verkehrsschilder.

Die eigentliche Ironie des Krieges: Washington wollte verhindern, dass der Iran geopolitisch wichtiger wird. Herausgekommen ist ein Regime, das mit einer halben Blockade inzwischen den gesamten Weltmarkt nervös macht.

Teheran hat damit geschafft, woran viele Staaten scheitern: militärisch unterlegen sein und trotzdem allen den Tag ruinieren.

Und während Trump weiterhin „den besten Plan“ verspricht, wartet die Welt darauf, dass ihn irgendwann vielleicht auch jemand findet.

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