Ein Jahr nach seiner großen Zolloffensive zeigt Donald Trump der Welt erneut, dass man wirtschaftspolitischen Irrsinn durchaus noch steigern kann. Damals war es schon absurd. Jetzt wird es fast schon Kunst.
Das Weiße Haus hat beschlossen, auf patentierte Medikamente künftig 100 Prozent Zoll zu erheben. Ja, genau: Medikamente. Also jene Produkte, die in den USA ohnehin schon ungefähr so teuer sind wie ein Kleinwagen mit Lederausstattung.
Die Logik dahinter ist bestechend einfach und deshalb natürlich brandgefährlich:
Wenn Medikamente zu teuer sind, machen wir sie erstmal doppelt so teuer.
Dann wird’s schon irgendwie besser.
Das ist ungefähr so, als würde man bei Zahnschmerzen mit dem Hammer nachbehandeln.
Offiziell will Trump damit Produktion zurück in die USA holen. Jobs schaffen. Fabriken bauen. Amerika stark machen. Inoffiziell klingt es eher nach:
„Wenn ihr hier verkaufen wollt, dann zieht gefälligst ein, heiratet die US-Wirtschaft und bringt eure Maschinen mit.“
Große Unternehmen bekommen 120 Tage Zeit, um sich auf den finanziellen Tritt in den Unterleib vorzubereiten. Kleinere Firmen dürfen 60 Tage länger hoffen, dass vielleicht doch noch Vernunft einzieht. Spoiler: wird sie nicht.
Immerhin gibt es für die EU einen „Freundschaftszoll“ von nur 15 Prozent. Das ist in der Trump-Welt praktisch schon ein Staatsorden.
Die Schweiz, Großbritannien und Japan sind ebenfalls ausgenommen. Vermutlich weil man selbst im Weißen Haus irgendwann gemerkt hat, dass man nicht gleichzeitig alle wichtigen Handelspartner verprügeln kann – zumindest nicht vor dem Mittagessen.
Und wer ganz lieb ist, bekommt sogar null Prozent Zoll. Voraussetzung: Das betreffende Land verspricht, brav Fabriken in den USA zu bauen.
Mit anderen Worten:
Freier Handel ist jetzt offiziell eine Art Schutzgeldsystem mit Immobilienkomponente.
Aber damit nicht genug. Denn wenn Trump einmal warmgelaufen ist, bleibt es natürlich nicht bei Medikamenten. Auch bei Stahl, Aluminium und Kupfer wird die Zollkeule neu geschwungen.
Bisher wurde der Zoll auf den Preis erhoben, den der Exporteur angibt. Das Problem laut US-Regierung: Die Welt war so dreist, ihre Preise niedriger anzugeben, als Washington das gern hätte.
Die Reaktion?
Nicht etwa Wettbewerb, nicht Verhandlungen, nicht Marktlogik.
Nein.
Man ändert einfach die Rechenregel.
Künftig wird der Zoll nicht mehr auf den Exportpreis berechnet, sondern auf den höheren Preis, der auf dem US-Markt anfällt.
Das ist ungefähr so, als würde dein Finanzamt sagen:
„Wir glauben dir nicht, was du verdient hast. Wir besteuern einfach das, was du hättest verdienen können, wenn du erfolgreicher gewesen wärst.“
Genial.
Oder eben völlig irre.
Für manche Produkte wird es dagegen fast schon human. Wenn sie zu mehr als 15 Prozent aus Stahl, Aluminium oder Kupfer bestehen, gilt künftig ein einheitlicher Satz von 25 Prozent. Vorher waren es auf den Metallanteil 50 Prozent.
Heißt im Klartext:
Wer genug Metall im Produkt hat, wird nicht mehr komplett, sondern nur noch halb zerlegt.
Was hier passiert, ist inzwischen kein klassischer Protektionismus mehr. Das ist wirtschaftspolitisches Improvisationstheater mit Zolltarif.
Trump bleibt seiner Linie treu:
- Wenn etwas nicht funktioniert: mehr Zoll
- Wenn etwas teuer ist: noch teurer machen
- Wenn Einnahmen fehlen: Formel ändern
- Wenn Handelspartner meckern: Fabrik bauen lassen
- Wenn Ökonomen warnen: wahrscheinlich Fake News
Die eigentliche Pointe ist ja: Trump verkauft das alles als patriotischen Masterplan.
Und Millionen jubeln, während Medikamente teurer werden, Lieferketten nervöser, Unternehmen panischer und Börsenanalysten langsam in ihre Schreibtische beißen.
Am Ende lautet die neue US-Wirtschaftsdoktrin wohl so:
Amerika zuerst. Preise danach. Realität irgendwann später.
Oder noch kürzer:
Trump bekämpft Inflation jetzt mit Aufpreis.
Kommentar hinterlassen