Es gibt Vereine, die präsentieren im Sommer neue Spieler. Es gibt Vereine, die präsentieren neue Trikots. Und dann gibt es Dynamo Dresden. Die schaffen es, mit einem Torwarttrikot eine größere Diskussion auszulösen als mancher Bundesligist mit einem Millionen-Transfer.
Als Dynamo am Freitag die neue Arbeitskleidung für die Torhüter vorstellte, dürfte sich so mancher Fan gefragt haben, ob er versehentlich in einer Zeitmaschine gelandet ist. Zielort: Die frühen 90er Jahre. Damals, als Neonfarben noch als Designkonzept galten und Torhüter aussahen, als hätten sie beim Anziehen gegen einen Farbeimer verloren.
Natürlich gehen die Meinungen auseinander. Die einen feiern das Trikot als mutig, kreativ und erfrischend anders. Die anderen sehen darin eher eine optische Herausforderung mit Karnevalscharakter. Zwischen „Leider geil“ und „Kaspertheater“ ist in den sozialen Netzwerken alles vertreten.
Dabei muss man den Verantwortlichen eines lassen: Übersehen wird Dynamo in dieser Saison definitiv nicht. Und die Torhüter schon gar nicht.
Vielleicht steckt dahinter sogar ein genialer taktischer Plan. Wenn der gegnerische Stürmer beim Blick auf Lennart Grill oder Elias Bethke erst einmal versucht herauszufinden, ob da ein Torwart, ein Kunstprojekt oder ein wandelnder Fischerhut vor ihm steht, sind die entscheidenden Sekunden für den Abschluss möglicherweise schon vorbei.
Apropos Fischerhut. Genau dort liegt bekanntlich die Inspiration für das neue Design. Trainer Thomas Stamm machte das einstige Aufstiegs-Accessoire zu einer kleinen Vereinslegende. Nun wurde aus dem Kult-Hut kurzerhand ein Trikot. Manche Vereine bauen Denkmäler. Dynamo macht daraus Torwartmode.
Man kann darüber lachen. Man kann darüber diskutieren. Man kann sich sogar darüber streiten. Aber genau das ist wahrscheinlich der größte Erfolg dieser Präsentation. Während andere Zweitligisten ihre neuen Trikots veröffentlichen und nach drei Stunden niemand mehr darüber spricht, diskutiert Dresden tagelang über Farben, Muster und modischen Wahnsinn.
Fast ein wenig untergegangen ist dabei die Verpflichtung von Simon Straudi. Der kommt ablösefrei aus Cottbus, kann auf beiden Außenbahnen spielen, bringt Aufstiegserfahrung mit und könnte sich als äußerst sinnvoller Transfer erweisen. Doch gegen einen Torwart im Fischerhut-Look hat selbst ein Neuzugang momentan kaum eine Chance auf Aufmerksamkeit.
Vielleicht ist genau das die eigentliche Stärke von Dynamo Dresden. Selbst wenn es sportlich einmal ruhiger wird, sorgt der Verein zuverlässig für Gesprächsstoff.
Und wer weiß: Sollte Dynamo am Ende die Klasse halten oder sogar oben mitspielen, werden die Fans in einigen Monaten behaupten, sie hätten die Torwarttrikots von Anfang an großartig gefunden.
Im Fußball ist schließlich vieles Geschmackssache. Ergebnisse verändern bekanntlich sogar den Blick auf Mode.
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