Am Samstag wird auf der Brennerautobahn Geschichte geschrieben. Oder zumindest sehr viel gestanden.
Die wichtigste Nord-Süd-Verbindung der Alpen wird zwischen 11 und 19 Uhr gesperrt, weil die Anwohner gegen zu viel Verkehr protestieren wollen. Die Lösung des Problems lautet also: Noch mehr Verkehrschaos erzeugen, damit alle sehen, wie schlimm der Verkehr ist. Irgendwie genial.
Die Organisatoren hoffen dabei auf möglichst wenige Behinderungen. Das ist ungefähr so optimistisch wie die Hoffnung, dass beim Oktoberfest niemand Bier trinkt.
ÖAMTC und ARBÖ warnen hingegen vor kilometerlangen Staus. Wobei „kilometerlang“ vermutlich nur die diplomatische Version von „Bringt ausreichend Verpflegung und eventuell ein Zelt mit“ ist.
Alternative Routen: Viel Glück!
Wer glaubt, einfach ausweichen zu können, hat Tirols Geografie noch nicht kennengelernt.
Die Tauernautobahn dürfte überlastet sein. Der Reschenpass kommt ebenfalls an seine Grenzen. Der Felbertauern kann die Verkehrsmassen nicht aufnehmen.
Kurz gesagt: Die offizielle Ausweichroute lautet ungefähr: „Versuchen Sie es doch nächstes Wochenende nochmal.“
Urlauber im Abenteuer-Modus
Besonders spannend wird die Sperre für Urlauber.
In Bayern und Baden-Württemberg sind noch Ferien. In Sachsen-Anhalt enden sie. In Italien lockt ein verlängertes Wochenende.
Verkehrsplaner nennen so etwas eine Herausforderung.
Andere nennen es Endgegner.
Lkw-Fahrer lernen Tirol neu kennen
Für Lastwagen über 7,5 Tonnen gilt bereits ab 9 Uhr Fahrverbot.
Manche Spediteure werden ihre Fahrer vermutlich mit den Worten motivieren:
„Wir wünschen Ihnen eine gute Fahrt. Wohin genau, wissen wir allerdings auch nicht.“
Das Gericht hat gesprochen
Besonders schön ist die Begründung des Tiroler Landesverwaltungsgerichts.
Die Behörden wollten die Demonstration zunächst verbieten, weil sie zu Verkehrsbehinderungen führen könnte.
Das Gericht entschied sinngemäß:
Eine Demonstration gegen Verkehrsbelastung mit Verkehrsbelastung zu verbieten, wäre irgendwie widersprüchlich.
Eine Erkenntnis, die man in Europa vermutlich erst nach mehreren Gutachten, zwei Arbeitsgruppen und einer Expertenkommission gewinnen konnte.
Der Brenner macht Überstunden
Hintergrund des Ganzen: Der Lkw-Verkehr am Brenner ist in den vergangenen Jahren massiv gestiegen.
Rund 2,5 Millionen Lastwagen nutzten zuletzt die Strecke. Seit 2010 stieg das Aufkommen um etwa 40 Prozent. Die Anwohner im Wipptal fühlen sich mittlerweile wie Statisten in einem nie endenden Lkw-Simulator.
Fazit
Am Samstag verwandelt sich die Brennerautobahn vom wichtigsten Verkehrsweg Europas in die vermutlich größte Freiluft-Warteschlange des Kontinents.
Wer unbedingt fahren muss, sollte Zeit, Geduld und ausreichend Snacks mitbringen.
Wer nicht fahren muss, sollte das Ganze entspannt vom Sofa aus verfolgen.
Und wer im Stau steht, kann sich immerhin damit trösten, dass er gerade Teil eines historischen Verkehrsprojekts ist: der ersten Demonstration gegen Verkehr, die wahrscheinlich noch mehr Verkehr erzeugt als der Verkehr, gegen den demonstriert wird.
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