Der frühere US-Präsident Joe Biden hat sich bei einer Parteiveranstaltung der Demokraten im Bundesstaat Maryland mit ungewöhnlich deutlichen Worten gegen seinen Nachfolger Donald Trump gewandt. In einer rund zehnminütigen Rede warf Biden der aktuellen Regierung Größenwahn, Korruption und Machtmissbrauch vor.
Trump beschäftige sich mit persönlichen Prestigeprojekten, statt die Interessen der Bevölkerung in den Mittelpunkt zu stellen, erklärte Biden. Mit Blick auf Umbauten am Weißen Haus, seinen Einfluss auf das Kennedy Center und weitere Projekte bezeichnete er den Präsidenten als „Verlierer“. Noch schwerer wiege jedoch die aus seiner Sicht beispiellose Korruption innerhalb der Regierung.
Auch Trumps Haltung zu den Beteiligten am Sturm auf das Kapitol vom 6. Januar 2021 kritisierte Biden scharf. Es sei unverständlich, dass Steuergelder zur Unterstützung der damaligen Randalierer eingesetzt werden sollten. Diese gehörten nicht entschädigt, sondern für lange Zeit ins Gefängnis.
Die Rede fiel exakt zwei Jahre nach dem TV-Duell zwischen Biden und Trump, das als Wendepunkt im Präsidentschaftswahlkampf 2024 gilt. Seit seinem Ausscheiden aus dem Weißen Haus tritt Biden wieder häufiger bei Veranstaltungen der Demokratischen Partei auf, um die Opposition für die Kongresswahlen 2026 zu mobilisieren.
Sein politisches Comeback bleibt jedoch umstritten. Innerhalb der Demokraten gibt es weiterhin Kritik an Bidens Rolle im Wahljahr 2024. Umfragen zeigen zudem, dass seine persönlichen Zustimmungswerte zuletzt auf einen Tiefstand gefallen sind.
Für zusätzliche Diskussionen sorgt auch seine Familie. Ex-First-Lady Jill Biden wirbt derzeit für ihre Memoiren und verteidigt die Entscheidungen ihres Mannes während des Wahlkampfs. Sohn Hunter Biden äußert sich in Interviews und sozialen Netzwerken regelmäßig zu politischen Themen und spricht offen über seine Vergangenheit sowie über die Begnadigung durch seinen Vater.
Parallel arbeitet Joe Biden an seinen eigenen Memoiren. Außerdem laufen die Planungen für seine Präsidentenbibliothek im Bundesstaat Delaware. Trotz einer Krebserkrankung, die inzwischen auch die Knochen betrifft, engagiert sich der 83-Jährige weiterhin politisch und unterstützt demokratische Kandidaten im laufenden Wahlkampf.
Zum Abschluss seiner Rede appellierte Biden an die Parteibasis, sich nicht entmutigen zu lassen: Die Demokraten müssten weiter kämpfen und sich aktiv für die Zukunft des Landes einsetzen.
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