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Carneys Schonfrist endet – jetzt beginnt der Realitätstest

jorono (CC0), Pixabay
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Kanadas Premier Mark Carney genießt hohe Zustimmungswerte, internationales Prestige und den Bonus des Anti-Trump-Moments. Doch im zweiten Amtsjahr wird sich zeigen, ob aus globaler Strahlkraft auch innenpolitische Ergebnisse werden.

Mark Carney ist in Kanada noch immer das, was Politiker selten lange bleiben: beliebt. Der frühere Zentralbanker, der ohne klassische politische Laufbahn direkt ins Amt des Premierministers sprang, hat sich in erstaunlich kurzer Zeit vom Quereinsteiger zur dominanten Figur der liberalen Mitte entwickelt. Internationale Anerkennung, starke Umfragewerte, eine inzwischen knappe Parlamentsmehrheit – Carney hat bisher vieles richtig gemacht.

Ein Teil seines Erfolgs erklärt sich allerdings nicht nur durch ihn selbst, sondern durch den Gegner. Donald Trump ist in Kanada so unbeliebt wie selten ein US-Präsident. Strafzölle, aggressive Rhetorik und die wiederholte Provokation, Kanada könne der „51. Bundesstaat“ werden, haben das politische Koordinatensystem verschoben. In diesem Klima wirkt Carney für viele Kanadier wie die passende Antwort auf eine äußere Bedrohung: seriös, ökonomisch erfahren, international vernetzt.

Genau darin liegt aber auch das Problem seiner zweiten Amtsphase. Solange die größte Gefahr von außen kommt, profitiert Carney vom Schutzreflex des Landes. Doch je länger seine Regierung im Amt ist, desto stärker rücken die alten innenpolitischen Fragen zurück ins Zentrum: Wohnungsnot, hohe Lebenshaltungskosten, schwache Jugendarbeitslosenzahlen und steigende Energiepreise.

Carney hat große Versprechen gemacht: das ehrgeizigste Wohnungsbauprogramm seit dem Zweiten Weltkrieg, Kanada als Energiemacht, weniger Abhängigkeit von den USA. Der Anspruch ist fast technokratisch-grandios. Aber gerade beim Wohnungsbau mehren sich Zweifel. Experten kritisieren, dass sein erster Haushalt dafür nicht genügend Mittel bereitstellt. Vieles wirkt bislang eher wie eine Korrektur über Einwanderungspolitik als wie ein echter Bau-Turbo.

Hinzu kommt die heikelste Baustelle: das Verhältnis zu Washington. Im Sommer steht die verpflichtende Überprüfung des nordamerikanischen Freihandelsabkommens USMCA an. Gerade hier müsste Carney liefern. Doch bislang gibt es nicht einmal einen Termin für formelle Verhandlungen. Die konservative Opposition nutzt das bereits offensiv und wirft ihm vor, vor allem starke Worte zu produzieren.

Carneys politischer „Honeymoon“ war außergewöhnlich lang. Nun beginnt die Phase, in der Charisma und Weltbühnenreden nicht mehr reichen. Er muss zeigen, dass er nicht nur der globale Anti-Trump-Manager ist, sondern auch ein Premier, der zu Hause Ergebnisse liefert.

Noch hat er Zeit. Mit einer stabilen Mehrheit dürfte die nächste Wahl erst 2029 anstehen. Aber die Schonfrist endet jetzt. Ab sofort wird weniger gefragt, ob Carney beeindruckt – sondern ob er tatsächlich liefert.

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