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Commerzbank-Übernahme: Freie Marktwirtschaft, aber bitte nur solange Deutsche kaufen

CDD20 (CC0), Pixabay
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ie Bundesregierung zeigt sich empört über die mögliche Übernahme der Commerzbank durch die italienische Unicredit. Das Finanzministerium nennt das Vorgehen „inakzeptabel“. Ein faszinierender Begriff in einer freien Marktwirtschaft – besonders nachdem der Staat selbst zuvor Commerzbank-Anteile verkauft und damit die Tür überhaupt erst geöffnet hatte.

Mit anderen Worten:
Erst verkauft man das Haus.
Dann beschwert man sich empört darüber, dass plötzlich jemand einziehen möchte.

Nun denkt der Bund laut Berichten ernsthaft darüber nach, über die staatliche KfW wieder Aktien zurückzukaufen, um die Übernahme zu verhindern. Kostenpunkt: mehrere Milliarden Euro. Also ungefähr siebenmal mehr Geld, als man beim Verkauf der Anteile eingenommen hat. Finanzpolitik nach dem Motto:
„Buy high, sell low“ – normalerweise eher eine Strategie nervöser Kleinanleger auf Reddit.

Besonders rührend ist die plötzlich entdeckte Sorge um:

  • den Finanzstandort Deutschland,
  • den Mittelstand,
  • Arbeitsplätze,
  • und die nationale Stabilität.

All das hätte man theoretisch auch bedenken können, bevor man Anteile verkaufte und italienischen Banken erklärte:
„Hier bitte, bedient euch.“

Natürlich kann man über die Risiken einer Übernahme diskutieren. Filialschließungen, Stellenabbau und Zentralisierung sind reale Themen. Bankenfusionen enden selten in Gruppentherapie und Arbeitsplatzgarantien. Aber die gespielte Überraschung wirkt dennoch bemerkenswert.

Denn genau so funktioniert Marktwirtschaft:
Wer Aktien verkauft, verliert Kontrolle.
Wer Unternehmen an die Börse bringt, akzeptiert Investoren.
Und wer Kapitalmärkte liebt, bekommt irgendwann auch Kapitalmarktlogik zurück.

Man möchte Herrn Klingbeil und Teilen der Bundesregierung fast freundlich erklären, was „freie Marktwirtschaft“ eigentlich bedeutet:
Nicht jeder Käufer muss deutsch sein.
Nicht jede Übernahme ist ein nationaler Angriff.
Und internationale Investoren fragen selten zuerst nach emotionaler Befindlichkeit im Kanzleramt.

Besonders ironisch:
Die EU predigt seit Jahren offenen Wettbewerb, Bankenunion und europäische Integration. Aber sobald eine italienische Bank eine deutsche Großbank kaufen möchte, klingt Berlin plötzlich wie ein enttäuschter Fußballfan nach einem verlorenen Derby:
„So war Europa jetzt eigentlich nicht gemeint.“

Ökonom Marcel Fratzscher nennt einen staatlichen Wiedereinstieg folgerichtig einen schweren Fehler. Der Staat solle keine milliardenteuren Abwehrkämpfe führen, nur weil ein Marktprozess politisch unangenehm aussieht. Eine radikale Idee in Zeiten, in denen Politik immer häufiger glaubt, wirtschaftliche Realität lasse sich einfach wegmoderieren.

Unicredit selbst bleibt derweil entspannt. Die Italiener wissen:
Zeit arbeitet oft für den geduldigeren Investor.
Und während Berlin noch Pressemitteilungen formuliert, sammeln andere längst Anteile ein.

Am Ende bleibt vor allem der Eindruck einer politischen Theateraufführung:
Man verkauft freiwillig Beteiligungen,
merkt dann, dass Investoren tatsächlich investieren,
und gibt sich anschließend empört darüber, dass Kapitalismus plötzlich kapitalistisch geworden ist.

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