Wir haben es vorhergesehen. Vor drei Jahren hatten wir uns gemeinsam mit einem Investorenkonsortium für das Unternehmen interessiert. Das Konsortium wollte uns als Berater mit ins Boot nehmen. Natürlich hätten wir das gerne begleitet, denn Deutschland braucht kluge Ideen, um neue Arbeitsplätze zu schaffen – etwas, das wir immer deutlicher merken.
Wir haben uns das Unternehmen damals angeschaut und intensiv mit der Investorengruppe diskutiert. Bereits zu diesem Zeitpunkt haben wir jedoch darauf hingewiesen, dass sich das Unternehmen breiter aufstellen muss, um auch künftig erfolgreich zu sein. Genau das ist dem Unternehmen bis heute nicht gelungen – auch, weil aus unserer Sicht weder Macher noch Visionäre am Ruder waren. Genau diese hätte das Unternehmen aber gebraucht.
Nun ist also vorerst Schluss mit dem Unternehmen. Allerdings bietet eine Insolvenz auch immer die Möglichkeit, gestärkt daraus hervorzugehen. Mit den derzeit amtierenden verantwortlichen Personen sehen wir diese Chance jedoch ganz klar nicht.
Zugeben muss man allerdings auch, dass das Einsammeln von Kapital im Crowdfundingbereich schwieriger geworden ist. Die Branche hat zahlreiche Investmentausfälle zu verzeichnen – und damit geschädigte Anleger sowie einen erheblichen Ve
rtrauensverlust in solche Investitionen.
Uns hatte das damalige Konzept überzeugt. Genau deshalb wären wir gerne beratend mit an Bord gewesen. Letztlich konnte man sich aber wohl nicht über die Modalitäten einigen. Schade eigentlich, denn sowohl Seedmatch als auch OneCrowd hätten aus meiner Sicht weiterhin eine Daseinsberechtigung.
Hier einmal eine kleine Übersicht über uns bekannte schiefgegangene Crowdinvestments der letzten drei Jahre:
Crowdinvesting-Pleiten: Weitere Fälle zeigen das hohe Verlustrisiko
Crowdinvesting bleibt eine riskante Anlageform. Stiftung Warentest wertete 2.761 Projekte aus: Bei etwa jedem vierten verlief oder verläuft die Entwicklung nicht wie geplant. Besonders problematisch sind Nachrangdarlehen, weil Anleger in einer Insolvenz erst nach den vorrangigen Gläubigern bedient werden.
Die folgende Tabelle zeigt eine erweiterte Auswahl öffentlich dokumentierter Insolvenzfälle aus dem Zeitraum Juli 2023 bis Juli 2026. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
| Projekt oder Unternehmen | Plattform beziehungsweise Angebot | Insolvenz bekannt |
|---|---|---|
| Limesquartier | Zinsland | Oktober 2023 |
| Cube 4 You, Mettmann | Immobilien-Crowdinvestment | Dezember 2023 |
| Wallhöfe Ratingen II | Immobilien-Crowdinvestment | Januar 2024 |
| SIRPLUS 2 | Companisto | Januar 2024 |
| Landhaus Teigwaren Müller 2 | Econeers | Februar 2024 |
| Solarnative | Companisto | Juni 2024 |
| pryntad | Companisto | Oktober 2024 |
| Cube Real Estate | Unternehmens-Crowdinvestment | November 2024 |
| Green Club/Pottsalat | WIWIN | Dezember 2024 |
| youbee | Conda | Dezember 2024 |
| Lindner Hotels | Invesdor/Digital Investment | Dezember 2024 |
| Autarq | Econeers | Juni 2025 |
| GreenCharge III und IV | Greenvesting/ecoZins | Juli 2025 |
| mebix/Vision2B | FunderNation | Juli 2025 |
| UpVisit 2023 und 2024 | Companisto | August 2025 |
| SUSHI BIKES | Conda | November 2025 |
| Luana AG | Nachrangdarlehen und Token | Dezember 2025, vorläufig |
| nascit | FunderNation | Dezember 2025, vorläufig; März 2026 eröffnet |
| OMC°C 2 | Start-up-Crowdinvestment | Dezember 2025; Februar 2026 eröffnet |
Eine Insolvenz bedeutet nicht zwingend, dass der Geschäftsbetrieb sofort endet. Für Crowdinvestoren drohen dennoch erhebliche Verluste bis hin zum vollständigen Ausfall des investierten Kapitals.
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