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Zypern übernimmt – und Europa tanzt den Sirtaki der Bürokratie

mayns82 (CC0), Pixabay
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Ein kleiner Inselstaat mit großer Ambition und wenig Einfluss darf jetzt ein halbes Jahr lang ans Steuerrad der EU. Was soll da schon schiefgehen?

Seit dem 1. Januar steht ausgerechnet Zypern, die geopolitische Fußnote im östlichen Mittelmeer, an der Spitze der Europäischen Union. Halb so groß wie Hessen, doppelt so sonnig, aber dafür dreifach geteilt (Nord, Süd, UN-Zone), übernimmt die Insel für sechs Monate den EU-Ratsvorsitz – in einer Zeit, in der Europa wahlweise wankt, schwitzt oder vor sich hin stagniert.

Doch statt sich vom Chaos beeindrucken zu lassen, fordert man aus Nikosia ganz unbescheiden: „Wir brauchen eine autonome EU.“ Autonom wovon, fragt man sich – von der Realität?

Zwischen Abschiebungen und Omnibusse

Auf Zyperns To-do-Liste steht alles, was sonst keiner freiwillig anfasst:

  • Schnellere Abschiebungen – ein EU-Klassiker mit schlechter Erfolgsbilanz.

  • Das sogenannte „28. Regime“ für Start-ups – klingt futuristisch, ist aber vermutlich nur ein weiteres PDF mit vielen Fußnoten.

  • Ein EU-Budget für 2028–2034 – was kann schon schiefgehen, wenn 27 Staaten über Geld reden?

  • Und als besonderes Schmankerl: Die „Omnibus-Beschlüsse“, bei denen gleich vier Branchen gleichzeitig von Bürokratie entlastet – oder entkernt – werden sollen. Klingt wie EU-Reform à la Wundertüte.

Strategische Autonomie oder diplomatische Selbstüberschätzung?

Zypern will die EU nicht nur effizienter, sondern auch „strategisch autonom“ machen – inklusive Waffenindustrie, Energieversorgung und einer irgendwie ganzheitlichen Annäherung an den Nahen Osten. Dazu lädt man auch gleich mal den türkischen Präsidenten zum EU-Gipfel. Eine mutige Entscheidung, denn: Ein falsches Wort, und Erdogan erkennt aus Trotz Südzypern als eigenständige Bananenrepublik an.

Teilung als Tagesordnungspunkt

Zypern selbst ist übrigens seit 1974 geteilt – was eine gewisse Ironie verleiht, wenn man gerade die politische Einheit Europas stärken will. Immerhin: Vielleicht nutzt man die Ratspräsidentschaft endlich dazu, die eigene Landkarte zu entwirren.

Fazit: Sonne, Strand und strategische Vision

Ob das alles gelingt? Fraglich. Aber es gibt Hoffnung: Der zypriotische Ratspräsident kennt die Brüsseler Politmechanik aus dem Effeff, seine EU-Staatssekretärin plant Gipfeltreffen wie andere ihren Sommerurlaub, und am Ende übernimmt sowieso Irland – vermutlich mit Guinness, Gelassenheit und weniger geopolitischen Ambitionen.

Bis dahin: Kalimera, Europa. Und viel Erfolg. Ihr werdet ihn brauchen.

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