In Dänemark läuft die Regierungsbildung weiterhin nach dem beliebten skandinavischen Gesellschaftsspiel „Wer will eigentlich mit wem?“ – bislang ohne Sieger. Nach der Wahl im März scheiterte nun auch der Versuch von Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen, ein Mitte-rechts-Bündnis zusammenzutackern. Offenbar fehlten am Ende entweder Stimmen, Geduld oder ausreichend Kaffee.
Poulsen, Chef der rechtsliberalen Partei Venstre, war von König Frederik beauftragt worden, nach einer Regierung zu suchen – eine Aufgabe, die inzwischen ungefähr so aussichtsreich wirkt wie IKEA-Regale ohne Anleitung aufzubauen. Zuvor hatte bereits die geschäftsführende Ministerpräsidentin Mette Frederiksen ihre Koalitionsgespräche gegen die Wand gefahren.
Die rechten Parteien signalisierten zwar Gesprächsbereitschaft, doch die moderaten Zentristen verweigerten Poulsen die Unterstützung. Dieselben Moderaten hatten kurz zuvor noch die Gespräche mit Frederiksen platzen lassen und Poulsen als neuen Hoffnungsträger präsentiert – politische Stabilität auf dänische Art.
Nun darf König Frederik erneut alle Parteichefs zum kollektiven Schulterzucken empfangen. Vielleicht bekommt Frederiksen noch eine zweite Chance, vielleicht darf jemand anderes scheitern. Manche Beobachter fragen sich inzwischen bereits, ob Dänemark ohne Regierung womöglich ruhiger funktioniert als mit einer. Schließlich erreichten die Sozialdemokraten zuletzt ihr schlechtestes Wahlergebnis seit 1903 – was immerhin historisch ist.
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