Die Bedrohung durch Cyberkriminalität in Deutschland bleibt laut dem aktuellen Bundeslagebild Cybercrime 2025 auf einem alarmierend hohen Niveau. Besonders Unternehmen, Behörden und Betreiber kritischer Infrastruktur geraten zunehmend ins Visier professioneller Tätergruppen. Sicherheitsbehörden warnen zudem davor, dass Künstliche Intelligenz die Gefahrenlage weiter verschärft.
Wie aus dem Bericht hervorgeht, zählt Deutschland als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt weiterhin zu den attraktivsten Angriffszielen im digitalen Raum. Der wirtschaftliche Schaden durch Cyberangriffe wird mittlerweile auf rund 202,4 Milliarden Euro geschätzt – das entspricht etwa 4,5 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts.
Mehr als 335.000 Cyberdelikte registriert
Im Jahr 2025 registrierten die Behörden rund 335.000 Fälle von Cybercrime im engeren Sinne. In etwa zwei Dritteln der Fälle lagen die Tatorte im Ausland oder konnten nicht eindeutig lokalisiert werden.
Die Sicherheitsbehörden gehen zudem von einem erheblichen Dunkelfeld aus. Die tatsächliche Zahl erfolgreicher Angriffe dürfte daher deutlich höher liegen.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt erklärte, Cyberkriminelle griffen Deutschland „jeden Tag“ an – von Unternehmen über Behörden bis hin zur kritischen Infrastruktur. Der Staat müsse deshalb technisch und rechtlich aufrüsten, um im digitalen Raum handlungsfähig zu bleiben.
Ransomware bleibt größte Gefahr
Besonders problematisch bleiben sogenannte Ransomware-Angriffe, bei denen Daten verschlüsselt und anschließend Lösegeldforderungen gestellt werden.
2025 wurden laut Bundeslagebild 1.041 Ransomware-Fälle angezeigt – ein Anstieg um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die durchschnittlichen Lösegeldzahlungen legten deutlich zu, insgesamt sollen rund 15,5 Millionen US-Dollar geflossen sein.
Gleichzeitig beobachten die Behörden, dass immer weniger Unternehmen bereit sind, Lösegeld zu zahlen. Dies deute auf eine gestiegene Widerstandsfähigkeit vieler Organisationen hin.
DDoS-Angriffe nehmen massiv zu
Einen besonders starken Anstieg verzeichneten sogenannte DDoS-Angriffe, bei denen Server oder Netzwerke gezielt überlastet werden. Die Zahl dieser Attacken stieg um 25 Prozent auf insgesamt 36.706 Fälle.
Eine zentrale Rolle spielte dabei erneut die pro-russische Gruppierung „NoName057(16)“, die laut Behörden vor allem Einrichtungen attackierte, die mit der deutschen Unterstützung für die Ukraine in Verbindung stehen.
Betroffen waren insbesondere:
- Behörden,
- Verwaltungen,
- Verkehrsunternehmen,
- sowie Logistikdienstleister.
Im Rahmen internationaler Ermittlungen konnten Sicherheitsbehörden nach eigenen Angaben Teile der Infrastruktur der Gruppierung zerschlagen.
KI verändert die Cyberkriminalität
Besondere Sorge bereitet den Ermittlern der zunehmende Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im Bereich Cybercrime.
Kriminelle nutzen KI-Technologien inzwischen dazu,
- Phishing-Angriffe realistischer zu gestalten,
- Schadsoftware schneller anzupassen,
- und Sicherheitslücken gezielter auszunutzen.
Gleichzeitig sehen die Behörden aber auch Chancen: KI könne helfen, Angriffe früher zu erkennen und Sicherheitsmechanismen effizienter zu machen.
BKA-Vizepräsidentin Martina Link warnte dennoch vor einer „hochdynamischen Bedrohungslage“, auf die Staat und Sicherheitsbehörden kontinuierlich reagieren müssten.
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