Manche Schicksale sind kaum zu begreifen. Für Ullrich F. wurde der Montag zu einem Tag, der sein gesamtes Leben zerstörte.
Am Morgen starb seine hochbetagte Mutter in einem Pflegeheim. Wenige Stunden später verlor er auch noch seine Ehefrau – getötet bei der Amokfahrt in der Leipziger Innenstadt.
Und er selbst überlebte schwer verletzt.
Es ist ein Schmerz, den wohl niemand in Worte fassen kann.
Sonja F. (63) war gemeinsam mit ihrem Mann in Leipzig unterwegs. Eigentlich sollte es ein Klinikbesuch werden. Ein gewöhnlicher Tag. Ein gemeinsamer Spaziergang durch die Innenstadt. Dann raste plötzlich der VW Taigo von Jeffrey K. durch die Grimmaische Straße.
Die 63-Jährige wurde von dem Wagen erfasst.
„Sie hatte keine Chance“, sagt ein Rettungskräfte-Mitarbeiter leise.
Während Ärzte um das Leben ihres Mannes kämpften, war Sonja F. bereits tot.
Zur selben Zeit erreichte Ullrich F. offenbar noch eine weitere grausame Nachricht: Seine Mutter war am Vormittag in einem Seniorenheim gestorben. Innerhalb eines einzigen Tages verlor der Mann die zwei wichtigsten Frauen seines Lebens.
Im Heimatort der Familie in Oberfranken herrschen Fassungslosigkeit und Trauer. Nachbarn sprechen von einer freundlichen, herzlichen Familie. Der Bürgermeister bestätigt den doppelten Verlust und ringt selbst um Worte.
Auch der zweite Tote der Amokfahrt, der 77-jährige Roland K. aus Leipzig, hinterlässt Angehörige – eine Ehefrau, Kinder, Menschen, deren Leben sich von einem Moment auf den anderen unwiderruflich verändert hat.
Während Familien nun Abschied nehmen müssen, reagiert die Stadt mit Betonpollern auf die Tat. Seit Mittwoch sichern massive Sperren die Zufahrt zur Fußgängerzone. 120 Kilogramm schwer sind die sogenannten „OktaBlocks“, die künftig verhindern sollen, dass Fahrzeuge erneut in die Menschenmenge rasen können.
Doch für Sonja F. und Roland K. kommt dieser Schutz zu spät.
Zurück bleiben Trauer, Sprachlosigkeit – und ein Mann, der an einem einzigen Tag erst seine Mutter und dann seine Frau verlor.
Kommentar hinterlassen