Die chinesische Autoindustrie hat ein weiteres Problem gelöst, von dem bislang niemand sicher wusste, ob es wirklich gelöst werden musste:
Ein Hersteller hat sich ein sprachgesteuertes Klo fürs Auto patentieren lassen.
Der Autobauer Seres aus Chongqing erhielt ein Patent für eine sogenannte „In-Vehicle Toilet“ – also eine Toilette, die unter dem Beifahrersitz hervorgleitet und auf Zuruf einsatzbereit ist.
Mit anderen Worten:
„Hey Auto, ich muss mal.“
– „Kein Problem, der Sitz wird jetzt zum Sanitärbereich.“
Die Zukunft des Fahrens riecht nach Innovation
Laut Patentschrift soll das System vor allem auf langen Fahrten, beim Camping oder beim Übernachten im Fahrzeug helfen. Ein nachvollziehbarer Gedanke – schließlich gibt es kaum etwas Moderneres, als in einem Elektro-SUV zu sitzen, Karaoke zu singen, sich den Rücken massieren zu lassen und dabei festzustellen, dass der nächste Rastplatz 47 Kilometer entfernt ist.
Die Lösung von Seres:
- Toilette unter dem Sitz
- Ausfahrbar auf Knopfdruck oder per Sprachbefehl
- Ventilator plus Abluftrohr gegen Gerüche
- Abfalltank zum manuellen Entleeren
- Heizelement zum Verdampfen von Urin und Trocknen anderer Hinterlassenschaften
Das ist technisch beeindruckend.
Und gleichzeitig exakt jener Moment, in dem man erkennt, dass der globale Innovationswettlauf endgültig jede Schamgrenze hinter sich gelassen hat.
Von Sitzmassage zu Sitzentleerung
Chinesische Elektroautos sind längst dafür bekannt, sich mit immer absurd luxuriöseren Extras voneinander abzugrenzen:
- Massagesitze
- Karaoke-Systeme
- Kühlschränke
- Ambientebeleuchtung in 37 Farben
- Sprachassistenten mit emotionaler Bindungssimulation
Was also fehlte, war im Grunde nur noch die logische Vollendung des mobilen Lifestyles:
das vollintegrierte Bordklo für den urbanen Premium-Stau.
Denn wenn der Markt so überfüllt ist, dass jeder zweite Hersteller um Aufmerksamkeit und Margen kämpft, muss man sich eben fragen:
Reicht ein Panoramadach noch – oder braucht es zusätzlich eine diskret ausfahrbare Notdurftlösung?
Seres scheint diese Frage mutig beantwortet zu haben.
Wettbewerb in China: Wenn sogar das Klo ein Verkaufsargument wird
Dass der Konzern das Patent eingereicht hat, heißt noch nicht, dass das System tatsächlich gebaut wird. Aber allein die Tatsache, dass Ingenieure ihre Arbeitszeit damit verbringen, ein sprachgesteuertes Auto-WC mit Geruchsmanagement zu entwickeln, sagt bereits viel über den Zustand des chinesischen E-Auto-Marktes.
Der ist brutal umkämpft, von Dutzenden Marken überfüllt und in einem ruinösen Preiskampf gefangen. Wer heute in China ein Elektroauto verkaufen will, braucht offenbar mehr als Reichweite, Software und Design.
Man braucht:
- ein Erlebnis
- eine Geschichte
- ein Alleinstellungsmerkmal
- oder im Zweifel eben ein Klo
Die klassische Produktfrage „Wie fährt das Auto?“ wird damit zunehmend verdrängt von:
„Was kann ich darin alles tun, außer fahren?“
Rolls-Royce hatte das schon – natürlich
Ganz neu ist die Idee übrigens nicht.
Schon in den 1950er-Jahren soll eine Sonderversion des Rolls-Royce Silver Wraith über ein eingebautes TV-Gerät und eine Toilette unter dem Beifahrersitz verfügt haben.
Das bedeutet:
Was früher diskreter Luxus für exzentrische Millionäre war, wird nun zur möglichen Serienoption im chinesischen E-SUV.
Oder anders gesagt:
Die Demokratisierung des Wohlstands schreitet voran – inklusive Sanitärtechnik.
Fazit
Seres hat noch kein Auto mit eingebauter Toilette vorgestellt.
Aber das Patent ist da.
Und damit ist die entscheidende Grenze gefallen.
Denn wenn ein Auto auf Zuruf künftig nicht nur navigiert, parkt und Musik abspielt, sondern auch den Beifahrersitz in ein stilles Örtchen verwandelt, dann ist klar:
Die chinesische Autoindustrie hat den Konkurrenzkampf auf ein neues Niveau gehoben.
Früher hieß die Frage:
„Wie viele PS hat er?“
Heute lautet sie womöglich:
„Hat deiner schon Sprachklo?“
Kurzfazit in einem Satz:
Wenn der E-Auto-Markt völlig eskaliert, wird selbst der Beifahrersitz irgendwann zum Geschäftsmodell.
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