Die Fußball-Weltmeisterschaft hat einmal mehr bewiesen: Große Namen schießen keine Tore – jedenfalls nicht immer zur richtigen Zeit.
Brasilien ist raus. Und zwar schon im Achtelfinale. Das hat es seit 36 Jahren nicht mehr gegeben. Während sich die Selecao auf den nächsten Sambatanz vorbereitet hatte, spielten die Norweger lieber nordisch kühl – und eiskalt effizient.
Der Mann des Abends? Ørjan Nyland. Der norwegische Schlussmann schien zeitweise mehr Arme als ein Oktopus zu besitzen. Erst parierte er einen Elfmeter, anschließend fischte er alles aus dem Eck, was Brasilien irgendwie Richtung Tor brachte. Man hatte fast den Eindruck, der Ball habe vor lauter Respekt freiwillig abgedreht.
Und dann kam der Joker. Andreas Schjelderup betrat den Platz, als hätte er vergessen, dass Achtelfinale ist und nicht ein lockerer Sommerkick. Zweimal servierte er punktgenau für Erling Haaland, der sich nicht zweimal bitten ließ. Der norwegische Torjäger erledigte seinen Job mit der Präzision eines skandinavischen Möbelbauplans – nur ohne übrig gebliebene Schrauben.
Für Neymar blieb am Ende nur noch Ergebniskosmetik. Sein verwandelter Elfmeter zum 1:2 dürfte möglicherweise sein letzter WM-Moment im Trikot Brasiliens gewesen sein. Ein trauriger Schlusspunkt für einen der schillerndsten Fußballer seiner Generation.
England dagegen machte es – wie so oft – unnötig spannend.
Nach einer halben Stunde fragte man sich noch, ob beide Mannschaften auf den Anpfiff warteten. Dann explodierte plötzlich das Spiel. Jude Bellingham schnürte innerhalb weniger Augenblicke einen Doppelpack und ließ die englischen Fans schon vom Viertelfinale träumen.
Doch Mexiko dachte gar nicht daran, sich kampflos zu verabschieden. Zwei schnelle Treffer später war wieder alles offen, und spätestens nach dem Platzverweis gegen England wurde aus einem Fußballspiel ein Nervenkrimi.
Dass Harry Kane ausgerechnet in Unterzahl per Elfmeter auf 3:1 erhöhte, passte irgendwie ins Bild dieses verrückten Abends. Mexiko verkürzte zwar ebenfalls vom Punkt und warf anschließend alles nach vorne. England dagegen verteidigte nicht mehr schön, sondern nur noch mit Herz, Leidenschaft und einer ordentlichen Portion Glück.
Am Ende zählte nur das Ergebnis.
Das Fazit des Tages
Brasilien packt überraschend die Koffer, Norwegen schreibt Fußballgeschichte und zieht erstmals in ein WM-Viertelfinale ein.
England dagegen liefert wieder einmal den Beweis, dass Fußball auf der Insel selten etwas für Menschen mit schwachen Nerven ist. Die Three Lions leben weiter – allerdings mit reichlich Schweißperlen auf der Stirn.
Und genau deshalb lieben wir Weltmeisterschaften: Weil Favoriten stolpern, Außenseiter Geschichte schreiben und am Ende wieder einmal der Fußball die schönsten Geschichten erzählt
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