Die Regierung hat den Rückbau der Atomkraftwerke gestoppt und gleichzeitig Verhandlungen zur Übernahme der Anlagen eingeleitet. Statt weiter auf Abschaltung zu setzen, rückt nun Versorgungssicherheit in den Mittelpunkt. Ministerpräsident Bart De Wever begründet den Kurswechsel mit einem klaren Ziel: eine Energiepolitik, die verlässlich, bezahlbar und unabhängiger von fossilen Importen ist.
Konkret geht es um alle sieben Reaktoren des Landes – inklusive Personal, Tochtergesellschaften sowie aller Vermögenswerte und Verpflichtungen. Auch Kosten und Verantwortung für Stilllegung und Rückbau sollen in staatliche Hand übergehen. Bis Herbst wird eine Grundsatzeinigung erwartet.
Der Schritt kommt nicht aus dem Nichts. Bereits 2025 hatte das Parlament den vor über zwei Jahrzehnten beschlossenen Atomausstieg gekippt. Nun folgt die praktische Umsetzung – und darüber hinaus sogar die Planung neuer Kernkraftwerke.
Was wie eine Kehrtwende wirkt, ist bei näherem Hinsehen eine strategische Neuausrichtung: In einer Zeit geopolitischer Spannungen, volatiler Energiemärkte und wachsender Klimaziele setzt Belgien auf einen Energiemix, der Versorgungssicherheit und Klimaschutz verbinden soll.
Ob Atomkraft langfristig die richtige Antwort ist, bleibt umstritten. Doch eines wird deutlich: Belgien trifft hier keine ideologische, sondern eine pragmatische Entscheidung – mit dem klaren Fokus, die eigene Energiezukunft wieder stärker in die eigenen Hände zu nehmen.
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