Wieder einmal dieselbe Geschichte:
Große Versprechen, viel Geld, am Ende leere Hände. Während Investoren und Kunden auf Millionenverlusten sitzen, scheint es dem mutmaßlichen Drahtzieher auf Malta ziemlich gutzugehen.
Im Betrugsfall rund um die Dresdner Solarfirma Sense4Energy hat die Staatsanwaltschaft nun Anklage erhoben. Der Vorwurf: besonders schwerer Betrug in 41 Fällen. Schaden: rund zwölf Millionen Euro.
Zwölf Millionen.
Das ist nicht irgendein „Missverständnis“ oder eine schiefgelaufene Baustelle. Laut Ermittlern kassierte die Firma über Jahre hohe Anzahlungen für schlüsselfertige Solaranlagen – nur dass bei vielen Projekten entscheidende Leistungen nie fertiggestellt wurden. Besonders pikant:
Oft fehlte schlicht der Netzanschluss. Also genau der kleine technische Nebenaspekt, der darüber entscheidet, ob eine Solaranlage Strom produziert oder nur teuer auf dem Dach herumliegt.
Für die betroffenen Investoren ist das inzwischen ein Albtraum. Firmen haften gegenüber ihren eigenen Kunden, Projekte stehen still, Millionen sind verschwunden und die Justiz arbeitet sich nun durch Aktenberge.
Und während in Deutschland Anwälte, Insolvenzverwalter und Geschädigte beschäftigt sind, liest man fast nebenbei den interessantesten Satz der ganzen Geschichte:
Der Prokurist soll sich zuletzt überwiegend auf Malta aufgehalten haben.
Natürlich. Wo auch sonst?
Wenn in Europa irgendwo Geld verschwindet, taucht früher oder später entweder Dubai, Zypern oder Malta auf wie ein Endgegner in einem Wirtschaftskrimi.
Dort scheint die Sonne, die Steuern sind freundlich und deutsche Ermittlungsverfahren wirken plötzlich sehr weit weg.
Für die Verbraucher bleibt dagegen das Übliche:
Ärger, Frust, Prozesse und die Erkenntnis, dass man selbst für „schlüsselfertig“ am Ende oft nur Rechnungen bekommt.
Besonders bitter:
Die Solarbranche lebt eigentlich vom Vertrauen. Menschen investieren hohe Summen in Energiewende, Nachhaltigkeit und Zukunftstechnologie. Wenn dann solche Fälle explodieren, beschädigt das weit mehr als nur einzelne Konten.
Aber immerhin gibt es jetzt eine Anklage. Das ist in Deutschland ja oft schon fast der spannendste Teil der Geschichte.
Ob am Ende wirklich Geld zurückkommt, steht auf einem ganz anderen Blatt.
Auf Malta scheint unterdessen jedenfalls weiterhin die Sonne.
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