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Zwischen Drohung und Diplomatie: Was haben die Mullahs eigentlich noch zu verlieren?

qimono (CC0), Pixabay
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Während Pakistan hektisch zwischen Teheran und Washington pendelt, wirkt der Konflikt zwischen dem Iran und den USA zunehmend wie ein Pokerspiel mit atomaren Chips. Pakistans Innenminister Syed Mohsin Naqvi überbringt Botschaften, Armeechef Asim Munir gibt den diskreten Vermittler mit Trump-Kontakten – und in Teheran hält man sich demonstrativ bedeckt. Diplomatie brauche Zeit, heißt es dort. Übersetzt aus dem Politischen bedeutet das oft: Niemand weiß, wie man gesichtswahrend aus der Sache herauskommt.

Die entscheidende Frage lautet inzwischen jedoch nicht mehr, ob es zu einer Einigung kommt, sondern: Was haben die Mullahs eigentlich noch zu verlieren, wenn sie weiter mit Donald Trump um Frieden pokern?

Wirtschaftlich steht der Iran seit Jahren unter massivem Druck. Sanktionen, Inflation und eine zunehmend frustrierte Bevölkerung haben das Regime geschwächt. Gleichzeitig ist die Führung in Teheran überzeugt, dass Nachgeben gegenüber Washington innenpolitisch wie eine Kapitulation wirken würde. Besonders bei der Urananreicherung scheint man keinen Millimeter zurückweichen zu wollen. Das Atomprogramm ist längst nicht nur Technologie, sondern Symbol nationaler Trotzpolitik geworden.

Auch die Straße von Hormus bleibt ein geopolitischer Hebel. Sollte Teheran tatsächlich versuchen, dort eine Art „Mautsystem“ einzuführen, wie US-Außenminister Marco Rubio warnte, könnte die Lage eskalieren. Für den Iran wäre das zwar ein riskantes Machtspiel – aber möglicherweise eines der letzten verbliebenen Druckmittel gegen den Westen.

Donald Trump wiederum setzt auf seine bekannte Strategie: maximaler Druck kombiniert mit maximaler öffentlicher Inszenierung. „Einige gute Zeichen“, sagt Rubio vorsichtig. In Washington weiß man allerdings ebenfalls: Ein zu harter Kurs könnte Teheran endgültig aus den Gesprächen treiben. Ein zu weicher Kurs wiederum würde Trump innenpolitisch angreifbar machen.

Pakistan versucht derweil, den Brand einzudämmen, bevor aus geopolitischem Poker ein Flächenbrand wird. Doch die Fronten bleiben verhärtet. Die iranische Führung scheint überzeugt, dass Zeit für sie arbeitet – oder zumindest gegen den politischen Kalender in Washington.

Vielleicht ist genau das der eigentliche Kern dieses Konflikts: Beide Seiten tun so, als hätten sie noch alle Karten in der Hand. Dabei wissen vermutlich längst beide, dass der Tisch jederzeit umkippen könnte.

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