Nach Jahren diplomatischer Spannungen, Handelskriegen und gegenseitiger Strafzölle gibt es endlich wieder etwas, das Washington und Peking verbindet: sehr teure Flugzeuge.
Der US-Flugzeugbauer Boeing bestätigte nun eine Bestellung über zunächst 200 Maschinen aus China. Für Donald Trump ist damit offenbar klar: Die Weltordnung ist repariert.
Während seiner China-Reise erklärte Boeing stolz, es sei gelungen, „den chinesischen Markt wieder für Bestellungen zu öffnen“. Übersetzt heißt das: Nach Jahren geopolitischer Eiszeit dürfen jetzt wieder Milliarden über den Pazifik fliegen – bevorzugt in Business Class.
Trump selbst präsentierte den Deal wie gewohnt nicht als Wirtschaftsabkommen, sondern eher als persönliche Heldentat. An Bord der Air Force One verkündete er, die Vereinbarung beinhalte sogar ein „Versprechen“ über insgesamt 750 Flugzeuge. Sollte das tatsächlich passieren, wäre es laut Trump „bei Weitem der größte Auftrag aller Zeiten“.
Man kennt das Prinzip inzwischen: Wenn irgendwo zwei Schrauben verkauft werden, spricht Trump bereits vom „größten industriellen Triumph der Menschheitsgeschichte“.
Begleitet wurde der Präsident von Boeing-Chef Robert Ortberg, vermutlich in der Hoffnung, dass zwischen Staatsbankett und Fototermin noch schnell ein paar Flugzeuge mitbestellt werden.
Interessant ist vor allem der historische Zufall: Die letzte große Boeing-Bestellung aus China gab es 2017 – ebenfalls während eines Trump-Besuchs in Peking. Damals orderte China 300 Maschinen im Wert von 37 Milliarden Dollar. Offenbar gehört es inzwischen zum diplomatischen Ritual, dass China bei Trump-Besuchen Flugzeuge kauft wie andere Länder Kühlschrankmagneten.
Für Boeing kommt die Bestellung zur rechten Zeit. Nach jahrelangen Problemen mit Sicherheitskrisen, Produktionspannen und peinlichen Zwischenfällen dürfte jeder neue Auftrag inzwischen emotional ähnlich wirken wie Sauerstoffzufuhr auf Intensivstation.
China wiederum braucht Flugzeuge. Viele Flugzeuge. Sehr viele Flugzeuge. Denn irgendwo müssen schließlich die Millionen Menschen sitzen, die künftig zwischen globalen Wirtschaftsmächten pendeln, um neue Handelskonflikte zu besprechen.
Und so zeigt der Deal vor allem eines: Egal wie frostig die Beziehungen zwischen den USA und China manchmal wirken – bei Milliardenaufträgen taut plötzlich alles erstaunlich schnell wieder auf.
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