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Zuviel Gequatsche

WilliamCho (CC0), Pixabay
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Am Obersten Gerichtshof der USA wächst der interne Frust über ein Problem, das nach außen fast absurd wirkt: Die Richter reden offenbar zu viel. Hinter den Kulissen eskaliert inzwischen ein Streit über ausufernde Anhörungen, endlose Monologe und ein Verfahren, das zunehmend außer Kontrolle gerät.

Mehrere Richter kritisierten zuletzt öffentlich die Dauer der mündlichen Verhandlungen. Der Vorsitzende Richter sprach von Sitzungen, die „viel zu lang“ geworden seien. Andere beklagen stundenlange Redebeiträge statt präziser juristischer Fragen. Was früher streng getaktet war, entwickelt sich laut Beobachtern zunehmend zu einer Bühne für politische und ideologische Schlagabtausche.

Besonders seit der Pandemie hat sich die Dynamik im Gericht verändert. Damals wurden virtuelle Anhörungen eingeführt und die Richter befragten Anwälte der Reihe nach. Dieses System blieb teilweise bestehen – mit unerwarteten Folgen: Die Debatten dauern inzwischen oft deutlich länger als geplant. Aus angesetzten 60 Minuten werden regelmäßig 90 Minuten oder mehr.

Insider sehen darin mehr als nur ein organisatorisches Problem. Die langen Wortbeiträge offenbaren auch die Spannungen innerhalb des Gerichts. Vor allem die liberalen Richterinnen melden sich auffällig häufig und ausführlich zu Wort, während konservative Richter zunehmend genervt reagieren. Teilweise kommt es während der Anhörungen zu offenen Sticheleien und Machtkämpfen um das letzte Wort.

Der Streit zeigt zugleich ein tieferes Problem des Gerichts: Viele Richter haben ihre Meinung offenbar längst gebildet, bevor die Verhandlungen überhaupt beginnen. Einige räumten selbst ein, dass sie bereits vor den Anhörungen eine klare Vorstellung vom Ausgang eines Falls hätten. Kritiker fragen deshalb, ob die stundenlangen Debatten überhaupt noch der Wahrheitsfindung dienen – oder lediglich der öffentlichen Inszenierung.

Besonders heikel wird das Thema, weil die Anhörungen seit der Pandemie live übertragen werden. Millionen Amerikaner erhalten dadurch erstmals direkte Einblicke in die Arbeitsweise des mächtigsten Gerichts der USA. Genau deshalb warnen Experten: Wenn die Debatten zunehmend wie politische Talkshows wirken, könnte das langfristig das Vertrauen in die Unabhängigkeit des Supreme Court beschädigen.

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