Ein starker Anstieg von Cyclospora-Infektionen sorgt in den Vereinigten Staaten für Verunsicherung. Viele Verbraucher fragen sich, ob sie frisches Obst, Salat und Gemüse weiterhin bedenkenlos essen können. Fachleute halten regional angebaute Produkte – etwa vom Wochenmarkt oder aus dem eigenen Garten – für möglicherweise weniger riskant. Eine vollständige Sicherheit bieten sie jedoch nicht.
Die als Cyclosporiasis bezeichnete Erkrankung wird durch den mikroskopisch kleinen Parasiten Cyclospora cayetanensis verursacht. Er verbreitet sich vor allem über verunreinigte Lebensmittel und Wasser. Besonders häufig werden Infektionen mit rohem Obst, Gemüse, Kräutern oder Salaten in Verbindung gebracht.
Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC waren bis zum 13. Juli landesweit mehr als 1.600 Erkrankungen bestätigt worden. Mehr als 5.000 weitere mögliche Infektionen wurden noch überprüft. Einzelne Bundesstaaten meldeten deutlich höhere Zahlen: Allein in Michigan verfolgten die Behörden bis zum 15. Juli mehr als 3.700 Fälle.
Die Gesundheitsbehörden gehen davon aus, dass die Ausbrüche in Michigan, Ohio, West Virginia und Kentucky miteinander zusammenhängen könnten. Was die starke Zunahme verursacht, war zunächst nicht abschließend geklärt. In Michigan wird unter anderem untersucht, ob verunreinigter Salat eine Rolle spielt.
Entscheidend ist der Anbauort
Produkte vom Wochenmarkt könnten nach Einschätzung mehrerer Fachleute ein geringeres Risiko darstellen, weil sie häufig von regionalen Betrieben stammen. Entscheidend ist jedoch nicht, wo das Gemüse verkauft wird, sondern unter welchen Bedingungen es angebaut wurde.
Wird ein Feld mit verunreinigtem Wasser bewässert, kann der Parasit auf Salat, Gemüse oder Obst gelangen. Als mögliche Ursachen gelten mit menschlichen Fäkalien belastete Wasserquellen, Abwasserüberläufe oder landwirtschaftliche Verunreinigungen.
Frühere Cyclospora-Ausbrüche in den Vereinigten Staaten wurden teilweise mit importierten Lebensmitteln in Verbindung gebracht. In einigen Herkunftsländern könnten Bewässerungs- und Hygienestandards weniger streng kontrolliert werden. Die außergewöhnliche Größe des aktuellen Ausbruchs lässt Fachleute jedoch auch darüber nachdenken, ob die Kontamination innerhalb der USA entstanden sein könnte.
Extremwetter kann dabei eine Rolle spielen. Starke Regenfälle können Abwasseranlagen überlasten und verunreinigtes Wasser auf landwirtschaftliche Flächen spülen. Gelangt dieses Wasser in Bewässerungssysteme, können auch frische Lebensmittel betroffen sein.
Wie sicher ist Gemüse aus dem eigenen Garten?
Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten gelten grundsätzlich als vergleichsweise sicher – vorausgesetzt, es wird sauberes Wasser zur Bewässerung verwendet.
Kommunales Leitungswasser ist in den USA normalerweise nicht mit menschlichen Ausscheidungen verunreinigt. Wer seinen Garten selbst bewirtschaftet, weiß zudem in der Regel, welche Düngemittel verwendet wurden und ob Tiere Zugang zu den Anbauflächen hatten.
Problematisch könnten dagegen Regenwasserbehälter, Brunnen oder Oberflächengewässer sein, wenn deren hygienische Qualität nicht überprüft wird. Auch Überschwemmungen oder Abwasserüberläufe können zuvor sichere Anbauflächen kontaminieren.
Waschen hilft – aber nicht vollständig
Die CDC empfiehlt weiterhin, Obst und Gemüse gründlich unter fließendem Wasser abzuspülen. Dadurch können Schmutz und ein Teil möglicher Krankheitserreger entfernt werden.
Bei Cyclospora reicht das Waschen nach Einschätzung der befragten Fachleute jedoch nicht aus. Der Parasit kann besonders hartnäckig an der Oberfläche von Lebensmitteln haften. Selbst gründliches Abspülen reduziert das Risiko daher möglicherweise nur, beseitigt es aber nicht vollständig.
Seife, Reinigungsmittel oder Desinfektionsmittel sollten für Lebensmittel nicht verwendet werden. Sie können gesundheitsschädliche Rückstände hinterlassen und bieten ebenfalls keinen verlässlichen Schutz vor dem Parasiten.
Als sicherste Methode gilt das ausreichende Erhitzen. Durch Kochen wird der Erreger abgetötet. Nach Einschätzung der zitierten Fachleute können auch tiefgefrorene Produkte eine sicherere Alternative darstellen.
Symptome können lange anhalten
Eine Cyclospora-Infektion verursacht typischerweise starken, wässrigen Durchfall. Weitere mögliche Beschwerden sind Bauchkrämpfe, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Gewichtsverlust und Blähungen. Bei manchen Betroffenen wechseln sich Phasen mit Beschwerden und scheinbarer Besserung ab.
Die Symptome können mehrere Wochen anhalten und ohne geeignete Behandlung wiederkehren. Menschen mit länger andauerndem Durchfall sollten deshalb ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Besonders wichtig ist dies für ältere Menschen, Kinder und Personen mit geschwächtem Immunsystem, da sie durch den Flüssigkeitsverlust stärker gefährdet sein können.
Keine vollständige Sicherheit
Regionaler Anbau kann das Risiko einer Cyclospora-Infektion möglicherweise senken. Eine Garantie bietet die Herkunft allein jedoch nicht. Entscheidend sind sauberes Bewässerungswasser, hygienische Verarbeitung und eine geschlossene Kühl- und Lieferkette.
Solange die genaue Ursache des aktuellen Ausbruchs nicht gefunden ist, empfehlen Fachleute, frisches Obst und Gemüse weiterhin sorgfältig zu waschen, auf behördliche Warnungen und Rückrufe zu achten und verdächtige Produkte nicht zu verzehren.
Wer das Risiko möglichst weit reduzieren möchte, kann Lebensmittel erhitzen oder vorübergehend auf gekochtes beziehungsweise tiefgefrorenes Obst und Gemüse zurückgreifen.
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