Am Montag geht es für den 1. FC Lok Leipzig um alles. Dritte Liga oder ein weiteres Jahr Regionalliga. Aufstieg oder Enttäuschung. Traum oder Albtraum.
Doch nach dem ernüchternden 0:1 im Hinspiel stellt sich eine unbequeme Frage: Hat diese Mannschaft überhaupt noch die Kraft – und vor allem den unbedingten Willen – für ein echtes Endspiel?
Wer das Hinspiel gesehen hat, dem fiel vor allem eines auf: Lok spielte wie eine Mannschaft, die Angst hatte, einen Fehler zu machen. Kaum Risiko, kaum Tempo, kaum Überraschungsmomente. Die Würzburger wirkten entschlossener, aggressiver und körperlich präsenter.
Mit der Leistung aus dem Hinspiel wird man in Würzburg vielleicht eine schöne Stadtbesichtigung erleben.
Ein Aufstiegsspiel gewinnt man damit allerdings nicht.
Umso erstaunlicher wirkt die Diskussion über die zahlreichen Ausfälle. Natürlich fehlen wichtige Spieler. Natürlich schmerzen Verletzungen. Aber ganz ehrlich: In einem Spiel, in dem es um die Existenz eines ganzen Projekts geht, interessiert sich am Ende niemand dafür, wer alles nicht dabei war.
Jetzt ist nicht die Zeit für Verletztenlisten.
Jetzt ist die Zeit für Kampf.
Jetzt ist die Zeit für Charakter.
Jetzt ist die Zeit für Spieler, die über ihre Grenzen gehen.
Wer aufsteigen will, darf sich nicht vor dem Anpfiff erklären, warum etwas schwierig werden könnte. Wer aufsteigen will, muss Lösungen finden.
Trainer Jochen Seitz verweist seit Tagen auf die personellen Probleme. Das mag faktisch richtig sein. Doch vor einem Alles-oder-Nichts-Spiel hören Fans lieber Kampfansagen als Zustandsberichte aus der Krankenakte.
Die Wahrheit lautet: Lok hat noch alle Chancen.
Es ist nur ein Tor Rückstand.
Keine Katastrophe.
Kein Debakel.
Kein aussichtsloser Fall.
Aber dafür muss in Würzburg eine völlig andere Mannschaft auf dem Platz stehen als im Hinspiel.
Eine Mannschaft, die beißt.
Eine Mannschaft, die rennt.
Eine Mannschaft, die jeden Zweikampf annimmt.
Eine Mannschaft, die zeigt, dass sie unbedingt in die 3. Liga will.
Denn Aufstiegsspiele gewinnt man nicht mit Ausreden.
Aufstiegsspiele gewinnt man mit Leidenschaft, Mut und der Bereitschaft, 90 Minuten lang alles auf dem Platz zu lassen.
Sollte Lok erneut so mutlos auftreten wie im Hinspiel, dürfte die Reise nach Würzburg schnell zur Abschiedstour von einem großen Traum werden.
Die Fans haben ihren Teil längst erfüllt.
Jetzt ist die Mannschaft dran.
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