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Borussia Dortmund:Gebt dem Kovac doch mal eine Sonnenbrille

hpgruesen (CC0), Pixabay
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Vielleicht sollte beim BVB künftig neben Taktiktafel, Trinkflaschen und Ersatztrikots noch ein weiteres Utensil zur Grundausstattung gehören:

eine Sonnenbrille für Niko Kovac.

Nicht weil der Dortmunder Trainer plötzlich unerkannt über die Strobelallee schlendern soll. Sondern damit im Verein vielleicht irgendjemand rechtzeitig erkennt, wenn die Sonne offenbar beschließt, selbst in die Dortmunder Mannschaftsaufstellung einzugreifen.

Denn was da am Dienstag passierte, war schon ungewöhnlich.

Erst erwischt es U19-Verteidiger Jan-Luca Riedl beim Youth-League-Spiel gegen Villarreal. Bereits in der Halbzeit soll der 17-Jährige über leichte Kreislaufprobleme geklagt haben.

Die logische Reaktion eines normalen Menschen wäre vermutlich:

Hinsetzen. Trinken. Pause.

Die Fußballer-Antwort lautete offenbar:

Ach komm, eine Halbzeit geht noch.

Und tatsächlich ging noch etwas.

Riedl spielte weiter und schoss in der 53. Minute sogar das zwischenzeitliche 2:1.

Das nennt man im Fußball vermutlich „Mentalität“.

Im normalen Berufsleben würde man möglicherweise eher fragen, warum jemand mit Kreislaufproblemen überhaupt noch Überstunden macht.

15 Minuten später war jedenfalls Schluss. Riedl wurde ausgewechselt. Laut Bericht war er überhitzt und dehydriert, zusätzlich soll ein akuter Fieberschub festgestellt worden sein.

Infusion am Spielfeldrand.

Danach Krankenhaus.

Immerhin durfte der junge Spieler die Klinik noch am selben Abend wieder verlassen.

Dortmund hatte plötzlich zwei Gegner: Villarreal und den Kreislauf

Damit hätte man meinen können, das medizinische Tagesprogramm des BVB sei beendet.

War es aber nicht.

Nur wenige Stunden später folgte im Signal Iduna Park Teil zwei.

Konstantinos Karetsas ging beim Champions-League-Spiel gegen Villarreal plötzlich zu Boden. Der 18-Jährige musste auf einer Trage vom Platz gebracht und anschließend ebenfalls im Krankenhaus untersucht werden.

BVB-Sportchef Lars Ricken erklärte anschließend, die Probleme seien „aus dem Nichts heraus“ gekommen.

Zwei junge Spieler.

Zweimal Kreislaufprobleme.

Zweimal Krankenhaus.

Innerhalb weniger Stunden.

Da beginnt man irgendwann selbst als Fußballromantiker zu überlegen, ob der Matchplan möglicherweise um den Punkt „ausreichend Flüssigkeit und Schatten“ erweitert werden sollte.

Vielleicht reicht die Taktiktafel allein doch nicht

Natürlich kann ein Trainer nicht mit Sonnenschirm hinter jedem Spieler herrennen.

Und selbstverständlich lassen sich solche medizinischen Zwischenfälle nicht einfach dadurch verhindern, dass Niko Kovac morgens aus dem Fenster schaut und ruft:

„Jungs, heute wird warm!“

Aber besonders der Fall Riedl lässt zumindest aufhorchen.

Wenn ein 17-Jähriger bereits zur Halbzeit Kreislaufprobleme meldet und anschließend weiterspielt, darf man schon einmal fragen, ob im Profifußball manchmal der Satz „Der kann noch“ etwas schneller fällt als der Satz:

„Der sollte besser raus.“

Fußball lebt von Härte.

Von Durchhalten.

Von Zähne zusammenbeißen.

Aber vielleicht muss man nicht jedes körperliche Warnsignal behandeln wie einen Zweikampf an der Seitenlinie.

Manchmal gewinnt man auch, indem man einfach auf den Körper hört.

Also: Sonnenbrille für Kovac!

Deshalb unser gut gemeinter Vorschlag:

Gebt Niko Kovac eine Sonnenbrille.

Am besten gleich mit eingebautem Thermometer.

Dazu einen Wetterdienst auf die Trainerbank, einen Wasserspender neben die Taktiktafel und vielleicht jemanden im Betreuerstab, dessen einzige Aufgabe darin besteht, gelegentlich zu sagen:

„Chef, der Junge sieht wirklich nicht gut aus.“

Natürlich ist das überspitzt.

Aber hinter dem Spaß steckt eine ernsthafte Frage.

Gerade junge Spieler wollen ihre Chance nutzen. Sie wollen weitermachen, sich zeigen, nicht ausgewechselt werden. Ein 17-Jähriger wird vermutlich selten freiwillig sagen: „Trainer, nehmen Sie mich lieber runter, meine Vitalwerte gefallen mir nicht.“

Genau deshalb gibt es Ärzte, Betreuer – und Trainer.

Kovac braucht also wahrscheinlich keine Sonnenbrille.

Aber der BVB sollte nach diesem Dienstag vielleicht noch einmal sehr genau hinschauen.

Denn zwei Spieler innerhalb weniger Stunden im Krankenhaus sind kein neuer Dortmunder Doppelpass, auf den irgendjemand stolz sein sollte.

Und beim nächsten heißen Fußballtag gilt vielleicht ausnahmsweise nicht:

Wer länger durchhält, gewinnt.

Sondern:

Wer rechtzeitig merkt, dass Schluss ist, hat möglicherweise schon genug gewonnen.

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