In Russland ist man wieder einen Schritt weiter im Kampf gegen die ganz großen Gefahren unserer Zeit: Bücher. Genauer gesagt: Bücher, in denen Menschen einander lieben – allerdings „falsch“.
Beim größten Verlag des Landes, Exmo, rückten Sicherheitskräfte an. Der Vorwurf: „Homo-Propaganda“. Offenbar reicht es inzwischen, wenn Figuren in Romanen nicht nur kämpfen, leiden oder sterben, sondern – Skandal! – auch glücklich miteinander sind.
Mehrere Manager wurden gleich mit eingesammelt, tausende Bücher beschlagnahmt. Man weiß ja nie, welche gefährlichen Gefühle zwischen zwei Buchdeckeln lauern könnten.
Liebe als Risiko
Besonders brisant: Es geht nicht um politische Schriften, sondern um Romane. Geschichten. Fiktion. Also genau das, was früher mal als harmlos galt. Heute hingegen scheint ein Happy End zwischen zwei gleichgeschlechtlichen Figuren bereits als Bedrohung für die nationale Stabilität zu gelten.
Konsequent hat der Staat daher die Regeln verschärft: Verlage müssen alles entfernen, was nicht ins gewünschte Weltbild passt. Ganze Auflagen wandern in den Müll – vermutlich unter strengster Aufsicht, damit niemand heimlich noch ein bisschen Empathie rettet.
Klassiker unter Verdacht
Doch damit nicht genug. Selbst große Namen der Literatur bleiben nicht verschont. Biografien bekannter Autoren müssen jetzt markiert werden – wegen angeblicher „Drogenwerbung“. Offenbar reicht schon ein halbwegs realistisches Leben, um problematisch zu werden.
Ein Land, in dem Worte gefährlich sind
Am Ende entsteht ein bemerkenswertes Bild: Während in anderen Ländern über Inhalte diskutiert wird, diskutiert man hier darüber, ob Inhalte überhaupt existieren dürfen.
Die eigentliche Botschaft ist klar: Nicht Waffen, nicht Krisen, nicht Konflikte sind das Problem – sondern Bücher, die zeigen, dass Menschen unterschiedlich lieben können.
Und so wird Literatur in Russland immer mehr zu dem, was sie eigentlich nie sein sollte: ein Risiko.
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