Nach der großen Signa-Bruchlandung wird jetzt Stück für Stück das einstige Luxus-Imperium von René Benko verscherbelt. Diesmal trifft es das „Goldene Quartier“ mitten in der Wiener Innenstadt — also jenes Prestigeprojekt, bei dem man früher vermutlich schon beim Vorbeigehen das Gefühl bekam, zu wenig Geld zu besitzen.
Zwischen Tuchlauben und Am Hof stehen nun rund 18.200 Quadratmeter feinster Luxusimmobilie zum Verkauf. Mit dabei:
Der zuständige Immobiliendienstleister CBRE überschlägt sich natürlich direkt vor Begeisterung. Das Gebäudeensemble sei „eine der exklusivsten Immobilien Europas“. Vergleichbare Objekte kämen „nur in besonderen Situationen“ auf den Markt.
Die „besondere Situation“ heißt in diesem Fall wohl:
Signa ist implodiert.
Jahrelang wurde das Goldene Quartier gefeiert wie der wirtschaftliche Beweis dafür, dass Luxus niemals endet. Heute wirkt das Ganze eher wie ein sehr teurer Reminder dafür, dass auch Milliardärsträume irgendwann auf dem Boden der Realität landen können.
Natürlich versucht man trotzdem weiterhin, das Ganze maximal glamourös zu verkaufen:
denkmalgeschützt,
revitalisiert,
Toplage,
internationale Luxusmarken,
tourismusgetriebene Frequenz.
Übersetzt heißt das vermutlich:
Sehr teuer, aber immerhin mit schicken Schaufenstern.
Interessant ist dabei vor allem die Parallelwelt, in der solche Luxusquartiere existieren. Während normale Menschen über Mietpreise, Inflation und Stromkosten diskutieren, werden im Goldenen Quartier Taschen verkauft, für die andere einen Kleinwagen finanzieren.
Doch Wien bleibt laut Immobilienentwicklern natürlich weiterhin „hochattraktiv“. Die Spitzenmieten liegen auch 2026 stabil bei rund 400 Euro pro Quadratmeter. Da bekommt man als kleiner Ladenbesitzer vermutlich schon Schnappatmung beim Lesen der Nebenkostenabrechnung.
Und keine Sorge:
Nachschub an Konsumtempeln ist bereits unterwegs. KFC, L’Osteria, Le Burger und andere Systemgastronomen suchen weiter neue Standorte. Denn irgendwo müssen Touristen schließlich zwischen Prada und Armani auch noch einen XXL-Eimer Chicken Wings essen können.
Am Ende bleibt das Goldene Quartier vor allem eines:
Ein Symbol dafür, wie nah in der Immobilienwelt Luxus, Größenwahn und Insolvenz manchmal beieinanderliegen.
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