Von einem Borussia-Mönchengladbach-Fan
Am Sonntag geht’s endlich wieder los. Trainingsauftakt, frisches Grün, neue Hoffnung – und natürlich die erste Diskussion der Saison. Wer spielt auf der Zehn? Reyna? Machino? Stöger? Neuhaus?
Und garantiert dauert es keine fünf Minuten, bis wieder irgendeiner darüber philosophiert, wer welche Rückennummer tragen sollte.
Mal ehrlich: Die Rückennummer ist mir sowas von scheißegal.
Ob da eine 7, 10, 17, 22 oder 39 auf dem Rücken steht – wenn der Spieler auf dem Platz nur Alibi-Pässe spielt, bringt ihm auch die legendäre Zehn nichts. Und umgekehrt kann einer mit der 37 der beste Spielmacher der Liga sein.
Borussia braucht keinen Trikotdruck-Weltmeister. Borussia braucht einen, der den tödlichen Pass spielt, Pressing läuft, Zweikämpfe annimmt und Spiele entscheidet.
Giovanni Reyna hat bei der Klub-WM gezeigt, was in ihm steckt. Der Außenristtreffer für die USA? Genau solche Momente haben wir in Gladbach viel zu selten gesehen. Jetzt muss er das aber Woche für Woche im Borussia-Trikot zeigen.
Shuto Machino? Bisher eher unter der Kategorie „Da müsste doch eigentlich mehr kommen“. Aber wenn Eugen Polanski glaubt, dass seine stärkste Position die Zehn ist – bitte. Dann soll er es beweisen. Nicht im Training, sondern samstags um 15.30 Uhr.
Kevin Stöger? Der Mann wird bald 33. Na und? Solange er läuft, kämpft und Vorlagen liefert, kann er auch mit 43 noch auflaufen. Fußball entscheidet sich nicht nach Geburtsurkunden.
Und dann wäre da noch Florian Neuhaus. Viele hätten ihn längst verabschiedet. Er selbst denkt gar nicht daran und will seinen Vertrag erfüllen. Ehrlich gesagt: Wenn Polanski ihn wieder hinbekommt und Neuhaus endlich wieder der Spieler wird, der Spiele lenkt statt nur mitzuspielen – warum nicht? Vergangene Gehälter schießen schließlich keine Tore.
Der Konkurrenzkampf auf der Zehn ist genau das, was Borussia braucht. Keiner darf sich sicher fühlen. Jeder muss liefern.
Denn am Ende interessiert im Borussia-Park niemanden, welche Nummer hinten auf dem Trikot steht.
Entscheidend ist nur, dass vorne auf der Anzeigetafel am Ende Gladbach mehr Tore als der Gegner stehen hat. Und dafür braucht es keine magische Rückennummer – sondern einen richtig guten Fußballer auf der Position. Nur das zählt.
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