Wer bei der WM 2026 denkt, er kennt die Fußballregeln, sollte vorsichtshalber noch einmal nachlesen. FIFA-Schiedsrichterchef Pierluigi Collina hat für das Turnier gleich ein ganzes Paket neuer Maßnahmen angekündigt. Ziel ist es, Zeitspiel zu bekämpfen, Fehlentscheidungen zu reduzieren und das Spieltempo zu erhöhen. Insgesamt kommen elf neue Regelanpassungen zum Einsatz.
Schluss mit dem Trödeln
Besonders Torhüter dürften sich umgewöhnen müssen.
Für Abstoß und Einwurf gibt es künftig sichtbare Countdowns. Wer absichtlich zu lange braucht, riskiert drastische Konsequenzen. Ein verschleppter Abstoß kann beispielsweise in einen Eckball für den Gegner umgewandelt werden.
Auch beim Wechseln wird es ernst:
Ausgewechselte Spieler haben nur noch zehn Sekunden Zeit, das Spielfeld zu verlassen. Wer trödelt, sorgt dafür, dass seine Mannschaft vorübergehend in Unterzahl spielen muss, weil der Ersatzspieler zunächst nicht aufs Feld darf.
Verletzte Spieler müssen länger draußen bleiben
Eine weitere Änderung betrifft medizinische Behandlungen.
Muss ein Spieler auf dem Feld behandelt werden, muss er anschließend grundsätzlich mindestens eine Minute außerhalb des Spielfelds bleiben. Bisher waren es in vielen Wettbewerben nur 30 Sekunden.
Ausnahmen gelten unter anderem für:
- Torhüter,
- Kopfverletzungen,
- schwere Verletzungen,
- Situationen nach Platzverweisen des Gegners.
Kampf gegen die „Torwart-Auszeit“
Seit Jahren nutzen Mannschaften sogenannte taktische Torwartverletzungen, um Spielunterbrechungen für Anweisungen des Trainers zu erzwingen.
Bei der WM sollen Spieler deshalb nicht mehr automatisch zur Trainerbank laufen dürfen, wenn der Keeper behandelt wird. Ob sich diese Maßnahme in der Praxis wirklich durchsetzen lässt, bleibt allerdings abzuwarten.
VAR bekommt noch mehr Macht
Für viele Fans vermutlich die größte Veränderung:
Der Video-Assistent erhält zusätzliche Kompetenzen.
Künftig darf der VAR unter anderem prüfen:
- ob ein Eckball korrekt zugesprochen wurde,
- ob eine zweite Gelbe Karte auf einem klaren Irrtum beruht,
- ob Offensivfouls vor Standardsituationen zu Toren geführt haben,
- Fälle von Verwechslungen bei Kartenentscheidungen.
Damit wird der Einfluss des Videoschiedsrichters nochmals deutlich ausgeweitet.
Neue rote Karten für unsportliches Verhalten
Auch beim Verhalten der Spieler greift die FIFA härter durch.
Wer in einer hitzigen Auseinandersetzung seinen Mund verdeckt, um Beleidigungen oder unsportliche Äußerungen zu verbergen, kann künftig direkt die Rote Karte sehen.
Ebenso droht ein Platzverweis, wenn Spieler aus Protest gegen Schiedsrichterentscheidungen das Spielfeld verlassen und dadurch das Spiel boykottieren.
WM als Testlabor für den Weltfußball
Viele der neuen Regeländerungen sollen nicht nur bei der WM gelten. FIFA plant bereits, zahlreiche Maßnahmen künftig dauerhaft in nationalen Ligen einzuführen. Die Premier League, die English Football League und weitere Wettbewerbe beobachten die Neuerungen deshalb genau.
Fest steht: Die WM 2026 wird nicht nur wegen des neuen 48-Nationen-Formats anders sein. Auch auf dem Platz erwartet Spieler, Trainer und Fans ein Turnier mit so vielen Regeländerungen wie wohl noch nie zuvor.
Kommentar hinterlassen