Also hören Sie mir auf mit diesen künstlichen Empörungswellen nach dem PSG-Spiel. Natürlich war der Schiedsrichter schwach. Natürlich waren da Szenen dabei, wo man sich fragt, ob der VAR gerade Fußball geschaut oder Pasta gekocht hat. Und ja, Mendes hätte sich über Gelb-Rot nicht beschweren dürfen.
Aber jetzt einmal ganz ehrlich und ohne deutsches Opfer-Abo:
Die Bayern sind nicht wegen João Pinheiro ausgeschieden. Sie sind ausgeschieden, weil sie defensiv zu offen, offensiv zu unpräzise und insgesamt einfach nicht gut genug waren.
Und genau da kommen wir zu einem Thema, das viele Bayern-Fans nicht hören wollen:
Uli Hoeneß hatte wieder einmal recht.
Denn Uli hat vor Monaten einen Satz gesagt, über den sich halb Fußball-Deutschland künstlich empört hat:
„Konrad Laimer ist kein Maradona.“
Und wissen Sie was?
Natürlich ist er das nicht.
Das war keine Beleidigung. Das war Realität.
Laimer ist ein hervorragender Läufer.
Ein Mentalitätsspieler.
Ein Kämpfer.
Einer, der Kilometer frisst wie andere Menschen Chips auf dem Sofa.
Aber dieses moderne Fußballmärchen, wonach man aus jedem aggressiven Pressing-Spieler plötzlich einen Weltklasse-Techniker machen muss, ist einfach Unsinn.
Maradona konnte mit einer Ballberührung ganze Spiele verändern.
Laimer rennt sehr viel.
Das ist nicht dasselbe.
Und genau das hat man gegen PSG gesehen.
Laimer kämpft, rackert, reklamiert, sprintet – alles wunderbar. Aber auf diesem absoluten Topniveau entscheiden eben nicht nur Laufdaten und Leidenschaft, sondern Ruhe, Technik, Kreativität und individuelle Genialität.
Wenn PSG unter Druck gerät, hat man dort Spieler wie Dembélé oder Kvaratskhelia, die mit einem Moment alles drehen können.
Bei Bayern hatte man phasenweise eher das Gefühl:
„Vielleicht erläuft Laimer noch irgendetwas.“
Das reicht im Halbfinale der Champions League halt nicht.
Und bitte verstehen Sie mich nicht falsch:
Laimer war keineswegs der Hauptschuldige.
Im Gegenteil – er war einer der wenigen, die wenigstens emotional voll da waren.
Aber die hysterische Diskussion rund um ihn zeigt das eigentliche Problem der Bayern:
Man verwechselt inzwischen Einsatz mit Weltklasse.
Früher hatte Bayern auf manchen Positionen absolute Ausnahmespieler:
Ribéry.
Robben.
Thiago.
Prime Neuer.
Lewandowski.
Spieler, bei denen Gegner schon beim Aufwärmen nervös wurden.
Heute feiert man teilweise schon Grätschen wie früher Geniestreiche.
Und da hatte Hoeneß eben völlig recht:
Nicht jeder aggressive Dauerläufer ist automatisch ein Ballzauberer.
Das Problem ist nur:
Sobald Hoeneß so etwas ausspricht, reagiert Fußball-Deutschland mittlerweile wie ein veganer Foodblogger beim Anblick einer Weißwurst.
Dabei meinte er im Kern nur:
Bayern braucht wieder mehr außergewöhnliche Qualität.
Denn genau daran ist man gegen PSG gescheitert.
Die Franzosen wirkten in entscheidenden Momenten technisch sauberer, individueller gefährlicher und insgesamt reifer. Während Bayern hektisch anlief, spielte PSG oft mit dieser arroganten Ruhe einer Mannschaft, die wusste:
„Irgendwann machen wir ohnehin das entscheidende Tor.“
Und noch etwas:
Dieses ständige Gerede über den Schiedsrichter wirkt langsam wie eine schlechte Ausredeindustrie.
Ja, die Entscheidungen waren diskutabel.
Aber wer zuhause im Halbfinale nach drei Minuten ein Kontertor kassiert, über 180 Minuten sechs Gegentore schluckt und offensiv kaum zwingende Chancen kreiert, sollte vielleicht zuerst die eigene Verteidigung analysieren und nicht internationale Schiedsrichterkomplotte vermuten.
Ballack sprach bei DAZN schon fast wie ein Mann, der kurz davor war, eine UEFA-Geheimloge aufzudecken.
Dabei war die Wahrheit viel banaler:
PSG war einfach besser.
Und Bayern?
Bayern ist nah dran.
Sehr nah sogar.
Aber eben noch nicht dort, wo man in München eigentlich hinwill:
ganz oben.
Für das Triple fehlt tatsächlich kein kompletter Umbruch.
Aber es fehlen wieder mehr Spieler, die Spiele entscheiden – und nicht nur intensiv daran teilnehmen.
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