Es war einmal ein großes Königreich namens Europa. Es lag zwischen den mächtigen Reichen Amerika und China und war bekannt für seine klugen Handwerker, seine fleißigen Händler und seine Liebe zu Regeln, Verordnungen und langen Sitzungen.
Doch eines Tages bemerkten die Weisen in der Hauptstadt Brüssel ein Problem. Die magischen Wolken, in denen die wichtigsten Schriftrollen, Schatzkarten und Geheimnisse des Reiches aufbewahrt wurden, gehörten größtenteils fremden Zauberern aus Übersee. Auch die winzigen Siliziumkristalle, die in den Maschinen des Königreichs arbeiteten, stammten oft aus fernen Ländern.
„Das ist gefährlich“, sprach die Königin Ursula von der Leyen vor ihrem Rat. „Was geschieht, wenn die fremden Zauberer eines Tages ihre Dienste verweigern oder ihre Magie abschalten? Krankenhäuser, Energietürme und Handelswege könnten ins Stocken geraten.“
Da beschlossen die Herrscher Europas, ein großes Zauberbuch zu verfassen. Es erhielt den geheimnisvollen Namen Cloud and AI Development Act, kurz CADA.
Dieses Zauberbuch sollte dafür sorgen, dass im Königreich mehr eigene Kristalle geschmiedet werden. Die Nachfrage nach europäischen Zauberchips sollte wachsen, damit die Werkstätten des Landes wieder stärker würden.
Zugleich verfügte der Rat, dass besonders wertvolle Geheimnisse künftig nur noch in vertrauenswürdigen Wolken gespeichert werden sollten. Beamte, Heiler und Schatzmeister müssten künftig genau prüfen, welchem Wolkenzauberer sie ihre Daten anvertrauen.
Denn jenseits des Ozeans galt ein altes Gesetz, das den dortigen Zauberern befahl, auf Wunsch ihrer Herrscher selbst jene Schriftrollen herauszugeben, die in weit entfernten Ländern lagerten. Das sorgte im Königreich Europa für Stirnrunzeln.
Doch damit nicht genug.
Die Weisen beschlossen außerdem, mächtige Türme für künstliche Intelligenz zu errichten. In diesen Rechenburgen sollten neue Denkmaschinen lernen, forschen und arbeiten. Ihre Zahl und Kraft sollte sich in den kommenden fünf bis sieben Jahren verdreifachen.
Im Volk machte währenddessen ein düsteres Wort die Runde: der „Kill-Switch“. Manche fürchteten, fremde Herrscher könnten eines Tages mit einem einzigen Knopfdruck wichtige Dienste abschalten oder den Zugang zu entscheidender Technologie versperren.
Denn mehr als sieben von zehn Wolken im Reich wurden von nur drei amerikanischen Zauberhäusern beherrscht. Und bei den begehrten Siliziumkristallen spielte Europa bislang nur eine Nebenrolle.
„Wer seine Krankenhäuser und Energietürme von fremder Magie abhängig macht, schläft auf dünnem Eis“, mahnte Königin Ursula.
Währenddessen geschah im Europäischen Parlament bereits eine kleine Revolution.
Viele Jahre lang hatte dort der Suchdrache Google als Torwächter des Wissens gedient. Doch die Abgeordneten beschlossen, ihm einen ruhigeren Nachfolger zur Seite zu stellen.
Seit dem vierten Tag des Monats Juni im Jahre 2026 begrüßt nun der französische Suchgeist Qwant die Besucher auf Tausenden magischen Geräten. Wer möchte, darf weiterhin den alten Drachen aufsuchen. Doch standardmäßig wacht nun ein neuer Hüter über die Suche nach Wissen.
Und so machte sich das Königreich Europa auf den langen Weg, seine eigenen Wolken zu bauen, seine eigenen Kristalle zu schmieden und seine eigene digitale Magie zu stärken.
Ob das Vorhaben gelingt, wird erst die Zukunft zeigen. Doch die Weisen waren sich einig: Lieber die eigenen Zauberstäbe schnitzen, als eines Tages ohne Magie dazustehen.
Und wenn sie noch digitalisieren, dann rechnen sie noch heute.
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