Endlich geht es wieder los. Dynamo Dresden startet in Nürnberg in die neue Zweitliga-Saison, und selbstverständlich sind wir Dynamo-Fans längst auf Betriebstemperatur. Über 5.000 Auswärtsfahrer machen sich auf den Weg, das Max-Morlock-Stadion wird ordentlich gefüllt sein und die Hoffnung fährt natürlich mit. Vernunft ist schließlich etwas für die Winterpause.
Einer, der genau weiß, was in dieser Liga verlangt wird, ist Nicolai Rapp. Der 29-Jährige bringt satte 211 Zweitligaspiele mit und ist damit der erfahrenste Mann im Dresdner Kader. Nach dem 2:1 in der Generalprobe gegen Union Berlin blieb er angenehm nüchtern. Der Sieg gebe ein gutes Gefühl, mehr aber auch nicht. Ab der ersten Minute müsse Dynamo da sein, alles auf dem Platz lassen und die Vorgaben des Trainers umsetzen.
Klingt vielleicht nicht nach großer Fußballromantik, aber genau so funktioniert die 2. Bundesliga: Zweikämpfe, Intensität, einfache Lösungen und zur Not eben noch ein zweiter Zweikampf direkt hinterher.
Rapp kennt Nürnberg besonders gut. Gegen keinen anderen Verein spielte er häufiger. Dort feierte er 2016 sein Zweitligadebüt für Fürth. Vier Jahre später köpfte er Darmstadt in der 93. Minute zu einem 3:2-Sieg beim Club. Wer als Defensivspieler nur sechs Zweitligatore erzielt und eines davon so spät in Nürnberg macht, darf diese Geschichte selbstverständlich bei jeder Gelegenheit erzählen.
Auch seine Auswärtsbilanz beim FCN kann sich sehen lassen: fünf Siege und ein Unentschieden in neun Gastspielen. Wir würden nichts dagegen haben, wenn er diese Statistik direkt im Dynamo-Trikot fortsetzt.
Sein Rezept klingt jedenfalls sehr nach Dynamo: aggressiv gegen den Ball arbeiten, die Duelle annehmen, sich in jeden Zweikampf werfen und das eigene Tor verteidigen. Genau das wollen wir sehen. Keine Schönspielerei um ihrer selbst willen, sondern eine Mannschaft, die dem Gegner schon nach zehn Minuten vermittelt, dass dieser Nachmittag unangenehm werden könnte.
Die Vorbereitung verlief insgesamt ordentlich. Nur gegen Energie Cottbus gab es eine Niederlage. Rapp spricht von „Meckern auf hohem Niveau“. Das können wir in Dresden bekanntlich besonders gut. Selbst nach einem Sieg findet sich meistens noch eine Ecke, ein Fehlpass oder eine Einwechslung, über die man mindestens bis Montag diskutieren kann.
Einige Experten sehen Dynamo bereits als möglichen Geheimfavoriten. Das hören wir natürlich gern, auch wenn Geheimfavoriten meistens nur so lange geheim bleiben, bis sie das erste Spiel verlieren.
Rapp selbst bleibt entspannt. In Nürnberg beginne alles bei 0:0. Stimmt. Aber mit mehr als 5.000 Dresdnern im Rücken, reichlich Euphorie und einem erfahrenen Abräumer, der offenbar gern beim Club spielt, darf daraus am Ende ruhig ein 0:1, 1:2 oder meinetwegen auch ein völlig chaotisches 3:4 werden.
Hauptsache Dynamo gewinnt.
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