Es gibt Fußballregeln. Und dann gibt es offenbar amerikanische Fußballregeln.
Eigentlich war die Sache glasklar: US-Stürmer Folarin Balogun sieht im WM-Spiel gegen Bosnien-Herzegowina die Rote Karte. Nach FIFA-Reglement bedeutet das automatisch: Ein Spiel Sperre. So kennt es jeder Fußballfan – von der Kreisklasse bis zur Weltmeisterschaft.
Doch dann passierte etwas, das selbst Hollywood kaum besser hätte schreiben können.
Plötzlich erklärt die FIFA: Die Sperre wird für ein Jahr auf Bewährung ausgesetzt.
Mit anderen Worten:
Rote Karte? Ja. Sperre? Ach… heute mal nicht.
Eine ausführliche Begründung? Fehlanzeige.
Belgien, der nächste Gegner der USA, dürfte sich beim Lesen der Mitteilung erst einmal gefragt haben, ob die FIFA versehentlich den 1. April mit der WM verwechselt hat. Der belgische Fußballverband sprach jedenfalls von einer erstaunlichen Entscheidung und prüft inzwischen rechtliche Schritte.
Besonders pikant wird die Geschichte, weil sich kurz zuvor hochrangige Politiker in Washington eingeschaltet hatten.
Außenminister Marco Rubio erklärte öffentlich, die Rote Karte sei ungerecht gewesen.
Und dann meldete sich auch noch Präsident Donald Trump persönlich zu Wort.
Auf seiner Plattform Truth Social bedankte er sich überschwänglich:
„Danke an die FIFA, dass sie diese große Ungerechtigkeit korrigiert hat!“
Medien berichten sogar, Trump habe FIFA-Präsident Gianni Infantino persönlich angerufen, um eine Überprüfung der Roten Karte anzuregen. Offiziell bestätigt wurde das bislang allerdings nicht.
Gleiche Regeln für alle?
Genau hier beginnt das eigentliche Problem.
Bislang galt bei dieser Weltmeisterschaft:
Rote Karte = Sperre.
Ohne Ausnahme.
Außer offenbar, wenn der gesperrte Spieler zufällig der wichtigste Torjäger des Gastgeberlandes ist.
Andere Spieler hatten deutlich weniger Glück.
Der Katarer Assim Madibo erhielt nach einem Foul sogar eine Fünf-Spiele-Sperre.
Balogun dagegen darf plötzlich weiterspielen.
Da fragen sich nicht nur die Belgier:
Gibt es bei der FIFA inzwischen einen VIP-Schalter?
FIFA erklärt… eigentlich gar nichts
Die FIFA verweist lediglich auf einen Paragraphen ihres Disziplinarrechts, der grundsätzlich erlaubt, Strafen auf Bewährung auszusetzen.
Warum genau dieser Paragraph ausgerechnet jetzt angewendet wurde?
Darauf gibt es bis heute keine Antwort.
Und genau das sorgt weltweit für Stirnrunzeln.
America First – jetzt auch auf dem Fußballplatz?
Natürlich ist es denkbar, dass die FIFA ausschließlich juristisch entschieden hat.
Genauso nachvollziehbar ist aber die Frage vieler Fans:
Hätte dieselbe Entscheidung auch für Luxemburg, Costa Rica oder Slowenien gegolten?
Oder anders gefragt:
Wenn der Gastgeber anruft…
…geht bei der FIFA plötzlich doch noch jemand ans Telefon?
Fazit
Ob Zufall oder nicht – die Geschichte hinterlässt einen schalen Beigeschmack.
Denn wenn aus einer Roten Karte plötzlich eine Art gelbe Verwarnung mit Bewährungsauflage wird und gleichzeitig der Präsident des Gastgeberlandes öffentlich Dankesgrüße verschickt, dann dürfte die Diskussion über die Unabhängigkeit der FIFA noch lange nicht beendet sein.
„America First“ scheint jedenfalls nicht mehr nur ein politischer Slogan zu sein.
Vielleicht gilt er inzwischen sogar bis in den Strafraum.
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